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Lokales Heute vor 70 Jahren: Über 1000 Tote bei Bombenangriff auf Leipzig
Leipzig Lokales Heute vor 70 Jahren: Über 1000 Tote bei Bombenangriff auf Leipzig
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23:59 26.02.2015
Das Leibniz-Denkmal inmitten der Trümmer von Universitätsbauten in der Innenstadt. Quelle: UniArchiv

In mehreren Wellen klinkten die als fliegende Festungen bezeichneten Maschinen vom Typ B-17 ihre zerstörende und todbringende Last aus. Rund 2000 Tonnen Spreng- und Brandbomben sowie Luftminen wurden abgeworfen und schlugen im gesamten Stadtgebiet ein. Die Angaben über die Opferzahl schwanken zwischen 670 und fast 1100 Toten, wobei letztere nach der Quellenlage am belastbarsten ist.

Reinhard Steffler geht in seinem Buch "Luftangriffe auf Leipzig und die Handlungen der Löschkräfte" jedenfalls davon aus, dass bei diesem Angriff der Amerikaner die zweithöchste Zahl an Getöteten zu beklagen war, nachdem beim heftigsten Bombardement am 4. Dezember 1943 durch die britische Royal Air Force (RAF) auch in Folge eines entfachten Feuersturmes über 1800 Menschen umgekommen waren.

Als am 27. Februar 1945 die Sirenen heulten und der Bombenhagel hereinbrach, erhielten auch Hochbehälter und Wasserleitungen Treffer, sodass vor allen im Norden und Süden Leipzigs sowie im Zentrum die Löscheinsätze extrem erschwert wurden. Hinzu kamen die Beschädigung der Ost-Wache und der Technikausfall einer kompletten Bereitschaft der Feuerwehr. Es habe an ein Wunder gegrenzt, dass die Schadensbekämpfung überhaupt noch funktionierte, schreibt Steffler. Per Funk wurden um 14 Uhr Feuerwehren und motorisierte Luftschutzeinheiten von außerhalb angefordert, unter anderem rückte aus Dresden, Chemnitz und Riesa Verstärkung an, um noch etwas zu retten, wo es nicht mehr viel zu retten gab. In Schutt und Asche fielen unter anderem markante Gebäude wie das ans Augusteum angrenzende Rentamt der Universität in der City und das Schiller-Gymnasium in Gohlis. Von der Erlöserkirche in Thonberg blieb nur der später gesprengte Turm stehen, auch die Bibliotheca Albertina in der Beethovenstraße und der Botanische Garten der Universität in der Linnéstraße sowie die Uni-Kinderklinik und das Grafische Viertel wurden schwer getroffen.

Carl Ritter, der als Mitglied einer Widerstandsgruppe verhaftet worden war, erlebte den Angriff in der Leipziger Untersuchungshaftanstalt und schilderte später, was sich dort abspielte, als Bomben einschlugen. Im Zellenhaus brach Panik aus, die Inhaftierten versuchten zu fliehen, gerieten aber in die Fänge der Wachmannschaften, wurden malträtiert und nach zwei Stunden wieder in die verbliebenen Zellen gejagt. Häftlinge, Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter waren den Luftangriffen auf die "Reichsmessestadt" nahezu schutzlos ausgeliefert.

Am 6. April 1945 schlug die 8. US-Luftflotte erneut zu und in der Nacht vom 10. auf den 11. April die britische RAF. Rund 1000 Menschen starben bei diesen letzten Bombardements, bevor Einheiten der 1. US-Armee Leipzig erreichten und die Stadt am 18. April einnahmen. Zwei Tage später kapitulierten die letzten Wehrmachtssoldaten und Volkssturmmänner, die sich unter der Befehlsgewalt des selbsternannten Kampfkommandanten Hans von Poncet im Völkerschlachtdenkmal verschanzt hatten.

Für die Auswahl ihres Hauptquartiers in der Stadt blieben den Amerikanern dann inmitten der Trümmerlandschaft Leipzigs nicht viele Alternativen, es wurde in einem Gebäude am Dittrichring eingerichtet.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 27.02.2015

Mario Beck

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