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Hohe Dunkelziffer bei Drogen-Müttern

Hohe Dunkelziffer bei Drogen-Müttern

Niemand kennt die wahren Zahlen. Eva Robel-Tillig aber weiß: Waren Babys von Drogenabhängigen in Leipzig in den 90er-Jahren noch "Ausnahmekinder", so gebe es inzwischen eine besorgniserregende Zunahme.

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Professorin Eva Robel-Tillig ist Chefärztin am Klinikum St.Georg.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Die Professorin und Chefärztin der Neonatologie im Klinikum St. Georg geht mittlerweile davon aus, dass die Dunkelziffer von schwangeren Frauen, die gerade die synthetische Modedroge Crystal nehmen, "mit Sicherheit sehr hoch ist". Sie appelliert an Betroffene: "Sie können nur sich selbst helfen und etwas für ihr Kind tun, wenn sie sich outen." Erst dann könne ein Netzwerk für Mütter und ihre Kinder, für die ganze Familie greifen.

Um Aufklärungshilfe zu geben, veranstaltete das St. Georg am Samstag im Mediencampus Villa Ida ein Forum mit 200 Teilnehmern über Familien mit Drogenproblemen unter dem Titel "Mama, Papa und ich - zusammen allein?" Das Interesse von Hebammen, Kinderärzten, Gynäkologen, Krankenschwestern, Sozialarbeitern und Polizisten aus Leipzig sowie überhaupt aus Sachsen, aus Sachsen-Anhalt, Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern und Bayern an Berichten mehrerer Experten war im Vorfeld aber so riesig, dass das Klinikum 70 Ablehnungen verschicken und auf ein weiteres Seminar nach der Sommerpause vertrösten musste. Denn mittlerweile ist "Crystal kein Randgruppen-Phänomen mehr", wie Heiner Trauer vom Institut für Rechtsmedizin sagte.

"Das Phänomen geht quer durch alle sozialen Schichten", so der Fach-Chemiker für Toxikologie. Die von ihm genannten Erkenntnisse fußen auf Untersuchungen des Instituts nach Verkehrsdelikten. Positiv getestet wurden da der Bundeswehrsoldat genauso wie der Ingenieur, Fliesenleger, Kraftfahrer oder Koch. Wurden bei Untersuchungen Drogen nachgewiesen, handelte es sich 2007 in einem Drittel der Fälle um Crystal, 2013 bereits um rund zwei Drittel. "In der Regel geht es um junge Erwachsene, es zieht sich aber auch bis in höhere Altersgruppen", so der Experte.

"Das Problem ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen", sagte Sylke Lein, Suchtbeauftragte der Stadt Leipzig. Ihre Angaben bestätigten die Erkenntnisse der Rechtsmedizin. Auch in den Suchtberatungsstellen stieg die Zahl der Crystal-Konsumenten an, ging diejenige von Heroin-Abhängigen zurück.

Wie berichtet, kamen laut Chefärztin Robel-Tillig zwischen 2009 und 2013 allein im St. Georg 83 Drogen-Babys auf die Welt, die unmittelbar nach ihrer Geburt einen "kalten Entzug" erlitten und als erstes eine Entgiftung durchmachen mussten. Inzwischen ist die Zahl auf mehr als 100 Babys angewachsen, sagte die 52-Jährige am Samstag. Doch etliche Betroffene würden ihre Abhängigkeit "aus Angst, dass ihnen ihr Kind weggenommen wird, verschweigen". Die Folgen könnten verheerend sein.

"Ist das Kind mit der Mutter zu Hause, kann es unter Entzug sterben." Hehres Ziel der Tagung: "Viele Helfer ins Boot holen, damit die Kinder in einer möglichst stabilen Familie aufwachsen können." Sofern ihr Wohl dort nicht gefährdet sei. Im St. Georg werde diesbezüglich "ein Wahnsinnsaufwand betrieben". Robel-Tillig: "Wir ringen um jeden Fall, wobei ich auch schon viele Rückschläge erlebt habe."

Betroffene können sich an das St. Georg wenden: Telefon 0341 909-3604 (Robel-Tillig). 0341 909-3535 (Hebammen). Das Leipziger Netzwerk "pregnant" (auf deutsch: schwanger) für schwangere Drogenabhängige ist erreichbar über Sylke Lein - Telefon 0341 1236761.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.05.2014
Kreuz, Sabine

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