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Lokales Hochwasser-Warnsystem steckt in Leipzig noch in den Kinderschuhen
Leipzig Lokales Hochwasser-Warnsystem steckt in Leipzig noch in den Kinderschuhen
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00:17 17.07.2018
Hochwasser im Juni 2013 am Leipziger Palmengartenwehr. Damals drohten im Stadtgebiet die Deiche entlang des Elsterflutbettes zu brechen. Quelle: Archivfoto: Volkmar Heinz
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Leipzig

Auch wenn Leipzig in den vergangenen Wochen von extremen Niederschlägen, wie sie in anderen Regionen Deutschlands auftraten, verschont geblieben ist: Klimaforscher warnen seit Langem vor immer häufiger auftretenden Wetterextremen. Und die haben schon in der Vergangenheit nicht vor Leipzig halt gemacht. Immer wieder sorgten Starkregenfälle auch hier für überflutete Straßen und Keller, ließen die Pegel der Flüsse bedrohlich ansteigen. 2013 wären die Deiche am Oberen Elsterflutbett fast gebrochen. Daraufhin baute die Stadt ein Hochwasser-Warnsystem für Elster, Parthe und Burgaue auf, das potenziell von Hochwasser Betroffene schnell und direkt erreicht.

Seit Oktober 2015 können sich die Leipziger nun kostenfrei für die Alarmierung per SMS und E-Mail registrieren, um sich und ihre Habe rechtzeitig in Sicherheit zu bringen. Bislang meldeten sich nach Informationen aus dem Dezernat von Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal (Linke) 625 Personen für die Alarmierung per SMS sowie 241 Personen für die E-Mail-Alarmierung an. Für eine Stadt mit fast 600 000 Einwohnern und so zahlreichen Flüssen eine recht geringe Resonanz, zumal unbekannt ist, ob sich jemand sowohl per SMS als auch per E-Mail benachrichtigen lässt. Erfahrungen anderer Städte wie zum Beispiel Chemnitz hätten gezeigt, dass die Zahl der Neuanmeldungen erst dann sprunghaft ansteigt, wenn sich konkrete Hochwassergefahren einstellen. Doch dann ist es oft zu spät, weil die Leitungen überlastet und Anmeldungen erst mal unmöglich sind.

Aktuell ist das Benachrichtigungssystem nur für die Mitteilung von Hochwasser-Warnstufen ausgelegt. Sommerunwetter wie das vor zwei Jahren, als ganze Straßenzüge in Connewitz unter Wasser gesetzt wurden und die Notaufnahme des Elisabeth-Krankenhauses sogar mit Sandsäcken geschützt werden musste, kündigt das Warnsystem nicht an. Die SPD-Ratsfraktion wollte nun wissen, inwieweit es sich auch auf andere Unwettergefahren ausweiten ließe. Doch da macht man im Rathaus wenig Hoffnung: „Das SMS-Warnsystem ist wenig flexibel im Hinblick auf die zu übermittelnden Nachrichteninhalte. Für die Information über ausgelöste Hochwasseralarmstufen ist dies ausreichend. Um vor Unwettergefahren zu warnen, ist jedoch die Übermittlung ganz spezifischer Informationen erforderlich. Dafür ist das SMS-Warnsystem nicht ausgelegt.“ Für Unwetterwarnungen stehe als Alternative die Warn-App „Nina“ des Bundes zur Verfügung, die sich aus Informationen direkt vom Deutschen Wetterdienst speist und außerdem Vorsorge- und Verhaltenstipps gibt. Die Stadtverwaltung empfehle daher den Leipzigern, die Warn-App zu installieren.

Die zum Teil schlimmen Folgen von extremen Niederschlägen kann aber auch jeder Einzelne abmildern. Denn Flächenversiegelungen begünstigen Überflutungen. „Die Stadt sensibilisiert daher Grundstückseigentümer grundsätzlich und regelmäßig, das Maß der Versiegelung zu reduzieren beziehungsweise wenn möglich zu entsiegeln“, heißt es aus dem Umweltdezernat.

Außerdem verfolge Leipzig eine Gründachstrategie. Danach soll künftig die Begrünung von „flachen und flachgeneigten Dächer“ sowohl auf Bestandsgebäuden als auch bei Neubauten Pflicht werden. Davon erhofft man sich einen wirksamen Beitrag zur Regenwasserrückhaltung, stärkeren Verdunstung von Niederschlagswasser und Entlastung der Entwässerungssysteme sowie durch die dann verringerte Wärmeabstrahlung der Dächer auch einen kühlenden Effekt.

Mehr Infos zum Hochwasser-Warnsystem und wie man sich dafür anmeldet: www.leipzig.de/warnsystem

Von Klaus Staeubert

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