Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Hunderte Kunden am Eröffnungstag des Sozialkaufhauses in der Eisenbahnstraße
Leipzig Lokales Hunderte Kunden am Eröffnungstag des Sozialkaufhauses in der Eisenbahnstraße
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
23:50 31.03.2010
Das neu eröffnete Sozialkaufhaus in der Eisenbahnstraße. Quelle: Armin Kühne
Anzeige
Leipzig

Der Jubel darüber hielt sich teils jedoch in Grenzen.

Es ist Punkt 10 Uhr, eine Eröffnung ohne Girlanden, Reden oder einen ein Band durchschneidenen Politiker. "Es ist eine Schande, dass wir hier in Deutschland so weit gekommen sind, überhaupt solche Einrichtungen zu öffnen. Ich war weiß Gott kein Kommunistenfreund, aber früher hatte jeder eine Arbeit, ein Auskommen", äußert sich verbittert aus der Wartegemeinschaft heraus ein nicht mehr ganz junger Herr. Von Thonberg war er gekommen, braucht für die Küche eine neue Spüle. Wer wie er von Hartz IV lebe, könne sich ja kaum woanders so eine Ausgabe leisten.

Die ältere Dame, die als erste Kundin einen Blumenstrauß erhält und daher flugs im Fokus der Medien steht, winkt mit feuchten Augen ab. "Nein, bitte, ich will nichts sagen." Eine junge Frau ist auskunftsbereiter. "Ich bin krank, habe Osteoporose. Erwerbsunfähig schreibt man mich trotzdem nicht, da muss man wohl erst tot sein. Also arbeite ich stundenweise in der Gastronomie, verdiene aber so wenig, dass ich noch Hartz IV bekomme. Aktuell fällt jetzt mein Kleiderschrank auseinander, mal sehen, ob sich hier etwas findet", sagt sie, lächelt freundlich und zieht los, das wohlsortierte Möbelsortiment zu sichten.

Auf eine Schlafcouch aus ist indes eine 73-jährige Seniorin. "Wissen Sie, ich habe mein Lebtag gearbeitet, im Buchhandel, als Schneiderin... Ich kriege 700 Euro Rente, und da ich inzwischen mehrere Krankheiten habe, geht schon dafür viel Geld ab." Allein für ihr chronisches Lungenleiden betrage die Zuzahlung für eines der Medikamente 89 Euro. Während viele Kunden aus Scham ihren Namen nicht nennen wollen, hat Kathrin Nagel kein Problem damit. "Ich bin arbeitslos, habe für drei Kinder zu sorgen und bin glücklich, dass ich hier gerade für vier Euro einen Badschrank und für 50 Euro eine fünfteilige Sitzecke für die Küche erhielt. Gut, dass es so etwas jetzt hier gibt", strahlt sie.

Glücklich war am Mittwoch nicht zuletzt Angelika Wodicka, die zu den acht zumeist älteren Mitarbeitern gehört, die im Kaufhaus einen versicherungspflichtigen Arbeitsplatz erhielten. "Ich war bei der Bahn Fahrkartenverkäuferin, habe 14 Jahre meine Eltern gepflegt, war zuletzt arbeitslos", so die 55-Jährige. "Mein Glück jetzt habe ich quasi der LVZ zu verdanken: Die schrieb über das geplante Sozialkaufhaus, ich las das und meldete mich hier gleich", erzählt sie.

Wie berichtet, ist das Einkaufszentrum ein Projekt des Vereins Resozialisierungshilfe. Auf rund 1000 Quadratmetern werden Gebrauchtgüter, Möbel, Einrichtungsgegenstände, Elektroartikel, Haushaltwaren, Bekleidung, Wohntextilien und vieles mehr zum Selbstkostenpreis für Leipzig-Pass-Inhaber, für Leute mit Niedriglohn und bedürftige Rentner angeboten. Das Sortiment rekrutiert sich aus Spenden, Haushaltsauflösungen und industrieller Überproduktion. Wer gut Erhaltenes für das Projekt anbieten mag, kann sich beim Verein unter Telefon 01723469211 melden. Auch der heutige Tag gilt noch als "Eröffnungstag", daher ist das Kaufhaus von 10 bis 18 Uhr auf, ab nächsten Dienstag dann dienstags bis freitags 11 bis 18 Uhr.

Angelika Raulien

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Von den 100 Gästen, die am Mittwoch zur Eröffnung der Turnhalle am Werner-Heisenberg-Gymnasium kamen, hatte niemand Probleme, den Neubau zu finden. "Fußball", "Boxen", Basketball" steht groß an der Fassade in der Renftstraße 3. An der noch immer arg gebeutelten Georg-Schumann-Straße ist der quaderförmige Bau ein echter Hingucker.

31.03.2010

Für den geplanten Bau der Sporthalle an der Radrennbahn laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Wie die Stadtverwaltung am Mittwoch mitteilte, sind die Arbeiter momentan mit der Baufeldfreimachung beschäftigt.

31.03.2010

[gallery:500-75433616001-LVZ] Leipzig. Mitja, Michelle und Corinna. Drei Morde an Kindern erschütterten in den vergangenen drei Jahren die Region Leipzig. Am Mittwoch nun, acht Monate nachdem die neunjährige Corinna aus Eilenburg Opfer eines Sexualverbrechens wurde, verurteilte der Vorsitzende Richter Hans Jagenlauf am Landgericht Leipzig den Täter zu lebenslanger Haft.

31.03.2010
Anzeige