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Hotel und kulturelles Zentrum: Was aus Leipzigs ungenutzten Kirchen wird

Hotel und kulturelles Zentrum: Was aus Leipzigs ungenutzten Kirchen wird

Es kann funktionieren - so lautete die wichtigste Botschaft nach drei Tagen Workshops, Vorträgen und Debatten in der Lindenauer Philippuskirche. Das mächtige, doch seit mehr als zehn Jahren ungenutzte Gebäude dürfte nun eine neue Zukunft erhalten.

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Vision: So soll es einmal in der Philippuskirche aussehen.

Quelle: Privat

Leipzig. Spätestens 2016 soll es als Veranstaltungsort mit angeschlossenem Integrationshotel und Restaurant öffnen.

Ob ihnen ein so großes Projekt wie Philippus nicht auch Angst mache, fragte Pfarrer Enno Haaks, zugleich Generalsekretär des Gustav-Adolf-Werks, beim abschließenden Podiumsgespräch in die Runde. Doch die Antwort war einhellig. "Nein, es macht Freude, neues Leben in alten Kirchen zu schaffen", meinte zum Beispiel Klemens Notenkemper aus Münster. Als Chef einer kommunalen Wohnungsgesellschaft hat er dort gerade zwei ungenutzte Gotteshäuser in diesem Sinne umgebaut. Aus der Sebastiankirche wurde eine Kita, aus der früheren Garnisonskirche ein Bürostandort mit Wohngruppen im Erdgeschoss und ersten Stock - für ehemals Obdachlose und Suchtkranke. An beiden Standorten erziele die Wohn- und Stadtbau Münster GmbH eine Kapitalrendite von vier Prozent, erklärte er. "Dies aber nur, weil wir auf denselben Grundstücken noch Eigentumswohnungen schaffen konnten." Die Sanierung der historischen Gebäude allein sei ein Minusgeschäft und berge stets Überraschungen. "Planen Sie am besten von vornherein fünf bis sieben Prozent Zusatzkosten ein", empfahl er.

Die 1910 geweihte und 2012 von der evangelischen Landeskirche zur Umnutzung freigegebene Philippuskirche sei baulich zum Glück in gutem Zustand, führte Harald Strickler aus. Der HTWK-Professor hatte mit Studenten und Absolventen dieser Hochschule ein Raum- und Architekturkonzept erstellt, riet auch aus Kostengründen zu möglichst sparsamen Eingriffen. So könnten die Küche für das geplante Restaurant und Sanitäranlagen in einem dezenten, modernen Anbau (zwischen Helmholzschule und Karl-Heine-Kanal) untergebracht werden. "So müssen Sie nicht gegen den Bestand, sondern können mit ihm arbeiten." Für den Kirchenraum, in dem künftig Veranstaltungen und Tagungen stattfinden sollen, sei eine variable Bestuhlung zwingend. Je nach Bedarf könnten Tische und Stühle über ein Hubpodest in dem mächtigen Keller darunter verschwinden. "Weil die Heizkosten im Winter sonst unbeherrschbar wären, raten wir zu Architekturmöbeln im Raum. Sie bieten genug Platz für Vereine oder kleine Gruppen, sind gut gedämmt und kommen schon mit einer schnell schaltbaren Stromheizung aus."

Jede Menge Anregungen gab es auch aus den vier Workshop-Gruppen, in denen zuvor zwei Tage lang Experten vom Leipziger Hotelier bis zum Landesamt für Denkmalpflege gemeinsam berieten. 50 Betten in dem Integrationshotel, welches das hiesige Berufsbildungswerk (BBW) im früheren Pfarrhaus mit behinderten Auszubildenden betreiben will, seien für ein "Nischen-Hotel" auskömmlich, fasste Katrin Weyrich die Ergebnisse ihrer Gruppe zusammen. Das Publikum solcher Herbergen erwarte aber eine besondere Atmosphäre, die etwa durch Verzicht auf einen trennenden Tresen an der Rezeption, das Angebot hauseigener Stadtführer oder wenige große, statt vieler kleiner Tische im Restaurant erreicht werden könne. Bis zum Herbst wolle das BBW alle Ideen prüfen, dann die konkrete Planung starten, bauen und 2016 öffnen, kündigte Projektleiter Wolfgang Menz an.

Auch in der Gohliser Friedenskirche finden seit dem Zusammenschluss zweier Gemeinden 1999 keine Gottesdienste mehr statt. Jedoch gelang es dem Förderverein unter Vorsitz von Kunsthistorikerin Agnes Niemann seitdem, das Gotteshaus als "Kulturkirche" zu etablieren. Jährlich bis zu 3000 Besucher erleben dort Konzerte, Ausstellungen und Gesprächsrunden. "Inzwischen halten wir die Kirche wieder täglich von 15 bis 18 Uhr geöffnet, jeden Sonntag 17.30 Uhr gibt es eine kleine Andacht für alle, die zu den Gottesdienstzeiten aus verschiedensten Gründen verhindert waren", erzählt Vereinsmitbegründer Jörg Kohlmann.

Um das 1871 geweihte Bauwerk dauerhaft betriebswirtschaftlich so nutzen zu können, dass damit auch Kosten für die Instandhaltung gedeckt werden, seien jedoch einige Veränderungen nötig. Deshalb beauftragte auch dieser Verein ein bauliches Gesamtkonzept beim Fachbereich Architektur der Leipziger Hochschule HTWK. Die Studie, die soeben der Gemeinde vorgestellt wurde, entstand ebenfalls unter Leitung von Professor Harald Strickler. Sie empfiehlt drei Phasen für mögliche Verbesserungen.

In Phase 1 sollen einzelne Bereiche des Kirchenraums durch Glaswände unterteilt und so zusätzliche Arbeitsräume gewonnen werden.

Phase 2 sieht den Wiederaufbau der Nordsakristei vor, die im II. Weltkrieg zerstört wurde. Auch dort könnten Räume für das Pfarrbüro, Vereine oder ein Lager entstehen. Zudem wären ein behindertengerechter Zugang und ein Café mit Freisitz denkbar.

Phase 3 ist kühn und in der Gemeinde längst noch nicht unumstritten. Hier schlagen die Architekturstudenten den Anbau einer Café-Terrasse an der West- oder Südseite vor.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 02.07.2013

Jens Rometsch

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