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Lokales Historisches Leipziger Geläut braucht eine Kur
Leipzig Lokales Historisches Leipziger Geläut braucht eine Kur
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00:17 15.03.2017
Gegossen 1477 und schon deshalb von unschätzbarem Wert: die Gloriosa, die älteste der großen Glocken Sachsens. Sie hängt in der ersten von zwei Glockenkammern im 68 Meter hohen Thomaskirchenturm an einem sogenannten gekröpften Stahljoch.  Quelle: Matthias Knoch
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Leipzig

 Gegenwärtig befindet sich die evangelisch-lutherische Kirchgemeinde noch in der Planungsphase, doch die Kur für die Gloriosa aus dem Jahr 1477 – die älteste der großen Glocken im Freistaat – und ihre drei Schwestern ist beschlossene Sache. Der berüchtigte Zahn der Zeit hat auch das klingende Innenleben des 68 Meter hohen Thomas-Turmes erfasst. Vergangen hat er sich nicht einmal so sehr am Geläut. Schadhaft sind vielmehr die Glockenarmaturen, die Glockenböden, der stählerne Glockenstuhl in der oberen von zwei Läutekammern und nicht zuletzt die Antriebstechnik. Verschlissene Seilräder sollen hin und wieder schon zu Aussetzern geführt haben.

Als ausgesprochen ungünstig für eine rosige Zukunft des wertvollen Kulturguts sehen Experten die sogenannten gekröpften oder gestelzten Glockenjoche an. Diese Aufhängungsart verringert zwar den Kraftaufwand beim Läuten und den Schwingungsradius einer Glocke, bedarf aber eines Gegengewichtsklöppels. „Und diese Gegengewichte rufen Schäden im Inneren des Glockenkörpers hervor“, sagt Thomaspfarrerin Britta Taddiken. Zudem beeinträchtigten die gekröpften Joche „den lebendigen Klang“.

Kurzum, in der Abwägungs- und Planungsphase wird groß gedacht: an gerade Holzjoche, moderne Antriebstechnik, neue Deckenbalkenebenen, einen Glockenstuhl aus Eiche als Ersatz für den aus Stahl in Glockenkammer 2. „Der Stuhl aus Holz mit historischer Hebevorrichtung für die Gloriosa und unsere zweite große Glocke ist zum Glück okay. Fünf Tonnen und drei Tonnen hätten sich nicht so leicht bewegen lassen“, zeigt sich Pfarrerin Taddiken in Teilen erleichtert. Auch die Tatsache, dass sich das schwerste der schweren Stücke „im Wesentlichen in einem guten Zustand befindet“, erfreut die Theologin. „Alles andere wäre auch schade. Schließlich hat schon Martin Luther die Gloriosa gehört.“

Über Geld mag Taddiken im Moment noch nicht reden. „Das machen wir erst, wenn belastbare Zahlen vorliegen“, betont sie. Und doch ist längst klar, dass es für das Projekt Glocken eine sechsstellige Summe braucht. Der umtriebige Förderverein Thomaskirche–Bach 2000 sitzt bereits in den Startlöchern, um im 20. Jahr seines Bestehens ein weiteres Mal für die Thomaskirche zu klingeln und Klinken zu putzen. Der Verein wird bei der Spenden-Akquisition einen Aspekt sicher nicht vergessen: dass die Gemeinde gern noch eine fünfte Glocke hätte. Einen Hochtöner. Denn das bisherige Geläut kommt doch recht tief daher. Eine Klangsimulation soll demnächst tonale Klarheit bringen.

Von Dominic Welters

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