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"Ich bin die Frau mit der Kittelschürze" - Freude am Mini-Blumenbeet

"Ich bin die Frau mit der Kittelschürze" - Freude am Mini-Blumenbeet

Im "Hallo Leipzig" erzählt die Redaktion nette Episoden aus dem Alltag dieser Stadt. Es passiert nicht alle Tage, dass ein "Hallo" ein Gesicht bekommt. Seit drei Jahren erfreut sich Sieglinde Janke an ihrem Mini-Blumenbeet in der Kolonnadenstraße.

Als sie im "Hallo Leipzig" vom "Lebenselixier aus dem Schöpftopf" las, da habe sie sofort gewusst: Diese selbstlose Blumenfreundin aus der Kolonnadenstraße, "das kann nur Mutti sein!", sprudelte es aus Gabriele Kretzschmar heraus, als sie in der Lokalredaktion anrief. Der schwerkranken Frau würde das Minibeet vorm Hause sehr am Herzen liegen und viel Kraft spenden, war die Tochter über die unerwartete Aufmerksamkeit und Anerkennung gerührt. Jedes Blümchen, und sei es noch so unscheinbar, könne eine Geschichte erzählen, meinte sie noch, ehe sie die Mutter informieren wollte.

Die war am frühen Morgen bereits vom Sohn angerufen worden. "Hast du schon die LVZ aus dem Briefkasten geholt?", habe er gefragt und die Mama auf einen Artikel auf Seite 13, links oben, aufmerksam gemacht. Dann rief Sieglinde Janke selbst in der Redaktion an und sagte: "Ich bin die Frau aus dem 'Hallo Leipzig', die mit der Kittelschürze!"

Im "Hallo Leipzig" erzählt die Redaktion nette Episoden aus dem Alltag dieser Stadt. Es passiert nicht alle Tage, dass ein "Hallo" ein Gesicht bekommt. Seit drei Jahren erfreut sich Sieglinde Janke an ihrem Mini-Blumenbeet in der Kolonnadenstraße.

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Seit drei Jahren erfreue sie sich schon an den bunten Blüten vor ihrer Haustür. Viel Aufhebens mache sie aber nicht um ihre Schützlinge, schaut allerdings bei sommerlichen Temperaturen zweimal täglich nach, dass die Erde nicht zu trocken wird. "Vor Jahren hat hier mal ein Baum gestanden. Weil der aber krank war, kam er weg", erzählt die 83-Jährige. Ein lieber Nachbar habe auf dem Dreckhaufen, der übrig blieb, zunächst Osterglocken gepflanzt. "Da kam mir die Idee, auch ein paar Blumen in die Erde zu bringen." Momentan zeigen sich blaue Ballonblumen, orangefarbene Ringelblumen, hochstämmiges Eisenkraut, verschiedene Petunien, Hornveilchen, Wechselröslein, die Blüten in vier Farben an einem Stock hervorbringen, sowie eine weiße Rose von ihrer besten Seite. "Diese Blumen sind wirklich mein Lebenselixier. Woher haben Sie das nur gewusst?", wundert sich die gelernte Schneiderin, die einst im VEB Leipziger Bekleidungswerke Vestis als Meisterin tätig war, noch immer. "Viele Passanten glauben, ich gieße hier nur." Dabei sei alles selbst gepflanzt. "Ich sage Verwandten und Besuchern immer: ,Bringt mir keine Schnittblumen, sondern lieber eine Pflanze.' Die sind günstiger und halten länger." Da sie im April Geburtstag hat, passt das prima. Dass sich auch andere an ihrem kleinen Refugium erfreuen, sei ebenfalls schön, ist Sieglinde Janke froh. "Viele sprechen mich an. Einmal hielt sogar ein Autofahrer und lobte, er freue sich immer, wenn er an dem kleinen Farbtupfer vorbeikomme." Dreimal hätten aber auch schon Kraftfahrer ihr Beet übersehen, beklagt sie.

Eine Aufgabe zu haben, sei das Wichtigste, besonders im Alter, betont sie. "Solange man neugierig bleibt, wird man nicht alt", ist sie überzeugt. Als sie zu arbeiten aufhörte, hatte sie viele Pläne: Volkshochschule, Sprachen lernen, malen, reisen. "Ich habe ganz Europa gesehen, vom Nordkap bis in den warmen Süden. Von den Steinen in Stonehenge in Großbritannien bin ich total begeistert", schwärmt die gebürtige Erzgebirgerin. Und gerade weil ihr ihre schwere Krankheit mittlerweile vieles versage, seien diese Erinnerungen wichtig, denn: "Die kann mir keiner nehmen!", ist sie immer voller Optimismus und Tatendrang. "Im Frühjahr hatte ich schon meiner Ärztin gesagt, dass ich keine Zeit zum Sterben habe. Es mussten doch noch 100 Krokusse und 30 Tulpen gesteckt werden", erzählt sie, lacht und leert noch den Eimer überm Blumenbeet.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 30.07.2014

Cornelia Lachmann

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