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Lokales ICE halten doch im Leipziger City-Tunnel – nicht genügend Bahnsteige am Hauptbahnhof
Leipzig Lokales ICE halten doch im Leipziger City-Tunnel – nicht genügend Bahnsteige am Hauptbahnhof
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22:50 27.10.2013
Blick in die Zukunft: Am 15. Dezember kurz vor zwölf wird laut regulärem Fahrplan der erste ICE in den City-Tunnel rauschen. Quelle: Andreas Döring André Kempner; Montage Enzo Forciniti

Allerdings zunächst nur für zwei Jahre.

Bitte nicht wundern, wenn am Sonntag, dem 15. Dezember um 11.48 Uhr statt der erwarteten silber-grünen S-Bahn-Hamsterbacke ein weiß-rotes ICE-Flaggschiff der Deutschen Bahn in die City-Tunnel-Station Hauptbahnhof einfährt! Es wird sich dann mitnichten um einen Sonder-, vielmehr um den Regelfall handeln. Denn der ICE 1745 wird ab diesem Tag praktisch täglich auf seinem Weg von Düsseldorf nach Dresden durch den City-Tunnel rollen. Kurz darauf, zwischen 14.08 und 14.10 Uhr, hält er erneut - diesmal als ICE 1746 - auf der Rücktour nach Düsseldorf unter dem Hauptbahnhof. Wenig später macht dann der IC 1952 auf dem Weg nach Köln Station, an anderen Wochentagen sind weitere Schnellzüge im City-Tunnel-Fahrplan aufgelistet.

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Leipzig. Mit dem Fahrplanwechsel werden nun doch einige ICE und IC im neuen City-Tunnel halten. Grund sind umfangreiche Bauarbeiten im Bahnhofsvorfeld, die unter anderem zur Sperrung von sechs Bahnsteigen im Kopfbahnhof führen. Das bestätigte Bahn-Sprecher Jörg Bönisch jetzt auf LVZ-Anfrage. Mindestens bis zum Fahrplanwechsel im kommenden Jahr, wahrscheinlich bis zur Inbetriebnahme der neuen ICE-Neubaustrecke bis Erfurt 2015, soll dies so bleiben.

Nicht ausreichend Bahnsteige im Hauptbahnhof

"Ja, dem ist so", bestätigt Bahn-Sprecher Jörg Bönisch. Dies habe mit den umfangreichen Bauarbeiten im Nachgang zur City-Tunnel-Inbetriebnahme zu tun (die LVZ berichtete). Demnach werden im Vorfeld des Hauptbahnhofs sowohl der Verkehrstunnel 2 Richtung Dresden als auch die Bahnsteige 10 bis 15 - wegen Erneuerung und Verlängerung für die künftige ICE-Generation - gesperrt. "Durch den Umbau stehen zu bestimmten Zeiten oben im Kopfbahnhof einfach nicht ausreichend Bahnsteige zur Verfügung", erläutert Bönisch. Deshalb werde mit einigen Schnellzügen in den City-Tunnel ausgewichen. Dem Vernehmen nach könnte dieser Zustand mindestens bis zur Inbetriebnahme der ICE-Neubaustrecke bis Erfurt 2015 Bestand haben. Doch daraus ergeben sich einige Fragen:

Reicht denn die Bahnsteiglänge in der Station Hauptbahnhof (tief)? Eine (baulich mögliche) Verlängerung der beiden Bahnsteige von 270 auf 400 Meter wird es nicht geben. "Die jetzige Länge ist für die eingesetzten ICE-Varianten völlig ausreichend", sagt der Bahn-Sprecher. Sowohl die eingesetzten 5-teiligen ICE mit ihren 133 Metern Länge als auch der Siebenteiler, der es auf 185 Meter bringt, würden problemlos halten können.

Alte ICs dürfen nicht in den Tunnel

Dürfen IC überhaupt durch den Tunnel fahren? "Die althergebrachten mit alten Loks definitiv nicht", weiß Bönisch zu berichten. Deshalb würde grundsätzlich nur die modernste IC-Generation zum Einsatz kommen, die sämtliche (Sicherheits-)Vorgaben erfülle. Den aktuell rings um Leipzig eingesetzten Doppelstockwagen sowie Dieselloks ist die Einfahrt hingegen verboten (die LVZ berichtete).

Wie passt die Fernverkehrsnutzung mit dem propagierten 5-Minuten-S-Bahn-Takt zusammen? Problemlos. Es sei laut Bönisch immer kommuniziert worden, dass bei der Fahrplangestaltung pro Stunde und Richtung "Luft für eine Fernverkehrsnutzung" vorgesehen wird. Letzteres ist auch augenscheinlich, denn aufmerksamen Besuchern dürfte zuletzt aufgefallen sein, dass in der Station Hauptbahnhof (tief) bereits die für ICE-Bahnsteige notwendigen Abschnittskennzeichen A bis D installiert wurden.

Fahrgastverbandes Pro Bahn zeigt sich verwundert

Inwieweit die temporäre Nutzung des City-Tunnels durch ICE ein Dauerzustand werden kann, ist indes fraglich. Zwar hatte Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) vor einigen Monaten nach einem Gespräch mit Bahn-Chef Rüdiger Grube berichtet, die Bahn sei "definitiv" daran interessiert, auch Fernverkehr durch die Röhren zu schicken - Voraussetzung sei aber die Elektrifizierung der Sachsen-Franken-Magistrale über Reichenbach und Hof nach Nürnberg -, doch dürften die dann längeren Fahrzeiten sowie das umständliche Umsteigen zwischen den ICE innerhalb des Hauptbahnhofs laut Experten dagegen sprechen.

Mit "Erstaunen" hat Wolfgang Leuze, Sprecher des Fahrgastverbandes Pro Bahn Mitteldeutschland, die Nachricht von den Schnellzügen im City-Tunnel aufgenommen. "Perspektivisch hat es aber keinen großen Sinn, ICE dort durchfahren zu lassen - es sei denn, an der Sachsen-Franken-Magistrale passiert irgendwann mal was", so der Bahn-Experte. Grundsätzlich sei er davon überzeugt, dass der Tunnel für den Regionalverkehr seine Bedeutung haben sowie seinen Sinn und Nutzen nachweisen werde. Dass die Bahn den Tunnel nun für einen gewissen Zeitraum auch für den Fernverkehr nutze, halte er eher "für ein reines Prestigeobjekt".

@www.citytunnel-leipzig.de

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 28.10.2013

Martin Pelzl

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