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Lokales Höhenrettung – Feuerwehrleute aus Addis Abeba trainieren in Leipzig
Leipzig Lokales Höhenrettung – Feuerwehrleute aus Addis Abeba trainieren in Leipzig
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21:57 26.10.2017
Die Gäste Fikru Sida Wake (52, Deputy Commander), Amanuel Reda Hailu (50, Commander) und Wondmagegn Altye Tefera (Shift Commander, von links).  Quelle: Jakob Kulick
Leipzig.

 Nicht alltäglicher Besuch von fünf Kollegen aus der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba bei der Leipziger Feuerwehr: Die Gäste erhielten unter anderem Einblicke in die Organisation des Rettungsdienstes, den Brandschutz im City-Tunnel, das Heben einer Straßenbahn des neuen XL-Typs – und sahen gestern eine spektakuläre Demonstration der Abteilung für Höhenrettung.

Als passenden Übungsort für diesen Hochseilakt hat die hiesige Feuerwehr das alte Kesselhaus auf dem Gelände der Gas- und Dampfturbinenanlage der Leipziger Stadtwerke auserkoren. „Abteilungen für Brandbekämpfung, Katastrophenschutz, Gefahrenprävention, einen Rettungsdienst sowie Opferbetreuung haben wir auch“, erzählt Commander Amanuel Reda Hailu aus Addis Abeba. „Eine spezialisierte Truppe für Höhenrettung fehlt uns allerdings noch.“ Wie der 50-Jährige erklärt, wird diese Spezialdisziplin in der schnell wachsenden Hauptstadt jedoch immer wichtiger: Während früher vor allem Flachbauten das Stadtbild prägten, sprießen dort mehr und mehr Hochhäuser aus dem Boden.

Feuerwehrleute aus Leipzigs Partnerstadt Addis Abeba haben gemeinsam mit Kameraden der Leipziger Feuerwehr die Höhenrettung von Verletzten trainiert. (Bilder: Dirk Knofe)

Da kommt die Darbietung der Leipziger Abteilung für spezielle Rettung aus Höhen und Tiefen (SRHT) gerade recht. Während der Übung der Notfallszenarien „Rettung mittels Schleiftrage“ und „Rettung einer hängenden Person“ erklärt Oberbrandmeister Steve Rocco Kapp (38) den Gästen die Details. Dem Dolmetscher Yosef Taera lauschend nicken die Gäste fachmännisch und stellen gezielte Nachfragen. Am Ende der Demonstration angekommen, schlussfolgert Commander Hailu: „Das nötige Personal und das Know-how haben wir auch. Aber für die Höhenrettung sind wir nicht so gut ausgerüstet wie die deutschen Kollegen.“ Vor allem unter dem Aspekt der Sicherheit mangele es der eigenen Truppe an Werkzeugen und anderen Hilfsmitteln.

An Frauen mangelt es der Feuerwehr Addis Abebas dagegen nicht – oder zumindest weniger als der hiesigen. Während in Leipzig auf etwa 400 Feuerwehrmänner zehn Frauen kommen, steht das Verhältnis in Addis Abeba immerhin bei 1300 zu 450. Vor allem in der Gefahrenprävention seien viele weibliche Kräfte im Einsatz, sagt Hailu. Auf alle, die den Job machen wollen, kommt der gleiche Aufnahmetest zu. Ist dieser bestanden, folgt die drei- bis sechsmonatige Ausbildung im Trainingszentrum der Feuerwehr Addis Abebas. Dass der Beruf in Äthiopien attraktiv ist, liege an dessen hohen Ansehen in der Gesellschaft. Zudem sei das Gehalt von mindestens 5000 äthiopischen Birr im Monat – umgerechnet etwa 160 Euro – ein für einheimische Verhältnisse akzeptables Einkommen.

Ob den äthiopischen Feuerwehrleuten künftig die Weiterbildung zu Höhenrettern möglich sein wird, hängt auch von der Kooperation mit den Leipziger Kollegen ab. „Freiwillige Feuerwehr, Straßenbahnhebung und Höhenrettung könnten Schwerpunkte der weiteren Zusammenarbeit sein“, sagt Joachim Petrasch von der Leipziger Branddirektion.

Ob aus Heimweh oder aus Neugier – zum Mittagessen kehrten die Gäste nach der Demonstration im ersten äthiopischen Restaurant Leipzigs ein, dem Addis Café in der Brüderstraße.

Von Jakob Kulick

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