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Höchstwert im Wohlbefinden der Leipziger: Einkommen steigen, außer für Selbstständige

Höchstwert im Wohlbefinden der Leipziger: Einkommen steigen, außer für Selbstständige

„Es geht mir gut, es geht mir sehr sehr gut“, reimte der Hamburger Rapper Dendemann 1999 – und hätte damit auch die Leipziger Befindlichkeit anno 2014 meinen können.

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Blick in die Leipziger Fußgängerzone. Die Messestädter blicken optimistisch in die Zukunft.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Denn bei der aktuellen Bürgerumfrage gaben 78 Prozent der 2653 Antwortenden an, mit ihrem Leben in der Messestadt mindestens zufrieden zu sein. Grund dafür sind nicht nur verbesserte finanzielle Lebensbedingungen, sondern auch die vielfach für gut befundenen Grundlagen in der Stadt.

„Die Lebenszufriedenheit steigt in Leipzig ja seit Jahren, 2014 wurde aber wieder einmal ein historischer Höchstwert erreicht“, freute sich Andrea Schulz, Autorin der am Dienstag vorgestellten Studie. Vor allem die jüngeren Leipzigerinnen und Leipziger seien mit ihrer Situation sehr zufrieden, so die Expertin vom Amt für Statistik und Wahlen. Die Ankerkette im latenten Leipziger Wohlbefinden liefern dagegen meist eher die Älteren: „Bei Senioren werden Dinge grundlegend mehr unzufrieden eingestuft, als bei anderen Bevölkerungsgruppen“, so Schulz.

Durchschnittseinkommen steigt – Selbstständige mit Einbußen

Trotzdem überwog im Herbst 2014 bei den Befragten klar der Optimismus, 65 Prozent blickten zuversichtlich in die Zukunft: Ein bedeutsamer Grund für die seit 2010 sogar überproportional steigende Gesamtzufriedenheit sind die wachsenden Einkünfte an der Pleiße. Das persönliche Durchschnitts-Nettoeinkommen stieg 2014 gegenüber dem Vorjahr um 55 Euro auf 1207 Euro an. Vor allem die Gruppe der 35- bis 49-Jährigen legte nach eigenen Angaben zu, verdient derzeit im Durchschnitt 1600 Euro netto.

Dagegen mussten die Selbstständigen auch Einbußen hinnehmen, bekamen mit 1275 Euro durchschnittlich 76 Euro weniger als im Vorjahr ausgezahlt. Der Anteil der Haushalte mit Erwerbseinkommen stieg insgesamt auf 59 Prozent, bei Paaren mit Kindern wird praktisch sogar in jedem der antwortenden Haushalte eigenes Geld verdient – durchschnittlich 3118 Euro netto springen dabei heraus. Schlusslicht sind hier alleinstehende Rentner mit 1154 Euro pro Unterkunft.

Leipziger sind Mieter – Grundpreise steigen

Im überwiegenden Teil der Leipziger Wohnungen wird weiterhin Miete gezahlt – mit 82 Prozent erreichte die seit 1991 jährlich durchgeführte Erhebung hier aber ein Tiefststand. Die Mietkosten stiegen laut Umfrage in den vergangenen 15 Jahren moderat an, zuletzt legte vor allem der Grundpreis zu. Durchschnittlich 5,38 Euro zahlten die Befragten pro kaltem Quadratmeter, 30 Cent mehr als im Vorjahr. Zum Vergleich: 2005 lag die Kaltmiete bei 4,67 Euro, 1991 noch bei 2,13 Euro.

Etwa zwei Drittel der Messestädter wollen bleiben, wo sie sind, die Anderen suchen in acht von zehn Fällen innerhalb Leipzigs nach Abwechslung, ein Drittel sogar im bisherigen Stadtteil. Jeder zwanzigste Leipziger hat inzwischen eigene vier Wände, im Leipziger Nordwesten ist es sogar jeder Zehnte.

Mehr Jobs und Lehrstellen – Unterschiedliche Prioritäten bei Alt und Jung

Neben Einkommen und Wohnraum bietet Leipzig auch eine Zahl anderer Faktoren, die zum Glücklichsein beitragen. 82 Prozent der Messestädter fanden das Angebot von Grünanlagen gut, unterstützen den Ausbau der Naherholung. Auch der Zustand der Leipziger Gewässer wird allgemein als gut empfunden. Deutliche Zuwächse im Empfinden gab es hinsichtlich Ausbildungs- und Arbeitsplatzsituation in Leipzig. Beim Jobangebot verdoppelte sich die Zustimmung innerhalb eines Jahres auf 30 Prozent, bei verfügbaren Lehrstellen stieg die Zufriedenheit von 28 auf 52 Prozent.

Größte Sorgenkinder bleiben laut Bürgerumfrage dagegen weiterhin die öffentliche Sicherheit, der Straßenzustand und das Angebot an Kindertageseinrichtungen. Dahinter folgt der alltägliche Baustellennerv samt Umleitungen, die Parkplatznot und immerhin jeder Dritte macht sich noch um wachsende Armut Gedanken. Dabei sind die Sorgen in allen Altersgruppen und Lebenssituationen ähnlich. „Das Zusammenleben mit Ausländern wird allerdings von jungen Menschen deutlich weniger als Problem erachtet als von älteren“, sagte Andrea Schulz.

Rotstift bei Museumsbudget

Die Statistiker aus dem Neuen Rathaus befragten die Bürger nicht zuletzt auch nach Sparpotentialen und gewünschten Investitionen. Hier zeigen sich neben Gemeinsamkeiten auch eklatante Unterschiede zwischen Jung und Alt: Während die Senioren vor allem auf Leipzigs Soziokultur verzichten wollen, würden die 18- bis 25-Jährigen bei Angeboten für Senioren den Rotstift ansetzen.

Einig sind sich alle, dass bei Museen und Ausstellungen Sparpotentiale bestehen und dass in erster Linie in Schulen, Kindertagesstätten und Straßenbau investiert werden sollte. Die jungen Leipziger und die Eltern mit Kindern unter 15 Jahren würden die Stadtkasse verstärkt auch für die Unterstützung Benachteiligter öffnen, bei Rentnern haben Öffentliche Verkehrsmittel zunehmend Finanzierungspriorität.

Matthias Puppe

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