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Lokales Historische Lenin-Statue soll ins Zeitgeschichtliche Forum Leipzig
Leipzig Lokales Historische Lenin-Statue soll ins Zeitgeschichtliche Forum Leipzig
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20:34 07.03.2018
Eine historische Aufnahme des Lenindenkmals der sowjetischen Kaserne in Bischofswerda  Quelle: Stadtverwaltung Bischofswerda
Leipzig

 Zwei Meter hoch, 1,15 Meter breit und über zwei Tonnen schwer. Das sind die Maße eines der neuesten Exponate des Zeitgeschichtlichen Forums auf der Grimmaischen Straße. Es handelt sich dabei um eine fast fünfzig Jahre alte Lenin-Statue aus Sandstein.

Ursprünglich war die Plastik 1970 eine Schenkung des Rates des Kreises Bischofswerda an die Soldaten der sowjetischen Garnison der Stadt anlässlich des 100. Geburtstages des russischen Revolutionsführers Wladimir Iljitsch Lenin. Bis 1992 stand die Plastik vor deren Kulturhaus. Nach der Wende drehte sich wie in vielen anderen ostdeutschen Städten auch in Bischofswerda die Bereitschaft noch öffentlich an den russischen Revolutionär und das untergegangene System zu erinnern. Die Statue wurde abtransportiert und auf dem städtischen Bauhof eingelagert. Die Plane, die sie verhüllt, wurde seitdem nur selten gelüftet.

Vor ein paar Jahren brachte ausgerechnet ein ehemaliger CDU-Bürgermeister den Vorschlag, die Skulptur wieder aufzustellen. Die Berichterstattung wurde häufiger: „Das Zeitgeschichtliche Forum ist durch solche Presseberichte auf ‚unseren’ Lenin aufmerksam geworden“, sagt Bischofswerdas Pressesprecher Sascha Hache. Das Museum ist dann an die Stadtverwaltung herangetreten und hat darum gebeten die Lenin-Skulptur in ihre zeitgeschichtliche Sammlung aufnehmen zu können.

„Eine unvorhergesehene Glückssache“

Vergangenen September hat die ostsächsische Stadt die Schenkung der Skulptur beschlossen. Alle damit verbundenen Kosten, wie den Transport nach Leipzig hat das Zeitgeschichtliche Forum gezahlt. Weitere Bedingung: Am neuen Standort ist die Lenin-Skulptur mit dem Herkunftsort „Bischofswerda“ zu kennzeichnen.

Für Manfred Wagner aus Schmölln, den Bildhauer der Statue ist das neuerliche Interesse an seiner Figur „eine Glückssache“, wie er der LVZ berichtet. Er hätte nicht gedacht, dass sich noch einmal jemand für seinen Lenin interessieren könnte, nachdem der über 15 Jahre auf dem Bauhof gestanden habe. Damals sei es der Wunsch des Kreises Bischofswerda gewesen, so Wagner, der sowjetischen Garnison ein Denkmal für den Vorplatz ihres Kulturhauses zu schenken.

„Die Fläche ringsherum war sehr grün und mit vielen Bäumen bepflanzt. Den Leuten gefiel meine Idee, dass dazu etwas Sitzendes passen würde“, erinnert er sich. Der ruhende Lenin auf dem Sockel passte sich in seine Umgebung ein: „Mit dem Buch in der Hand konnte man die Vorstellung kriegen, dass Lenin sich gerade die Umwelt anguckte, während er Karl Marx studierte.“ In anderen Städten wie Berlin wurde Lenin meist stehend als aufrechter Revolutionär gezeigt.

Reparatur auf Wagners Kosten

Bevor das Lenindenkmal nach Leipzig transportiert werden konnte, ist Wagners Sohn Rico, ebenfalls Bildhauer und Restaurateur, nach Bischofswerda gefahren, um sich an Schäden an der Statue zu kümmern. Wegen unsanftem Transports und unsanfter Lagerung sei in den Neunzigern unter anderem der linke Fuß abgebrochen, sagt Rico Wagner: „Die Figur war an mehreren kleinen Stellen - wie an der Mütze – beschädigt, weshalb ich diese Stücken wieder angeklebt habe, aber das hielt sich alles im Rahmen.“ Auch gereinigt werden musste die stark verschmutze Skulptur. Drei Tage haben die Arbeiten insgesamt gedauert.

Für das Werk seines Vaters findet Wagner aus künstlerischer Perspektive viele lobende Worte: „Bemerkenswert sind vor allem die sehr realistischen und gut durchgearbeiteten Gesichtszüge der Figur.“ Ihre ganze Anmutung sei sehr positiv. Insgesamt habe die Arbeit seines Vaters „Hand und Fuß“, wie er sagt.

Die Reparaturen an der Statue hat der ältere Wagner übrigens selbst bezahlt, als Geschenk sozusagen. Seine Hoffnung: „Mir ist fest zugesagt worden, dass er in Leipzig bleiben und im Oktober wohl zur Eröffnung der neuen Dauerausstellung gezeigt wird.“ Über 100 Jahre nach der Oktoberrevolution und ein knappes halbes Jahrhundert nach seiner ersten Enthüllung, hätte der Sandstein-Lenin dann einen neuen Platz gefunden.

Ob es dabei bleibt, wollte das Zeitgeschichtliche Forum noch nicht verraten. Spätestens am kommenden Montag wird es diese Frage beantworten, wenn es auf einer Pressekonferenz seine Pläne vorstellen will.

Von elo

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