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Hitze, Sandsturm, Pamir-Pässe: Leipziger Rad-Weltreisende jetzt in Kirgistan

6000 von 25.000 Kilometern geschafft Hitze, Sandsturm, Pamir-Pässe: Leipziger Rad-Weltreisende jetzt in Kirgistan

Bei ihrer in April im Iran gestarteten, 25.000 Kilometer langen Rad-Weltreise haben die Leipziger Claudia Hildenbrandt und Daniel Mathias jetzt Zentralasien fast geschafft. 6000 Kilometer liegen hinter ihnen. Auf dem Weg nach Kirgistan ging es über 4000 Meter hohe Pamir-Pässe. Hitze und ein Sandsturm setzten ihnen zu. Und Hildenbrandt musste zum Zahnarzt. Der sagte nur: Dawei, dawei.

Nach der strapaziösen Pamir-Passage fahren die Leipziger Claudia Hildenbrandt und Daniel Mathias auf kirgisischem Gebiet.

Quelle: Daniel Mathias

LEIPZIG. Eine gewaltige Lichterscheinung in weiter Ferne, der abendliche Himmel schien in Flammen zu stehen: Die Leipziger Rad-Weltreisenden Claudia Hildenbrandt und Daniel Mathias konnten sich zunächst nicht erklären, was sie da von ihrem Rastplatz in Kirgistan aus gesehen hatten. „Wir dachten an einen in die Atmosphäre eintauchenden Kometen oder eine Flugzeugexplosion“, berichtet die 26-Jährige in ihrer jüngsten Mail an die LVZ. Erst später erfuhren sie und ihr 32-jähriger Freund, dass in Baikonur im Nachbarland Kasachstan eine Sojus-Rakete abgehoben hatte.

Im April waren die Lehramtsstudentin und der Arzt von Teheran aus zu einer zweijährigen Tour gestartet, bei der sie Asien, Neuseeland, Australien und Amerika durchqueren wollen. Rund 25.000 Kilometer könnten es werden, etwa 6000 haben die Pedalritter jetzt absolviert. Aktuelle Station ist die kirgisische Hauptstadt Bischkek, als nächstes großes Ziel wird nach einer längeren Verschnaufpause die chinesische Grenze anvisiert. In den letzten zwei Monaten hatten sich die Expeditionäre mit viel Muskelkraft weiter in Zentralasien abgestrampelt. Iran, Turkmenistan und Usbekistan lagen da bereits hinter ihnen.

Hildenbrandt: „In Tadschikistan hat uns dann Mutter Natur wieder gezeigt, wer der Chef ist.“ Auf flachem, staubigen Terrain stiegen die Temperaturen auf über 40 Grad Celsius im Schatten, dann verlangte der Pamir-Highway mit fünf mehr als 4000 Meter hohen Pässen dem Duo alles ab. Rissige Hände, Nasenbluten, Sonnenbrand, Kurzatmigkeit. Von Strapazen gezeichnet, aber auch vom Erleben grandioser Gebirgslandschaften belohnt, schien für die Extrem-Radler dann plötzlich die Welt unterzugehen. Schwarze Wolken, Sandsturm – Flucht in ein Flussbett. Tags darauf bei Nebel noch ein letzter Kraftakt über den 4282 Meter messenden Kizil Art – und Kirgistan war hoch droben „mit schwachen Beinen“ erreicht.

Wie an den Bergen klebende Spaghetti mutete anschließend die teils weggespülte Serpentinen-Straße nach unten an. Rollen und bremsen, die Felsmassive verabschiedeten sich, „uns begrüßten grüne Wiesen mit Pferden, Yaks und Jurten“, schreibt Hildenbrandt. Doch die Idylle währte nicht lange. „Selbst auf geschotterten Nebenpisten dröhnten Sattelschlepper und drängten Minibusse.“ Mathias bastelte einen Abstandhalter, um den Fahrzeugen zu signalisieren, dass sie den beiden beim Überholen nicht zu nahe kommen sollen. Fest im Sattel sitzend, tauchten die Leipziger erneut in die Gebirgswelt ein, wurden auf Almen von den Einheimischen bewirtet: „Gegorene Stutenmilch fließt dort ebenso wie Wodka zu allen Uhrzeiten.“ Am See Issyk Kul zelteten sie zwischen Apfel- und Aprikosenbäumen, faulenzten und waren zur Abwechslung hoch zu Ross „in einer Postkartenlandschaft“ unterwegs.

Eigentlich stand Kasachstan noch nicht auf dem Tourplan, wurde kurzentschlossen aber doch nicht ganz links liegen gelassen. Zu verlockend für einen Abstecher waren der Chryn-Canyon und der Kaindy-See, in dem die Spitzen überschwemmter Fichten wie Nadeln aus dem türkisblauen Wasser ragen. Der Zufall half den beiden, rasch dorthin zu kommen. Ein Jeep stoppte und nahm sie samt Drahteseln und Packtaschen mit.

„Überall begegneten uns bisher hilfsbereite und gesellige Menschen, wir wurden zum Essen eingeladen, praktizierende Muslime erwiesen sich als großzügige Gastgeber“, teilt Hildenbrandt aus Bischkek mit, wo sie sich gerade „einer heiklen Mutprobe“ unterzogen habe. „Ich musste dringend zum Zahnarzt, weil sich ein Kieselstein in einer Aprikose versteckt und beim Draufbeißen in einem meiner Backenzähne einen Krater hinterlassen hatte.“ Per Smartphone-Übersetzer schilderte sie dem Stomatologen das Problem. „Er zeigte mir das Betäubungsmittel aus Deutschland, sagte dawei, dawei und legte los.“

http://machaon-lights.com/2017

Von Mario Beck

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