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Lokales Holterdipolter ins Rundfunkzeitalter
Leipzig Lokales Holterdipolter ins Rundfunkzeitalter
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14:32 19.05.2015
Radioexperte Hagen Pfau hat die Rundfunkgeschichte in Leipzig recherchiert. Quelle: Christian Nitsche

Und sie begann eher mit viel Stress im Vorfeld und nicht mit einem Weckersignal, wie Hagen Pfau, profunder Kenner der Historie, berichtet.

"Bereits Kaiser Wilhelm II. war sehr an der Funktechnik interessiert und forcierte die Entwicklung", blickt der Leipziger zurück. Schon 1903 sei deshalb die Firma Telefunken gegründet worden. Doch durch die Kriegswirren sei es 1922 die britische BBC gewesen, die die ersten Versuche, Musik und Sprache über einen Sender zu schicken, in ein Rundfunkprogramm verwandelte. Frankreich, Belgien und Dänemark hätten nachgezogen. "Deutschland war etwas im Hintertreffen, da es nur über einen schmalen freigegebenen Frequenzbereich verfügte", berichtet der 77-Jährige. Eine der ersten unregelmäßigen Sendungen seien die Weihnachtskonzerte aus Königs Wusterhausen gewesen, die der Sender der Heeresfunkstelle ausstrahlte.

Letztlich ging Ende Oktober 1923 im Berliner Vox-Haus der erste Sender in Betrieb. "Unabhängig von Rangeleien mit Dresden im Vorfeld, die aus geografischer und wirtschaftlicher Sicht aber zugunsten von Leipzig ausgingen, war letztlich das Interesse des Radiovereins Leipzig um seinen rührigen Chef Erwin Jäger - einem Zahnarzt - sowie von Uni, Messe- und Verkehrsamt ausschlaggebend, dass Deutschlands zweiter Radiosender in Leipzig seine Heimat fand", so der Cousin der in Pakistan lebenden berühmten Ordensschwester Ruth Pfau.

Und dies mit viel Stress im Vorfeld. "Die ersten Anlagen inklusive Freiantenne kamen erst Anfang Februar bei klirrender Kälte nach Leipzig", erzählt Pfau. Holterdipolter sei alles in zwei Räumen und auf dem Dach des Johannishospitals in der Prager Straße aufgebaut worden.

Am 1. März 1924 um 14.25 Uhr war es dann so weit: "Es läuft, wir können anfangen", wurde kurz vor Beginn der Weihefeier in die Alte Waage telefoniert. "Wie viele per Kopfhörer oder Trichterlautsprecher den Ansprachen zugehört haben, ist nicht bekannt", sagt Pfau. Klar sei allein, dass es nur "Schwarzhörer" gegeben habe. Denn angemeldet war noch niemand. "Schon damals musste für die Radionutzung bezahlt werden - 60 Goldmark für eine Jahresgenehmigung", berichtet er. Später waren es zwei Mark im Monat. Zum Messestart am 2. März sei dann das erste Festkonzert unter anderem mit Thomanern und Opernsolisten sowie Musik von Bach, Brahms und Beethoven gesendet worden.

Und wie war das mit dem Wecker? "In den Anfangszeiten des Rundfunks gab es zwischen einzelnen Beiträgen oft minutenlange Pausen", erläutert Pfau. Eine Art Hintergrundrauschen oder Anwesenheitszeichen bedeutete dem Hörer, dass er noch auf Sendung war. "In einem älteren Hörfunkbeitrag zur Geschichte des mitteldeutschen Rundfunks, den der MDR zum Jubiläum wiederholt, wird behauptet, dass dieses Signal mit einem 240 Mal pro Minute schlagenden Wecker gegeben wurde", so der Leipziger. Seine Recherchen hätten nun aber ergeben, dass dies erst nach einer größeren Modernisierung des Senders im Januar 1925 der Fall gewesen war. Martin Pelzl

iMehr Informationen im Internet unter www.radio-salon.de. MDR Figaro sendet heute zum Jubiläum um 19.05 Uhr die Wiederholung von "Als der Wecker tickte".

Aus der Leipziger Volkszeitung vom ..
Martin Pelzl

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