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Lokales Highway für Radfahrer auf der Alten Messe
Leipzig Lokales Highway für Radfahrer auf der Alten Messe
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23:59 02.05.2014

Groß ist sie wahrlich, die Spezialstraße. Sogar sehr groß. Was manchen Zeitgenossen verblüfft.

"Die Verkehrsregelungen auf dem alten Messegelände haben sich im Zuge des Neubaus eines Möbelhauses deutlich verbessert. Der nördliche Boulevard ist nun eine echte Fahrradstraße", frohlockt ADFC-Vorsitzender Christoph Waack und feiert "die Einrichtung der nunmehr dritten Fahrradstraße in Leipzig".

Echt ist sie in der Tat, sogar sehr echt, denn auf ihr sind ausschließlich Menschen auf Drahteseln unterwegs. Poller an der einen Seite verhindern die Zufahrt für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren. Damit unterscheidet sich die neue Straße für Pedaleure von ihren Schwestern am Deutschen Platz und oberen Dittrichring. Und superbreit ist die gut einen halben Kilometer lange Trasse auch. Selbst Radfahrer, die den südlichsten Teil der Straße des 18. Oktober in diesen Tagen passieren und auf das frisch aufgestellte Schild "Fahrradstraße" am Rande des Porta-Parkplatzes erstmals aufmerksam werden, kommen aus dem Staunen nicht heraus. "Das ist ja mal ein Highway", strahlte Student Vincent Radmann bei seinem jüngsten Leipzig-Besuch. "Eine richtig geile Fahrrad-Autobahn. Hier kannst du durchdrehen." Womit der 20-Jährige auch die beiden Vierjährigen auf schmucken Kinderrädern meinte, die mit Hilfe ihrer Mütter justament das selbstständige Treten erlernten. "Zum Üben ist das ideal hier. Uns stören keine Autos und wir stören niemanden, wenn die Kids mal Schlangenlinien produzieren", schoben die jungen Damen zufrieden hinterher.

Andere Pedalritter aus Überzeugung fragen nach dem Sinn einer "so breiten Fahrradstraße auf einem Areal, das eh schon sehr weitläufig ist und auf dem sich Rad- und Autofahrer bislang problemlos aus dem Weg gingen". Die Kritik von Verena Behringer, einer jungen Wissenschaftlerin am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, wird vom ADFC mit dem Hinweis gekontert, beim Projekt am Porta-Parkplatz sei vor allem der psychologische Aspekt wichtig. "Wir hoffen, dass in Leipzig bis 2020 noch rund 30 Fahrradstraßen dazukommen. Der Radverkehrsentwicklungsplan sieht entsprechende Prüfungen vor. Vor diesem Hintergrund ist die Alte Messe in erster Linie ein gutes Signal", sagt Vereinssprecher Alexander John. Die Abmaße des neuen Stücks orientierten sich im Übrigen an der Vorgängerstraße und würden den Forderungen des Denkmalschutzes gerecht.

Hinsichtlich der Nummerierung treten allerdings Unebenheiten zutage. Während der ADFC die dritte Einrichtung dieser Art preist, will das Verkehrs- und Tiefbauamt bereits vier Fahrradstraßen im Stadtgebiet ausgewiesen haben. Doch von der Erich-Thiele-Straße in Lindenthal weiß der Fahrradclub bis heute offiziell nicht.

Fahrradstraßen sind ausschließlich dem Radverkehr vorbehalten. Erst mit einem Zusatzschild ist es beispielsweise Anliegern erlaubt, die Fahrradstraße mit einem Auto zu befahren. Die Geschwindigkeit wird durch den Radverkehr vorgegeben, beträgt jedoch maximal 30 Stundenkilometer. Fahrradstraßen unterscheiden sich verkehrsrechtlich von anderen Straßen insbesondere dadurch, dass Radler dort zu zweit nebeneinander fahren dürfen, auch wenn der Kfz-Verkehr behindert wird. Auf anderen Straßen dürfen Radfahrer nur dann nebeneinander unterwegs sein, wenn sie dadurch niemanden ausbremsen. Autofahrer müssen in Fahrradstraßen gegebenenfalls ihre Geschwindigkeit verringern, um eine Behinderung oder Gefährdung von Radfahrern zu vermeiden.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 03.05.2014

Welters, Dominic

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