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Hilferuf aus dem Keller - Das Sportmuseum wird 35 und braucht eine Perspektive

Hilferuf aus dem Keller - Das Sportmuseum wird 35 und braucht eine Perspektive

Eine Feierstunde ist nicht vorgesehen, Festredner treten nicht auf, Champagner gibt der Etat auch nicht her. Dabei wurde vor 35 Jahren das Sportmuseum Leipzig eröffnet.

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Die Nordtribüne des alten Schwimmstadions in Leipzig (Archivfoto)

Quelle: André Kempner

Leipzig. Wissen nicht viele, und denen, die es wissen, ist nach einer Feier auch nicht zumute. Doch diesen (halbwegs) runden Jahrestag nehmen die Freunde des Museums, 100 sind in einem Förderverein organisiert, zum Anlass, auf den beklagenswerten Zustand des Museums in Form des Provisoriums am Sportforum aufmerksam zu machen und an ein gegebenes Versprechen zu erinnern. Das Versprechen ist ein einstimmiger (!) Beschluss des Stadtrates aus dem Jahr 2007 (für Kenner: RBIV-991/07 vom 19.09.2007). In dem heißt es in Punkt 2: „Die Nordtribüne mit Kassenflügel des ehemaligen Schwimmstadions soll schrittweise als Standort für das Sportmuseum Leipzig entwickelt werden.“

Jetzt, knapp fünf Jahre später, muss konstatiert werden: „Schrittweise“ ist ein sehr dehnbarer Begriff. Zwar wurden bisher 140.000 Euro (davon 20.000 vom Förderverein) zur Sicherung der vom Verfall bedrohten Nordtribüne verbaut, ein Umzug ist aber nicht in Sicht. Gar nichts ist in Sicht. „Darauf wollen wir aufmerksam machen“, sagt Peter Kaminski. Der einstige Stadt-Kämmerer ist Vorsitzender des Fördervereins und wie seine Mitstreiter mit der Geduld am Ende. Deshalb hat er allen Fraktionsvorsitzenden im Stadtrat einen Brief geschrieben. „Fünf Jahre sind inzwischen vergangen und wir erkennen leider keinen Fortschritt bei der Umsetzung des Ratsbeschlusses“, heißt es darin. Gefordert wird „eine klare, verbindliche und haushaltskonkrete Handlungsperspektive“. Das Schreiben endet mit der fast beschwörend vorgetragenen Aufforderung: „Bitte tragen Sie und ihre Fraktion mit dazu bei, dass der Ratsbeschluss mit Leben erfüllt wird. Jetzt!“

Die Geschichte des Sportmuseums gäbe guten Romanstoff. Schon die Gründung geht auf einen Stadtratsbeschluss zurück. Am 23. Juli 1977 wurde das Museum kurz vor dem VI. Turn- und Sportfest der DDR auf der Dammkrone des Zentralstadions eröffnet. Doch die Eröffnung stand unter keinem guten Stern. „Der allmächtige DTSB-Chef Manfred Ewald soll beim Vip-Rundgang gar nicht begeistert gewesen sein“, erzählt Gerlinde Rohr, Leiterin des Sportmuseums. Warum? „Es war eine städtische Geschichte, eine Leipziger Idee, und keine der Sportführung.“ Ewald zum Trotz blieb das Museum bis zur Abwicklung 1991 (wieder auf Antrag des Stadtrats!) im Zentralstadion. Die letzte Ausstellung zum Thema “100 Jahre Gewichtheben in Deutschland“ trug den bezeichnenden Titel: „Lasst Kräfte sinnvoll walten.“

1991 begann die Odyssee des Museums. Zunächst wurden die Exponate in einer Halle im Industriegebiet Thekla, der einstigen Iskra-Gedenkstätte in der Russenstraße sowie im Heizungskeller der DHfK gelagert. Alles Zwischenlösungen. 1996 dann wieder ein Umzug, diesmal ins einstige Hermann-Göring-Heim, heute ein Gebäude auf dem Gelände des OSP Leipzig. Das hatte seit 1990 leer gestanden, wurde von ABM-Leuten notdürftig instandgesetzt. Dort residiert das Museum bis heute. Doch was heißt residieren. Die 90.000 katalogisierten Objekte der Sammlung (bei der Gründung waren es 2000) sind in Kellerräumen auf engstem Raum gestapelt, ein Publikumsverkehr ist nicht möglich. An einer Stelle regnet es durch. Ein Provisorium, das seine Grenzen erreicht hat.

„Unser Museum sitzt zwischen den Stühlen“, hat Peter Kaminski erkannt. Gemeint ist die „Zwitter-Konstellation“. Betreiber ist das Sportamt, Nutzer das Kulturamt, offiziell Teil des Stadtgeschichtlichen Museums. Die beiden Sportmuseum-Mitarbeiter, die Betriebskosten und Büromaterial werden von der Stadt bezahlt, Ankäufe von Objekten dagegen vom rührigen Förderverein finanziert, der von Spenden lebt. Auf der letzten Versammlung am 9. Juni sei den Mitgliedern der Kragen geplatzt. „Die klare Botschaft war: Es geht nicht so weiter. Wir müssen was tun“, erzählt Kaminski. Dann verfasste er den Brief.

Drei Millionen Euro seien nötig, um wie beschlossen bis 2015 in die Nordtribüne einzuziehen. Ziel ist ein öffentlich zugängliches Museum. Natürlich weiß Kaminski um die finanzielle Situation der Stadt, der einstige Kämmerer sagt aber auch: „Natürlich geht es.“ Auch den Hinweis von OBM Burkhard Jung auf die ungeklärte Folgefinanzierung lässt Kaminski nicht gelten: „Es gibt den Förderverein und es gibt Projektförderungen. Das ließe sich klären. Es muss nur endlich was passieren.“ Was er sich von dem Brief erhofft? „Endlich Klarheit.“ Pause, dann die Ergänzung mit einem schweren Seufzer: „Es wird wohl wieder eine Interimslösung geben.“

Uwe Köster

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