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Hier starb Hisham Y. – katastrophale Zustände in Leipzigs Asylbewerberheim

Hier starb Hisham Y. – katastrophale Zustände in Leipzigs Asylbewerberheim

Der süßliche Geruch liegt Mouhamed Csbinny noch in der Nase. Tagelang habe es so furchtbar gestunken, erzählt der Tunesier, der nur zwei Treppen unter der Wohnung lebt, in der Hisham Y.

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Der 34 Jahre alte Libanese Hisham Y. lag rund sechs Wochen tot in einem Leipziger Asylbewerberheim. Niemand bemerkte es.

Quelle: Journalistenbüro Ginzel Kraushaar Datt

Leipzig. gestorben ist. Blaue Schmeißfliegen hätten sich scharenweise im Treppenhaus gesammelt. Csbinny beschwerte sich beim Pförtner. Zwei Mal, dann erst kam die Polizei, berichtet der junge Mann, der seit zwei Jahren in der Torgauer Straße wohnt. "Hisham war ein Kumpel", sagt er und fügt hinzu: "Dass er Drogen nahm, war bekannt." Dann verschwindet er hinter einer der grauen Wohnungstüren von Gebäude Nummer neun, einem der tristen Wohnblocks, in denen die Asylbewerber untergebracht sind. Zwei bis drei Menschen teilen sich hier ein Zimmer, in manchem Treppenhaus stapelt sich der Müll. Vor den Häusern wurde der Rasen schon lange nicht mehr gemäht.

Bedeutend schlimmer aber ist die hygienische Situation in den Wohnungen. Drei Tunesier öffnen ihre Tür und zeigen das ganze Ausmaß. Scharenweise krabbeln hinter Kühlschrank und Herd Kakerlaken und andere Insekten hervor. Bewohner T. Bilef und seine Mitbewohner versuchen die Schädlinge mit Fallen in Schach zu halten. "Das hilft aber nichts", sagt der 31-Jährige. Eine verdreckte Wohnung, eine Pritsche als Bett und Nachbarn, die jeden Abend Partys feiern - das Leben im Wohnheim sei eine Tortur, beschwert er sich. "Es ist Scheiße." Hinzu komme die Langeweile. Bis auf einen Sprachkurs hat der gelernte Mechaniker tagsüber nichts zu tun. "Was soll man auch hier machen?", fragt er.

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Leipzig. Im Mai starb Hisham Y. in einem Leipziger Asylbewerberheim an einer Überdosis Heroin. Wochenlang blieb der Tod des 34-jährigen Libanesen unentdeckt. LVZ-Online hat sich im Heim in der Torgauer Straße umgeschaut - und mit Bewohnern über deren erschreckende Wohnsituation gesprochen.

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Sahardid Jama-Ahmed hat sich mit der Situation mittlerweile abgefunden. Seit vielen Jahren lebt der 40-jährige Somalier im Heim in der Torgauer Straße. Den Libanesen Y. kannte er flüchtig - und auch dessen Drogeneskapaden. Seine Nachbarwohnung sei ein regelrechter Junkie-Treffpunkt gewesen, erzählt er. "Oft haben die sich im Keller einen Schuss gegeben. Die Spritzen lagen dann später überall herum."

Y. sei nicht der erste Drogentote im Heim gewesen, behauptet Jama-Ahmed. Schockieren kann ihn so etwas nicht mehr. Dafür hat er hier schon zu viel erlebt. Erst neulich gab es in der Wohnung über ihm einen Wasserrohrbruch. Der braune Fleck ist in der Küche noch deutlich zu sehen. Frisch gestrichen wurde nicht. Oder der Kabelbrand vor einigen Jahren. "Das ganze Treppenhaus war schwarz", erinnert er sich. "Die Fensterscheiben sind geschmolzen."

Sozialarbeiter: "Ein guter Junge, der das Falsche gemacht hat"

 

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Das Asylbewerberheim in der Torgauer Straße. (Archivfoto)

Quelle: André Kempner

"Hisham Y. - er war immer jemand Besonderes im Heim Torgauer Straße. Welcher Asylbewerber ist schon in Deutschland geboren?! Ich kannte ihn sehr gut. Er war in dem Block untergebracht, in dem auch ich zu meiner Zeit mein Büro hatte. Und seitdem ich ihn kannte, war er drogenabhängig", sagt Holger Jakubicka, der neun Jahre lang, bis 2011, in der Asylbewerberunterkunft als Sozialarbeiter tätig war. "Anfangs nahm er nur ab und an etwas, dann immer mehr. Er hat mehrmals einen Drogenentzug gemacht, mitunter auch die Therapie abgebrochen. Manchmal, wenn ich ihn im Heim sah oder aufsuchte, machte er den Eindruck, dass er jede Minute zusammenbricht. Eigentlich ein guter, großer Junge, der das Falsche gemacht hat und nicht mehr davon losgekommen ist."

Drogensucht unter Asylbewerbern, meint Jakubicka, habe auch einen Grund in der Perspektivlosigkeit der Leute. "Die meisten kamen mit großen Hoffnungen nach Deutschland und kommen mit der Realität im Heim nicht klar, wo sie jahrelang nur untätig herumsitzen können und nicht wissen, wie es mit ihnen weitergeht. Besonders unter jungen Iranern habe ich das oft beobachtet. Gut ausgebildet, mit großen Illusionen vom Leben in Deutschland - und dann in einer Sackgasse."

Aus Jakubickas Sicht ist Sozialarbeit vor Ort daher das A und O. Dass dort aktuell nur drei Kollegen in Teilzeit beschäftigt sind, sei wenig hilfreich, meint er aus Erfahrung. "Sozialarbeit in einem Asylbewerberheim braucht ständige Anwesenheit über einen Zeitraum von mindestens acht Stunden. Der Sozialarbeiter muss erst einmal das Vertrauen der Heimbewohner und ihren Respekt gewinnen. Und wer das mit Herzblut macht, weiß auch, was in seinem Heim los ist. Er kennt die Bewohner einfach durch den täglichen Kontakt. Denn Sozialarbeit in solch einer Einrichtung ist nicht nur ein stationäres Angebot. Sondern vor allem aufsuchende Hilfe. Für mich ist es nicht erklärlich, wie das mit Hisham Yazbek passieren konnte. Wenn ich es könnte, dann würde ich seiner Familie gern mein aufrichtiges Beileid übermitteln."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 16.08.2013

Gina Apitz / Angelika Raulien

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