Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Halbe Ernte weg, Lebensmittel teurer
Leipzig Lokales Halbe Ernte weg, Lebensmittel teurer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:39 06.07.2018
Wolfgang Vogel (l), Präsident des Landesbauernverbandes Sachsen, und Sachsens Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt (CDU) stehen auf einem Weizenfeld in Nordsachsen. Quelle: dpa
Anzeige
Arzberg

Sachsens Bauern fürchten, dass aufgrund der lang anhaltenden Trockenheit ein großer Teil der Getreideernte verloren ist. In Nordsachsen stellenweise sogar mehr als die Hälfte. „Oberhalb der Linie Grimma, Wurzen, Eilenburg, Delitzsch sind die Ertragseinbußen am größten“, konstatierte gestern Wolfgang Vogel, Präsident des Sächsischen Landesbauernverbandes in Arzberg (Landkreis Nordsachsen). Vielerorts habe die Ernte von Gerste, Raps und Weizen extrem früh begonnen, weil sich die Bestände in der Notreife befänden. Auch beim Tierfuttergetreide seien große Ausfälle absehbar. „Bis nächstes Jahr wird das nicht reichen“, so Geert Brandtner, Chef der Agrargenossenschaft Arzberg.

Sachsens Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt (CDU) verwies auf zwei Richtlinien des Freistaats, die Hilfe böten. Allerdings sei dafür notwendig, dass die Betriebe drei Jahre hintereinander Verluste von über 30 Prozent erwirtschafteten. Um finanzielle Notstandshilfen vom Bund zu bekommen, müssten mindestens drei Bundesländer von Dürre betroffen sein. Bisher habe es neben Sachsen Brandenburg am härtesten getroffen.

Mit Blick auf den von der EU-Kommission vorgelegten Entwurf zur Zukunft der Agrarpolitik nach 2020 forderte Schmidt „verlässliche Direktzahlungen“. Witterungsbedingte und marktbedingte Risiken müssten abgefangen werden. Brüssel will die Direktzahlungen für Landwirte ab einer festgelegten Obergrenze kürzen oder sogar kappen. Während aber Betriebe im Bundesschnitt über 70 Hektar Anbaufläche verfügen, sind es in Sachsen 139 Hektar und in Sachsen-Anhalt sogar 280 Hektar. Umgekehrt unterstütze der Freistaat kleinere Landwirte mit höheren Prämien für den ersten Hektar..

Der Minister sagte, man habe seit 1. Juli die Nutzung brachliegender Flächen zur Futtergewinnung oder zur Beweidung von Tieren zugelassen. Das Sächsische Finanzministerium erklärte gestern, an die Finanzämter sei eine Weisung ergangen, „die Belange der betroffenen Landwirte angemessen zu berücksichtigen“. Bei Einzelfallentscheidungen würden die Behörden Betroffenen größtmöglich entgegenkommen. Sachsens Grünen-Chef Wolfram Günther kommentierte, Hilfen seien notwendig, Ziel müsse jedoch sein, „gemeinsam mit den Landwirten Strategien zu entwickeln, um sich den Herausforderungen des Klimawandels zu stellen“.

Große Probleme bereiten den Landwirten auch die zahlreichen Feldbrände. So hat das Landratsamt Nordsachsen nach eigenen Angaben seit 15. Juni mehr als 30 Brände registriert. Ursache: Weggeworfene Zigaretten, Funkenflug durch Schneidgeräte oder Glasscherben.

Dass sich die schlechte Ernte auf die Lebensmittelpreise auswirken werden, will Birgit Brendel von der Verbraucherzentrale Sachsen nicht ausschließen. „Die Erfahrung lehrt, dass die Preise dann hochgehen.“ Allerdings werde Getreide global gehandelt. „Ob es am Ende so kommt, lässt sich jetzt noch nicht mit letzter Sicherheit sagen.“ Auch Landwirtschaftsminister Schmidt sieht es so:: „Zu Preisen etwas zu sagen, ist noch zu früh.“ E moderater Anstieg der Lebensmittelpreise in Deutschland sei aber durchaus zu befürworten, so Schmidt.

Von Roland Herold

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Auf dem Richard-Wagner-Hain hat am Freitag der 16. Leipziger Hörspielsommer begonnen. Zehn Tage lang werden unter freiem Himmel etwa 80 Hörspiele und Features präsentiert.

06.07.2018

Oh wie niedlich! Der Leipziger Zoo hat einen zweiten Koala. Am Freitag kam das Tier an und ist auch ab sofort im Gehege zu sehen.

06.07.2018

Sachsens Jäger sind in Sorge vor der Afrikanischen Schweinepest. Im vergangenen Jahr schickten sie doppelt so viele Proben von erlegten Tieren zur Untersuchung. Das Risiko, dass die Schweinepest nach Deutschland eingeschleppt wird, ist laut Experten weiter groß.

06.07.2018
Anzeige