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Lokales Ho-Chi-Minh-Stadt will mit Hilfe aus Leipzig neues Stadtviertel bauen
Leipzig Lokales Ho-Chi-Minh-Stadt will mit Hilfe aus Leipzig neues Stadtviertel bauen
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02:20 27.06.2015
Straßenszene in Ho-Chi-Minh-Stadt: Leipzig und die vietnamesische Millionenmetropole wollen Partnerstädte werden. Quelle: Robert Nößler
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Leipzig

Die Liste der 14 Leipziger Partnerstädte soll Zuwachs bekommen. Dutzende Firmen aus der Region pflegen bereits seit Jahren intensive Kontakte nach Ho-Chi-Minh-Stadt (HCMS). Künftig wollen die sächsische und die vietnamesische Metropole noch stärker zusammenwachsen. „Eine Städtepartnerschaft ist unser Ziel. Die aktuellen Bemühungen sehen wir als Vorstufe dazu“, sagte Leipzigs Wirtschaftsbürgermeister Uwe Albrecht (CDU) am Rande einer Pressekonferenz zum Ausbau der Kooperationen mit Vietnam am Freitag gegenüber LVZ.de.

Auch ein „Leipziger Viertel“ in der Millionenmetropole sei denkbar. Know-How aus der Messestadt soll dabei helfen, dass im ehemaligen Saigon ein neuer Stadtteil entsteht. „Wir sind angefragt worden, ob wir uns das vorstellen können“, berichtete der CDU-Politiker, der seit 2011 mehrfach zu Delegationsreisen vor Ort war. Er zeigt sich zuversichtlich – trotz großer ökonomischer und gesellschaftlicher Unterschiede. „So etwas geht natürlich nicht komplett nach deutschem Vorbild. In Vietnam wird vieles improvisiert. Wir müssen da eine geeignete Form finden.“ Ob Leipziger Architekten oder Baufirmen zum Zuge kommen könnten, ist noch offen.

Ein nie endender Strom von Motorrädern, Essensstände an jeder Ecke und ein Gewirr aus Stromleitungen: Ho-Chi-Minh-Stadt, mit mehr als sieben Millionen Einwohnern die größte Metropole Vietnams, soll Partnerstadt von Leipzig werden. Fotos: Robert Nößler

„Leipzig-Botschafter“ sollen Städtepartnerschaft aufbauen

Beide Städte vereinen nicht nur 40 Jahre diplomatische Beziehungen auf nationaler Ebene, sondern aktuell auch ihr rasantes Wachstum. Sowohl Leipzig als auch Ho-Chi-Minh-Stadt boomen: Während die Messestadt zuletzt rund 13.000 Neubürger pro Jahr hinzu gewann, wächst die südvietnamesische Metropole mit mehr als sieben Millionen Einwohnern um die unvorstellbare Menge von fast 200.000 Menschen jährlich - was der Größe von Erfurt entspricht. Neue Wohnungen werden hier wie dort dringend benötigt.

Die Städtepartnerschaft soll laut Albrecht „zeitnah“, frühestens jedoch 2017 geknüpft werden. „Nächstes Jahr ist sicher noch unrealistisch. Denn eine solche Partnerschaft umfasst viele Aspekte, von Kultur bis Sport“, erläuterte der Dezernent. Die Entscheidung darüber muss der Stadtrat fällen. Leipzig hat derzeit 14 Partnerstädte. Zuletzt kamen Herzliya in Israel (2011), die äthiopische Hauptstadt Addis Abeba (2004) und Travnik in Bosnien und Herzegowina (2003) hinzu.

Sogenannte „Leipzig-Botschafter“ sollen die deutsch-asiatische Kooperation mit Leben füllen. Albrecht schwebt vor, dass Vietnamesen, die schon seit Jahrzehnten in Leipzig leben, das Netzwerk nach Vietnam aufbauen. Über ehemalige Studenten der Universität Leipzig und Sprachschüler des Herder-Instituts bestehen langjährige Beziehungen zwischen beiden Ländern. „Wir wollen die Bürger auf beiden Seiten mitnehmen. Dafür müssen wir auch Kinder und Enkel, die noch in Vietnam leben, begeistern“, so Albrecht.

Mit mehr als sieben Millionen Einwohnern ist das einstige Saigon die größte Stadt Vietnams. Jährlich kommen etwa 200.000 Einwohner hinzu. Quelle: Robert Nößler

3000 Vietnamesen betreiben 500 Firmen in Leipzig

Derzeit wohnen nach Angaben der Stadtverwaltung rund 3000 Vietnamesen an der Pleiße – nach Russen, Polen und Ukrainern stellen sie die viertgrößte Migrantengruppe dar (Stand 2013). Sie sind mit 500 eingetragenen Unternehmen in Leipzig zudem die geschäftstüchtigsten Einwanderer. Mit dem Dong Xuan Center, das seinen gleichnamigen Vorbildern in Vietnam nachempfunden ist, befindet sich an der B2 im Leipziger Norden der größte Asia-Markt Mitteldeutschlands.

Nach Angaben des Amts für Wirtschaftsförderungen pflegt inzwischen eine „hohe zweistellige Zahl“ regionaler Firmen Beziehungen nach Vietnam, vor allem in die größte Metropole Ho-Chi-Minh-Stadt im Süden, aber auch in die Hauptstadt Hanoi im Norden. Zuletzt hatte Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) im April mit einer 15-köpfigen Delegation Saigon besucht und dabei auch eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet, welche die Bereiche Gesundheitswirtschaft, Energie und Umwelttechnik, Stadtentwicklung, Wissenschaft sowie Aus- und Weiterbildung umfasst. Seitdem wurden laut Albrecht Firmenverträge im Umfang von mehreren hunderttausend Euro abgeschlossen.

Eine Leipziger Klinik für Ho-Chi-Minh-Stadt

In Ho-Chi-Minh-Stadt soll bereits im November ein Krankenhaus nach Leipziger Vorbild öffnen. Es sei die erste Reha-Klinik von einem privaten Träger auf vietnamesischem Boden, sagte Jörg Brandt, Geschäftsführer der Medica-Klinik, am Freitag. Mit Wissens- und Technologieaustausch sowie Know-How in der Ausbildung hat das Leipziger Krankenhaus den Bau des privaten General Hospitals Van Hanh unterstützt. „Rehabilitationsmedizin gibt es in Vietnam bislang überhaupt nicht. Wir haben das Ziel, dass sich dadurch eine Keimzelle entwickelt“, so Brandt.

Beim Fachkräftebedarf soll Leipzig künftig von Hilfe aus dem südostasiatischen Land profitieren. Zwölf Auszubildende aus Vietnam haben bereits im Mai ihre dreijährige Lehre beim städtischen Eigenbetrieb Altenpflegeheime (SAH) begonnen. Perspektivisch sollen etwa 100 Pfleger ausgebildet werden. Ausgewählt würden diese zusammen mit der deutschen Botschaft in Vietnam, erklärte Sebastian Kratsch vom Amt für Wirtschaftsförderung. Die Kandidaten müssten einen Deutsch-Test absolvieren und entsprechende Vorqualifikationen nachweisen.

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