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Lokales Hochwasserschutz: Wildschweine setzen Elsterdeichen zu
Leipzig Lokales Hochwasserschutz: Wildschweine setzen Elsterdeichen zu
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00:27 11.04.2018
Johanna Schuster zeigt am Elsterdeich in Hartmannsdorf auf jene Stellen, die durch Wildschweine umgepflügt wurden (großes Foto). Beim Hochwasser im Juni 2013 wurde die Weiße Elster – im Foto unten die „Beton-Elster“ – zum reißenden Strom. Quelle: Fotos: André Kempner
Leipzig

Bald fünf Jahre ist es her, dass das Hochwasser vom Juni 2013 die Bewohner von Hartmannsdorf und weiterer Gebiete im Leipziger Südwesten in Atem hielt. Damals ergoss sich die Weiße Elster als reißender Strom durchs mitteldeutsche Land. Als die Wassermassen auf die Messestadt zuschossen, füllte sich das breite Obere Elsterflutbett im Nu.

Die Deiche am Rande der Hochwasserschutzanlage wurden mehrere Tage lang einem enormen Druck ausgesetzt. Dass sie hielten, lag nicht zuletzt am tatkräftigen Einsatz Hunderter Bundeswehrsoldaten und unzähliger Freiwilliger aus Leipzig und Umgebung, die Tag und Nacht Sandsäcke schleppten und auf den Dammkronen aufschichteten.

Die Stabilisierungsmaßnahmen fruchteten. Anders als andere Kommunen blieb Leipzig vom Schlimmsten verschont. Und doch waren sich hinterher alle einig: Hätte es die einen Monat zuvor fertiggestellte Hochwasserentlastungsanlage bei Zitzschen nicht gegeben, durch die bis zu 130 Kubikmeter Wasser pro Sekunde in den Zwenkauer See abgeleitet wurden, wären die hiesigen Elster- und Flutbett-Dämme sehr wahrscheinlich gebrochen – und Hartmannsdorf, Knauthain & Co. wären wohl abgesoffen.

Absenkungen an Krone

Kein Wunder, dass die Fluss-Anrainer im Südwesten der Stadt seit jenen bangen Tagen im Juni 2013 ein ganz besonderes Augenmerk auf die Deiche vor ihren Haustüren und Gartentörchen richten. Johanna Schuster tut dies regelmäßig. Die LVZ-Leserin aus der Siedlung Am Elsterbogen ist gerade sehr beunruhigt.

Ihre und die Sorgen der Nachbarn formuliert die 79-Jährige so: „Die Spuren des gewaltigen Hochwassers sind im Bereich Hartmannsdorf immer noch zu sehen. Mit bloßem Auge sind Absenkungen an der Deichkrone zu erkennen. Sanierungsarbeiten wie andernorts sind bis heute nicht erfolgt. Warum eigentlich nicht?“, fragt sie sich. Auch eine regelmäßige Pflege des Dammes finde schon lange nicht mehr statt.

Doch damit nicht genug: Für Johanna Schuster hängt der aktuelle Hochwasserschutz noch aus einem anderen Grund am seidenen Faden. „Seit einigen Jahren wird der Elsterdamm nun auch noch von Wildschweinen heimgesucht, die die Deichkrone regelrecht zerstören.“ Es stehe zu befürchten, dass die Wohnsiedlung am Elsterbogen bei einer neuerlichen Jahrhundertflut tatsächlich überschwemmt wird.

Ein Fall für die Jäger

Die Sauerei mit den Wildschweinen ist den Experten von der Landestalsperrenverwaltung Sachsen nicht entgangen. Axel Bobbe, der Leiter des Betriebes Elbaue/Mulde/Untere Weiße Elster in Rötha, spricht denn auch vom Deich bei Hartmannsdorf als „einem unserer Sorgenkinder“.

Erstens wegen der tatsächlich noch ausstehenden grundhaften Behebung der Hochwasserschäden von 2013 auf einem Abschnitt von rund 1000 Metern und zweitens wegen der wilden Paarhufer, „die die Anlagen arg strapazieren, die Grasnarbe zerwühlen und damit den Erosionsschutz zerstören“, wie Bobbe sagt.

Die Landestalsperrenverwaltung sei mit der Abteilung Stadtforsten im Leipziger Amt für Stadtgrün und Gewässer wegen der Wildschwein-Plage im intensiven Austausch. Das Dilemma könnten nun einmal nur Jäger beheben, betont der Betriebsleiter. Für ihn steht fest: „Seit der Verlandung des benachbarten Elsterstausees nehmen die Schäden durch die Schweine zu.“

Drei Rotten im Visier

Dass unterdessen erste Schüsse gefallen sind, die auch ins Schwarzwild trafen, bestätigt Matthias Kopp, der parteilose Vorsitzende des Ortschaftsrates Hartmannsdorf-Knautnaundorf. „Jahrelang ist diesbezüglich ja gar nichts passiert. Inzwischen wurden Hochsitze aufgestellt, gibt es zwei hochmotivierte Jäger, die uns helfen wollen und die mindestens schon ein Dutzend Wildschweine erlegt haben.“

Die Grünröcke würden von gleich drei Rotten ausgehen, die rund um Hartmannsdorf die Erde umgraben und dabei keinen Unterschied machen, ob sie es mit einer Deichkrone, einem Sportplatz oder einer Festwiese zu tun haben. Kopp hat allerdings noch weiteres Ungemach ausgemacht: „Auch die Reiter beschädigen unsere Dämme“, bedauert er.

Kampf mit Sanierungsstau

Wasserwirtschaftler Bobbe und seine Behörde sind derweil in der Bringschuld. Die Senken im Deich sollen schon in Kürze verschwinden. „Dieser Teil der Sanierung erfolgt in den nächsten Wochen, er ist vorbereitet.“

Was die Beschädigungen im Untergrund der Hochwasserschutzanlagen betrifft, so bittet der Betriebsleiter aus Rötha noch um etwas Geduld. „2013 sind im Raum Leipzig und in Sachsen-Anhalt 200 Kilometer Deiche beschädigt worden. Wir arbeiten nach und nach alles ab. Den Bereich Hartmannsdorf können wir aus Kapazitätsgründen aber erst 2019 angehen“, erläutert Bobbe. Mit ein Grund für die Verzögerung: „Wir finden keine Firmen mehr. Alle sind ausgebucht.“

Von Dominic Welters

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