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Leipzig Lokales Hier entsteht Schönefelds größtes Wohnungsbauprojekt
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23:26 08.03.2018
Hier soll Schönefelds größtes Neubauquartier entstehen. Im Hintergrund: Schönefelder Schloss und Rathaus. Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig

An vielen Ecken wird Schönefeld seinem klangvollen Namen nicht gerecht. Entsprechend angekratzt ist auch das Image des Stadtteils im Leipziger Osten. Seit ein Kind aus einer Schleußiger Akademikerfamilie vor vier Jahren sich auch noch weigerte, in Schönefeld aufs Gymnasium zu gehen, haftet dem Stadtteil gar der Ruf des „Assi-Viertels“ an.

Doch diese Vorurteile sollen nun endgültig verschwinden. Das größte Wohnungsbauprojekt in Schönefeld seit der Wende steht in den Startlöchern. Die Leipzig-Stiftung hat mit dem Büro Fuchshuber Architekten ein Quartier mit 142 Wohnungen für rund 400 Menschen entwickelt. „Stiftungsrat und Vorstand stimmten dem 27-Millionen-Euro-Projekt bereits zu“, sagte gestern der Vorstandsvorsitzende der Stiftung, Leipzigs Finanzbürgermeister Torsten Bonew (CDU). Die Verhandlungen mit der Hausbank seien auf einem guten Weg.

Gleich hinter dem Schönefelder Schloss, zwischen Robert-Blum-, Zeumer- und Löbauerstraße, besitzt die Stiftung ein 14 000 Quadratmeter großes parkähnliches Grundstück, auf dem neben einem Eigenheim und einer Tagesstätte für Menschen mit Behinderung 90 Jahrzehnte alte Garagen stehen. „Das Grundstück ist die Brücke in den Mariannenpark“, hob Bonew hervor. Er räumte aber auch ein: „Es gehört zu den wenig ansehnlichen Orten, die es in Schönefeld gibt.“ Doch das soll sich bald ändern. Während das Wohnhaus stehen bleibt – und bis eine andere Lösung gefunden ist auch die Tagesstätte in dem alten Plattenbau –, sollen Garagen und zwei Gärten dem großen Bauvorhaben weichen. Die Pachtverträge würden nach den Worten des geschäftsführenden Vorstands Christoph von Berg jetzt gekündigt. Wenn alles nach Plan verlaufe, so der Rechtsanwalt, und auch durch obligatorische archäologische Untersuchungen – das Areal war während der Völkerschlacht 1813 heiß umkämpft – keine Verzögerungen einträten, sei das Areal im Januar beräumt, könnten die Bauarbeiten im ersten Quartal 2019 beginnen und die ersten Bewohner Ende 2020 einziehen.

„Die Zielgruppe ist der Mittelstand mit Kindern“, sagte Gert-Ingulf Müller vom Büro Fuchshuber Architekten. „In Leipzig werden vor allem Drei- und Vierraumwohnungen benötigt, die bezahlbar und kompakt sind.“ Genau die werde das neue Quartier bieten. Vorgesehen sind 56 Zwei-Raum-Wohnungen mit 45 Quadratmetern, 37 Drei-Raum-Wohnungen mit 75 Qua­dratmetern und 49 Vier-Raum-Wohnungen mit 90 Quadratmetern Wohnfläche. Dazu 110 Autostellplätze, zwei Drittel davon in Tiefgaragen, sowie Einkaufsmöglichkeiten. 9900 Quadratmeter stehen auf dem Stiftungsgrundstück für das Projekt zur Verfügung, ein knappes Drittel davon soll bebaut werden. Müller: „Die Stiftung bietet gegenüber einem privaten Investor den Vorteil, dass sie das Grundstück nicht kostenoptimiert ausnutzen muss.“ Das schaffe Freiraum, mache „Wohnen im Grünen“ mitten in der Stadt möglich. Auf dem Gelände befinden sich drei rund 200 Jahre alte große Bäume, die unter Naturschutz stehen. Die Trauerbuche, die Platane und die Esche sind die grünen Anker des Wohngebietes. In nächster Nähe befinden sich drei Kindertagesstätten, eine Grundschule und ein Gymnasium und öffentlicher Personennahverkehr, was dem Ganzen das Prädikat familienfreundlich gibt.

Die Mieten werden nach den Worten von Bergs bei zehn Euro pro Quadratmeter liegen. Unter dem sei angesichts der Bauvorschriften heute kein Neubau mehr zu finanzieren. Darüber hatte es bereits im vergangenen Jahr eine hitzige Debatte im Stadtrat gegeben. Für die Forderung nach Sozialwohnungsbau fand jedoch keine Mehrheit (die LVZ berichtete). Von Berg hält von dieser Diskussion wenig. „Die Erträge aus der Vermietung kommen doch den Leipziger wieder zugute“, sagte er. Denn die Stiftung schüttet jedes Jahr Geld für karitative Zwecke aus. 2017 waren das 160 000 Euro, in diesem Jahr werden es schon 212 000 Euro sein.

Die Leipzig-Stiftung geht auf das ehrenamtliche Engagement der Leipziger Bürgerschaft in den vergangenen Jahrhunderten zurück. Sie basiert auf 144 Einzelstiftungen, die bis ins Jahr 1799 zurückgehen, und verfügt über ein Eigenkapital von 13,9 Millionen Euro (Stand 2013), zum Großteil aus Immobilien. Aus den Erträgen fördert die Stiftung Wissenschaft und Forschung, Bildung und Erziehung, Kunst und Kultur, Umwelt-, Landschafts- und Denkmalschutz, Jugend- und Altenhilfe sowie das Wohlfahrtswesen. Für die Leipzig-Stiftung, die sich vor zehn Jahren selbst erst konsolidieren musste, ist das Schönefelder Quartier das erste Wohnungsneubauprojekt.

Von Klaus Staeubert

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