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Hunderte Neonazi-Gegner protestieren in Leipzig – Oberbürgermeister Jung fordert NPD-Verbot

Hunderte Neonazi-Gegner protestieren in Leipzig – Oberbürgermeister Jung fordert NPD-Verbot

Leipzig. „Keinen Tag länger das Nationale Zentrum“ hallte es durch die Odermannstraße. Hunderte Bürger aus Leipzig haben am Sonnabend friedlich gegen das NPD-Büro in Lindenau protestiert.

Ein Ziel, nämlich die Absage eines Vortrags von Karl Heinz Hoffmann, hatten die Demonstranten schon vor ihrer Aktion erreicht.

Hoffmann gründete 1973 die als rechtsterroristisch eingestufte Wehrsportgruppe (WSG) nach seinem Namen. Die paramilitärische Vereinigung hatte zwischenzeitlich über 400 Mitglieder und wurde 1980 wegen ihrer Verfassungsfeindlichkeit verboten. Ursprünglich wollte Hoffmann im NPD-Zentrum ab 17 Uhr drei Stunden unter anderem über die WSG referieren. Am Vormittag gab er jedoch auf seiner Internetseite bekannt, dass der geplante Veranstaltungsort nicht mehr bereit stehe.

„Das ist ein Erfolg und Grund zur Freude“, sagte Eda Möller vom Verein „Leipzig Courage Zeigen“. Zusammen mit Frank Kimmerle vom Verein „Erich-Zeigner-Haus“ hielt sie dennoch an ihrem Aufruf zum Protest gegen das NPD-Büro fest. Etwa 150 Demonstranten folgten dem Appell, darunter etliche Familien mit Kindern. Sie marschierten gegen 15.30 Uhr vom Lindenauer Markt am Theater der Jungen Welt vorbei zur Odermannstraße. In unmittelbarer Nähe zum NPD-Zentrum war eine Bühne aufgebaut worden.

Die beiden Vereine hatten sich kurzfristig prominente Unterstützung für den Protest organisiert. In einer Rede würdigte Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) zunächst das Engagement der Organisatoren. Das NPD-Büro bezeichnete er als eine Schande für Leipzig. Anschließend verwies das Stadtoberhaupt auf die aktuellen Straftaten der Zwickauer Rechtsterroristen: „In diesem Zusammenhang ist die Einladung Hoffmanns eine unsägliche Provokation.“ Die NPD verhöhne damit die Opfer der Mordserie. Deutlich forderte Jung ein Verbot der rechtsextremen Partei.

Während der Oberbürgermeister sprach, machten sich parallel etwa 550 weitere, vor allem junge Demonstranten vom Waldstraßenviertel auf den Weg, um über die Jacobstraße, den Ranstädter Steinweg und die Jahnallee ebenfalls zum NPD-Zentrum in Lindenau zu marschieren. Diesen Protestzug hatte die antifaschistische „Fence-off“-Kampagne organisiert, die sich die Schließung des NPD-Büros als Ziel gesetzt hat.

Bis diese Gruppe mit Musik und Sprechchören an der Odermannstraße ankam, zeigte sich dort, wie breit der gesellschaftliche Konsens gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Revisionismus ist. Nach Jung sprachen unter anderem Wolfgang Leuze (Bündnis 90/Die Grünen), Barbara Höll (Linke), Christian Schulze (SPD), Detlef Schubert (CDU) und Christian Wolff, Pfarrer der Thomaskirche Leipzig. Darüber hinaus waren Fahnen und Banner der Gewerkschaften Verdi und IG Metall zu sehen.

Unter den Zuhörern war auch der Marokkaner Mouhcine Abid. Der Student lebt seit fünf Jahren in Leipzig. „Ich finde es nicht okay, wenn jemand wegen seiner Herkunft oder seinen Wurzeln gehasst wird. Deshalb demonstriere ich gegen die NPD.“ Direkt bedroht worden sei er in der Messestadt noch nicht, aber er höre öfter abfällige Kommentare. In einigen Gegenden habe er Angst, nachts alleine durch die Straßen zu gehen.

Nicht zum ersten Mal protestierte Joachim Apitz gegen Rechtsextreme. „Ich habe zwölf Jahre Faschismus erlebt“, sagte der 78-Jährige. Die Erfahrungen von damals seien Grund genug, heute gegen die geistigen Nachkommen der Nazis auf die Straße zu gehen.

Als es dämmerte und einige Teilnehmer Grabeskerzen ansteckten, um den Opfern rechtsextremer Gewalt zu gedenken, ist Frank Kimmerle vom Verein Erich-Zeigner-Haus zufrieden mit dem Erreichten. Leipzig habe ein deutliches Zeichen gesetzt.

Zufrieden dürfte auch Uta Barthel als Sprecherin der Leipziger Polizei gewesen sein. Die Beamten hatten den Abschnitt vor dem NPD-Büro abgesperrt. „Damit schützen wir die Demonstranten vor möglichen Übergriffen durch die Rechtsextremen“, erklärte Barthel. Bei einer größeren Gegendemonstration im September dieses Jahres flogen nach Provokationen der Rechtsextremen Böller und Steine in Richtung NPD-Gebäude. Diesmal ging die Strategie der Polizei auf. Bis sich die Versammlung gegen 17.30 Uhr auflöste, blieb die Atmosphäre friedlich.

Fotos von der Demo gegen das NPD-Zentrum im September 2011:

Robert Berlin

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