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Hunderte Gäste feiern Baustart für neue Leipziger Propsteikirche - Kritik am Standort

Hunderte Gäste feiern Baustart für neue Leipziger Propsteikirche - Kritik am Standort

Mit einem so genannten Baggerbiss haben am Montagvormittag die Arbeiten auf der Baustelle zur neuen Propsteikirche in der Leipziger Innenstadt begonnen. Unter den Augen Hunderter Schaulustiger aus kommunaler Politik, Kirche, Gesellschaft und aus der katholischen Propsteigemeinde St.

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Der Bischof des Bistums Dresden-Meißen, Joachim Reinelt (links(, übernahm am Montag persönlich das Steuer des Baggers. Archäologe Thomas Westphalen sucht nach historisch bedeutsamen Überresten.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Trinitatis grub sich gegen 11.45 Uhr eine schwere Schaufel in die Erde der Baustelle gegenüber des Neuen Rathauses.

Bis das größte katholische Kirchenneubauprojekt in Ostdeutschland allerdings tatsächlich begonnen wird, vergehen noch mindestens zwei Monate. Denn bis Anfang November untersuchen Experten des Landesamts für Archäologie die Baustelle auf bedeutsame Ruinen. Wie Altertumsforscher Thomas Westphalen am Montag erklärte, wollen sich die Wissenschaftler dabei gern von Zeugnissen zweier möglicher historischer Szenarien überraschen lassen. Zum einen könnten hier Reste der schon lange in Leipzig gesuchten, bisher aber noch nicht gefundenen Peterskirche aus dem 11. Jahrhundert liegen. Es sei allerdings umstritten, ob es jene überhaupt gegeben hat, sagte Westphalen.

Wahrscheinlicher als die der Peterskirche sind deshalb aus Sicht des Wissenschaftlers Reste des Klosters St. Georg, das im Zuge der Belagerung der Stadt durch Karl V. im Schmalkaldischen Krieg zerstört wurde. Der letzte vom Papst legitimierte römisch-deutsche Kaiser ging mit seinen Truppen zwischen 1546 und 1547 gegen ein Bündnis protestantischer Landesfürsten in Sachsen vor und stand dabei auch vor den Mauern der Messestadt. Die Leipziger Stadtherren ließen zur besseren Verteidigung ihrer Pleißeburg auf dem heutigem Gelände des Neuen Rathauses das Kloster davor niederreißen.

Von weitaus weniger historischem Wert wären wohö Zeugnisse der alliierten Luftangriffe auf die Stadt im Zweiten Weltkrieg. Nach Angaben von Thomas Westphalen sei es nicht ausgeschlossen, dass die Archäologen bei ihrer Arbeit auf diverse Fliegerbomben treffen. „Das war hier alles Schadensgebiet“, sagte Westphal gegenüber LVZ-Online. Nach Kriegsende wurde der Schutt der zerbombten Wohnhäuser nur zusammengeschoben und seither nicht begutachtet. Die Wissenschaftler werden deshalb in den kommenden Wochen von einem speziellen Bombensuchtrupp begleitet.

So groß die Freude über die eine oder andere bedeutsame Ausgrabung zur Leipziger Historie sein könnte, wünscht sich Oberbürgermeister Burghard Jung trotzdem einen schnellen Abschluss der wissenschaftlichen Arbeiten im Angesicht des Neuen Rathauses. „Ich hoffe, sie finden etwas – aber nichts, was den Baubeginn um zehn Jahre verzögert“, sagte der OB den Gästen des Baggerbisses. Eine zeitnahe Realisierung des Kirchenprojekts sei bedeutsam für Stadt und Kirche. „Der Bau rückt die Kirche vom Rand der Stadt in die Mitte der Gesellschaft“, erklärte der Sozialdemokrat und fügte an: „Der Neubau ist für die Kirche auch ein Zukunftszeichen.“ Naturgemäß sieht das auch Gemeinde-Propst Lothar Vierhock so: „Der Bau wird ein Hoffnungszeichen des christlichen Glaubens, der bis weit über die Stadtgrenzen hinausstrahlt“, sagte Vierhock am Montag.

Eine echte Strahlkraft mit Wirkung für die Zukunft bezweifelte dagegen Landtagsmitglied Volker Külow (Die Linke) am Rande der Feierlichkeiten. „Ich glaube nicht, dass so ein Bau die Weichen für das zweite Jahrtausend stellen kann. Es ist nur ein weiteres Türmchen in der Stadt und ich denke, 80 bis 90 Prozent der Bürger werden sich dafür nicht interessieren.“ Trotzdem akzeptiert der studierte Historiker und kulturpolitische Sprecher der Landesfraktion die Entscheidung seiner Parteikollegen im Leipziger Stadtrat, die für den Bau der Kirche gestimmt hatten.

Während sich viele der geladenen Gäste an der Baugrube hoch erfreut über das neue Gotteshaus in Leipzig zeigten, gab es auch einige wehmütige Töne. So monierte eine Schaulustige, die nicht näher genannt werden wollte, dass der Bauplatz der Kirche etwas unglücklich gewählt worden sei. Der schöne Blick auf das Rathaus aus Richtung Südvorstadt gehe so verloren. „Man hätte wenigstens ein paar Meter weiter himzem bauen können und davor einen Park anlegen können“, sagte die interessierte Zuschauerin.

Der Bau der neuen Propsteikirche direkt gegenüber des Leipziger Rathauses soll 15 Millionen Euro kosten. Ein großer Teil soll mit Spenden finanziert werden. Nach Angaben von Gemeinde-Propst Lothar Vierhock sind schon 4,5 Millionen Euro gesammelt worden. Die Fertigstellung der Kirche ist Ende 2013 geplant.

Matthias Puppe

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