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Lokales Hohe Nachfrage, lange Wartezeit: Fahrradwerkstätten in Leipzig
Leipzig Lokales Hohe Nachfrage, lange Wartezeit: Fahrradwerkstätten in Leipzig
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00:18 22.07.2017
Mirko Rahr (links) und Jan Thielbeer schrauben die Räder in der Meisterwerkstatt vom Radladen Grupetto in der Waldstraße zusammen.  Quelle: Foto: Andre Kempner
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Leipzig

Kaputter Reifen, lockere Speichen, verschlissene Bremse: Jeder, der regelmäßig mit dem Fahrrad unterwegs ist, kennt diese kleinen Übel. Diese Begleiterscheinungen, die sich beim häufigen Gebrauch des Drahtesels kaum vermeiden lassen. Was aber tun, wenn es an Geschick und Wissen mangelt, um das geliebte Gefährt wieder auf Vordermann zu bringen? Abhilfe versprechen Fahrradwerkstätten. In Leipzig mit seiner ausgeprägten Zweiradkultur gibt es rund 80 davon. Und das Geschäft brummt – Hilfesuchende müssen aber unter Umständen ordentlich Zeit einplanen.

„Wir haben damit gerechnet, dass es weniger wird aufgrund der Ferienzeit. Dem ist aber nicht so. Im Gegenteil, wir haben gut zu tun“, erzählt Mitarbeiter Matthias Hasch vom Fachladen Rückenwind in der Schnorrstraße in Schleußig. Kränkelnde Fahrräder werden in der Regel binnen 24 Stunden verarztet. Bei größeren Eingriffen brauche es allerdings einen Termin mit zwei bis drei Tagen Vorlauf. Zur Überbrückung stehen kostenlose Leihräder zur Verfügung. Ein Service, der auch in anderen Werkstätten Usus ist. Etwa bei den Schraubern von Radfreund im Grimmaischen Steinweg. „Das Angebot wird regelmäßig genutzt“, verrät Mitarbeiter Sören Thiele und ergänzt: „Im Schnitt landen bei uns täglich 15 bis 25 beschädigte Räder.“ Der Anspruch sei, alles in maximal drei Tagen zu reparieren. Thiele: „Dem werden wir auch gerecht.“

Bei Little John Bikes am Martin-Luther-Ring verbleiben defekte Drahtesel maximal ein bis zwei Tage in der Werkstatt – sofern alle nötigen Ersatzteile vorrätig sind, sagt Marketing-Mitarbeiter Stefan Lozowik. Kostenlose Ersatzräder stehen bereit. Eine Terminvereinbarung sei nicht notwendig. Kleinere Reparaturen könnten trotz voller Auslastung meist sofort vorgenommen werden.

Stefan Dörfer, Inhaber des Gohliser Fachgeschäfts Die Speiche, hält es hingegen für unabwendbar, dass die Branche zunehmend auf Terminvergabe setzt: „Schließlich fahren immer mehr Leipziger Fahrrad.“ Könne in seinem Laden bei Notfällen wie einem Platten oder einer kaputten Kette noch jederzeit geholfen werden, so sei bei normalen Wartungsarbeiten eine Voranmeldung nötig. „Solche Termine sind bei uns frühestens Anfang August möglich“, gibt Dörfer preis. Die Arbeitsplätze in der auf hochwertige Rennräder spezialisierten Werkstatt in der Georg-Schumann-Straße seien voll ausgelastet. „Wir fangen weit vor den Öffnungszeiten an, zu arbeiten, und hören erst weit nach Ladenschluss damit auf.“

Die Strategie, zwischen kleinen und großen Wehwehchen zu separieren, offenbart sich gleichermaßen im Bike Departement Ost am nördlichen Ende der Karl-Liebknecht-Straße. „Wir wollen die Leute mobil halten“, sagt Mitarbeiter Juan Leuthold. Sachen wie Schlauchwechsel würden mithin innerhalb eines Tages erledigt. Für alles, was Zeit braucht, müsse hingegen ein Termin festgelegt werden. „Unser Vorlauf liegt da aktuell bei knapp einem Monat“, so Leuthold. Ähnlich die Grupetto-Meisterwerkstatt in der Waldstraße: 24-Stunden-Rhythmus bei Kleinigkeiten, 14-Tage-Vorausanmeldung bei größeren Aktionen. Filialleiter Mirko Rahr betont jedoch, dass bei dringenden Reparaturen Ausnahmen denkbar sind: „Wenn jetzt eine Omi zu uns kommt und ihr Rad bis zum Abend wieder fit benötigt, dann machen wir das natürlich sofort. Für so etwas lassen wir uns immer ein wenig Luft.“

Dass Wartezeiten erquicklich sein können, zeigt Dr. Seltsam in der Merseburger Straße. Denn in der Plagwitzer Werkstatt, die sich nachts in einen Konzertraum mit Bar verwandelt, können Kunden parallel zu den Reparaturarbeiten das eine oder andere Getränk schlürfen. Ziel sei, kaputte Fahrräder am Tag der Annahme abholbereit wieder herzurichten, hebt Mitarbeiter Sascha Horlbeck hervor. Der hohen Nachfrage geschuldet, sei das zur Zeit aber nur schwer möglich. „Wir brauchen aktuell rund drei Tage, um ein Rad wieder fit zu bekommen.“

Viel zu tun haben schließlich auch Ein-Mann-Betriebe wie Fahrrad Hempel im Täubchenweg in Reudnitz. Inhaber Ronald Hempel sagt, eine Reparatur dauere bei ihm drei bis vier Tage. Dann könne das Gefährt wieder abgeholt werden. „Wenn ich gerade ein Leihrad zur Verfügung habe, gibt’s das obendrauf.“ Zuweilen wegen Überfüllung schließen muss Mathias Wiedemann von Rat & Tat in der Odermannstraße in Altlindenau. „Sobald der Platz nicht mehr reicht, kann ich keine weiteren Räder annehmen. Ich muss dann erst einmal die bisherigen Aufträge abarbeiten.“

Von Matthias Klöppel

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