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Lokales IHK Leipzig: Wer folgt Wolfgang Topf als Präsident?
Leipzig Lokales IHK Leipzig: Wer folgt Wolfgang Topf als Präsident?
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00:18 22.06.2016
Vize-Ministerpräsident Martin Dulig (SPD) mit dem scheidenden Leipziger IHK-Präsidenten Wolfgang Topf beim IHK-Sommerfest 2015. Quelle: Christian Modla
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Leipzig

Bei der Industrie- und Handelskammer zu Leipzig (IHK) endet eine Ära. Wolfgang Topf (67) steht nach 16 Jahren nicht für eine weitere Amtszeit zur Verfügung. Die IHK-Vollversammlung muss sich am Dienstag entscheiden, wer ihm folgen soll. Zwei Bewerber treten an – mindestens. Nancy Schneider (47) ist Geschäftsführerin des gleichnamigen Autohauses in Eutritzsch. Kristian Kirpal (43) führt die Geschäfte des Unternehmens Ket Energietechnik in Wermsdorf (Kreis Nordsachsen). Weitere Kandidaten können ihren Hut noch bis zur Sitzung in den Ring werfen. Die IHK Leipzig zählt 67000 Mitgliedsunternehmen.

Erst im Februar hatten die Unternehmer aus der Stadt sowie den Landkreisen Leipzig und Nordsachsen ihre 59 neuen Vertreter für die Vollversammlung gewählt. Die ist als „Unternehmerparlament“ das entscheidende Gremium der Kammer. Am Dienstag ist konstituierende Sitzung, gegen 20 Uhr wird in geheimer Abstimmung das Präsidium für die nächsten fünf Jahre gewählt. Es besteht aus dem Präsidenten und bis zu acht Vizepräsidenten.

Nancy Schneider leitet das 40 Jahre alte Autohaus Schneider mit 40 Mitarbeitern. „Ich möchte weiter daran arbeiten, den Nutzen und den Mehrwert der Mitgliedschaft erkennbar zu machen“, nennt Schneider eines ihrer Ziele. Sie nimmt damit die immer wieder geäußerte Kritik an der Zwangsmitgliedschaft auf. Wenn Mitglieder erst einmal eine der IHK-Dienstleistungen genutzt hätten, würden sie das oft anders sehen. Es werde zu wenig Gebrauch von Angeboten der Kammer gemacht. Dabei könne die IHK zum Beispiel helfen, Fördermittel zu beantragen. Schneider will vor allem den Fachkräftemangel bekämpfen, mit Stadt, Arbeitsagentur und Jobcenter versuchen, passende Bewerber für offene Lehrstellen zu finden. Der IHK-Bezirk brauche dringend mehr produzierendes Gewerbe. Um das anzulocken, will Schneider auch im Ausland für den Standort werben: auf Messen, bei Unternehmerreisen – und immer im Schulterschluss mit anderen Kammern und mit der Politik. Weitere Baustellen: die positive Beeinflussung des Leipziger Verkehrskonzeptes und die Digitalisierung kleiner und mittelständischer Unternehmen. Vor allem im ländlichen Bereich gebe es beim Ausbau der entsprechenden Infrastruktur Nachholbedarf. Bei der Unternehmensnachfolge könne die IHK beraten und unterstützen oder sogar einen Coach bereitstellen. Denn neben steuerlichen und rechtlichen Aspekten sei die Übergabe eines Betriebes immer auch ein sehr emotionales Thema. Schneider selbst hat das Autohaus von ihrem Vater übernommen und weiß, worauf es beim Übergang ankommt. Das Unternehmen hat 2007 im Bundeswettbewerb um die besten Ausbildungsbetriebe der Kfz-Branche Platz 2 in der Kategorie für Betriebe mit bis zu 60 Mitarbeitern belegt. Sie habe als Unternehmerin ein ureigenes Interesse daran, dass die ganze Region wirtschaftlich vorwärts kommt, begründet Schneider ihre Kandidatur. „Ich will nicht nur daneben stehen und kritisieren, sondern lieber etwas tun, Gutes fortsetzen und meine eigene Handschrift mit einbringen.“ Nancy Schneider wurde in Leipzig geboren und ist dort aufgewachsen. Sie hat Betriebswirtschaft in Leipzig studiert, ein Semester in London. Anschließend arbeitete Schneider ein halbes Jahr lang in den USA. Die Diplom-Kauffrau ist Gastdozentin an der Berufsakademie in Glauchau. Sie hat eine Tochter.

Kristian Kirpal will den industriellen Kern der Region stärken und die Exportquote ausbauen, die zurzeit vor allem auf der Automobilbranche basiere. Nur so könnten alle Branchen und am Ende die ganze Region voran kommen. Dazu gehöre, Betriebe attraktiv zu machen für Fach- und Führungskräfte, Innovationen und Startups zu fördern. „Da wollen wir die Unternehmen ein Stück weit an die Hand nehmen und motivieren“, sagt Kirpal. Denn: Dem Fachkräftemangel zum Beispiel müssten die Unternehmen selbst aktiver entgegen treten, indem sie die Berufsausbildung als starke Alternative zum Studium herausstellen. „Und indem sie Mitarbeiter qualifizieren, ihnen Verantwortung übertragen und sich selbst mehr auf Managementaufgaben konzentrieren.“ Kirpal selbst hat aus dem eigenen 50-köpfigen Team eine mittlere Führungsebene mit zwei Prokuristen aufgebaut. „So bekommen Sie verantwortungsbewusste Mitarbeiter, die das Unternehmen mitführen; wenn Sie das nicht tun, wird das Wachstum behindert“, sagt der Chef, der sich so Freiräume verschafft – zur Entwicklung neuer Geschäftsideen oder für das Amt des IHK-Präsidenten. Kirpal führte von 2007 an neben seinem Vater Kurt die Geschäfte der Ket Energietechnik, seit 2013 ist er alleiniger Geschäftsführer und Gesellschafter des Unternehmens. Für die erfolgreiche familieninterne Nachfolge erhielt die Ket 2014 den Wirtschaftspreis „Sächsischer Meilenstein“, 2015 war das Unternehmen Finalist beim Großen Preis des Mittelstandes in der Kategorie „Innovative Ideen“. Die Ket fertigt und vertreibt Industrieanlagen zur Versorgung mit Wasser, Kühlwasser und Gas und übernimmt in einem weiteren Geschäftsfeld auch den Aufbau und die Betreuung dieser Anlagen. Kristian Kirpal will seine Erfahrungen aus den Bereichen Unternehmenswachstum, Fachkräftegewinnung, Internationalisierung und Betriebsnachfolge ins Präsidentenamt einbringen. Er wurde in Leipzig geboren und ist dort aufgewachsen, er absolvierte eine Lehre als Mess-, Steuer- und Regelungstechniker mit Abitur, studierte Energie- und Versorgungstechnik, stieg 1993 ins Unternehmen des Vaters ein. Kirpal ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Von Björn Meine

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