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„Historisch bis neu“ – Ortswehr Wiederitzsch feiert 125-jähriges Jubiläum

Leipziger Feuerwehrtag „Historisch bis neu“ – Ortswehr Wiederitzsch feiert 125-jähriges Jubiläum

Lage einschätzen, Prioritäten setzen, helfen: Das sind die wichtigsten Schritte bei einem Rettungseinsatz. Zum Leipziger Feuerwehrtag wurden nicht nur Notsituationen demonstriert, sondern auch ein Jubiläum gefeiert.

Zum Jubiläum 125 Jahre Feuerwehr Wiederitzsch wurde unter anderem ein Rettungseinsatz demonstriert.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Dichte Rauchschwaden wabern aus dem Wiederitzscher Bürgeramt, breiten sich im gesamten Gebäude aus, werden immer dichter. „Hilfe, Hilfe“, ruft eine junge Frau mit rußverschmiertem Gesicht. Weit beugt sie sich aus dem Fenster im ersten Stock. Sieht sie jemand?

Am Sonnabend fand der Leipziger Feuerwehrtag statt - und es wurde das Jubiläum 125 Jahre Feuerwehr Wiederitzsch gefeiert. Dabei wurde auch große Rettungsübungen demonstriert.

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Und ob: Dutzende Wiederitzscher schauen gebannt nach oben. Denn zum Glück ist das ganze Szenario kein Unglück, sondern eine Schauübung der Freiwilligen Feuerwehr (FF) Wiederitzsch. Anlass ist der 125. Geburtstag der Ortswehr. Am Sonnabend richteten deren Kameraden und der Feuerwehrverband der Stadt den Leipziger Feuerwehrtag 2017 in Wiederitzsch aus. Dabei wurde eindrucksvoll demonstriert, was die Floriansjünger in schwierigen Situationen alles leisten können: Kaum ist die Wehr alarmiert, ertönen die Sirenen, rücken die Löschfahrzeuge an, werden die Drehleitern ausgefahren.

Schauübung Gasexplosion

Alexander Henze erläuterte die einzelnen Schritte der Schauübung Gasexplosion. „Zuerst heißt es, die Lage richtig einschätzen“, so der stellvertretende Ortswehrleiter. „Also Prioritäten setzen. Was ist passiert? Gibt es Verletzte?“ Eine Regel laute beispielsweise Frauen und Kinder zuerst. Während der Schaden am Bürgeramt schnell wieder behoben ist, dauerten die Wettkämpfe am Vormittag naturgemäß länger. Athletik war bei ihnen ebenfalls gefragt. Neben den traditionellen Löschübungen musste beispielsweise ein zehn Tonnen schweres Fahrzeug 20 Meter weit gezogen werden. Sechs Personen schafften das mit bloßer Muskelkraft!

„Historisch bis neu“ lautete das Motto einer Ausstellung rund um das Gerätehaus an der Bahnhofstraße. Gezeigt wurden Fahrzeuge und Geräte, die vor Jahrzehnten genutzt wurden und solche, die heute im Einsatz sind. Einer der Hingucker: Eine restaurierte Tragkraftspritze aus dem Jahre 1935, mit der noch zu DDR-Zeiten Brände in Wiederitzsch und Umgebung gelöscht wurden. Diverse Feuerwehrhelme hatten es Jakob Müller (10) aus Wiederitzsch angetan. Benjamin Reichert (7) probierte Helm samt Feuerwehrjacke gleich mal an. „Wenn du acht bist, kannst Du bei uns eintreten“, versprach Ortswehrleiter Matthias Groll.

Brandschutz ist wichtig

Auch Christine Goetze und Heidi Bogen gehörten einst zu den Floriansjüngern. Das sei zwar schon Jahrzehnte her, aber die beiden können sich immer noch gut daran erinnern. „Als Schülerinnen haben wir uns in der AG Brandschutz engagiert. Wir sind in die Haushalte gegangen und haben die Wiederitzscher aufgefordert, die Wäsche nicht zum Trocknen an den Kachelofen zu hängen.“

Wie wichtig Brandschutz ist, weiß auch Olaf Müller. Seit 40 Jahren gehört der 55-Jährige der Ortswehr an, kann von prägenden Einsätzen berichten. Unvergesslich: das tragische Zugunglück am Bahnübergang, der Brand im ehemaligen Wiederitzscher Rechenzentrum oder jener im Holzveredlungswerk. Auch heute noch werde die 1892 gegründete Wehr zu zahlreichen Einsätzen in Wiederitzsch und der Region gerufen.

Umso mehr dankt Matthias Groll allen Kameraden – den älteren wie den jungen. „Eine Feuerwehr erneuere sich immer wieder“, so der Wehrleiter. Wissen und Erfahrungsschatz der älteren Generation werde an die jüngere weitergegeben. Dieser Aufgabe habe sich die FF Wiederitzsch mit ihrer Jugendarbeit verschrieben. Mit Erfolg: Denn um ihren Nachwuchs müssen sich die älteren Kameraden keine Sorgen machen. Gemeinschaft erfahren, helfen lernen – das ist auch das Motto der jüngsten Floriansjünger.

Ingrid Hildebrandt

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