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Lokales Linde Rotta über Erich Loest: „Ich bin noch jeden Tag mit ihm in Verbindung“
Leipzig Lokales Linde Rotta über Erich Loest: „Ich bin noch jeden Tag mit ihm in Verbindung“
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00:23 12.09.2018
Linde Rotta in ihrer Wohnung vor Porträts ihres Mannes Erich Loest (1926-2013). Die Fotoserie stammt von Stephan Seeger, Geschäftsführer der Medienstiftung. Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig

Woher die Idee kam? Im Gesicht von Linde Rotta (81) zeigt sich ein feines Lächeln. Die Witwe von Schriftsteller Erich Loest („Es geht seinen Gang“, „Nikolaikirche“) sitzt in ihrer Gohliser Wohnung und muss nicht lange überlegen, „Im Winter wurde mir klar, dass ich etwas tun muss“, sagt sie. Sie habe sich den „runden“ Jahrestag vor Augen geführt – denn am Mittwoch (12. September) jährt sich zum fünften Mal jener Tag, an dem der Leipziger Ehrenbürger im Alter von 87 Jahren aus dem Leben schied. Und dann habe sie für sich festgelegt, dass sie im Namen ihres Mannes noch einen Auftrag ausführen müsse.

Es gebe zwar seit 2016 eine Erich-Loest-Bibliothek (Gohlis), aber eine Gedenktafel, die an den großen Autoren in Leipzig erinnert, fehle noch. Was lag da näher, als sie dort anbringen zu lassen, wo das Schriftsteller-Ehepaar Loest & Rotta 15 Jahre lang gelebt hat – in der Kasseler Straße 23. „Mir wurde im Winter klar, dass dies das einzige Projekt ist, das ich zum Gedenken an meinen Mann selbst anschieben konnte“, sagt sie. Die Idee von der Gedenktafel wird geboren.

Um sich nicht auf langwierige öffentliche Verfahrens- und Genehmigungswege einzulassen, nimmt sie alles privat in die Hand. „Mit der Abstimmung im Stadtrat hätte es viel zu lange gedauert“, sagt Linde Rotta. Auch die Finanzierung kommt von ihr persönlich, die konkrete Summe will sie als private Angelegenheit nicht öffentlich machen.

OBM bietet als Erster Unterstützung an

Was sie besonders freut: Freunde und Weggefährten ihres Mannes sagen ihr sofort Hilfe zu. Allen voran Oberbürgermeister Burkhard Jung (60), der als Erster Unterstützung für die Gedenktafel anbietet. Und als künstlerischer Berater ist es vor allem der Maler und Grafiker Reinhard Minkewitz (60), der Linde Rotta zur Seite steht. Mit ihm hatte Loest über viele Jahre an seinem Bild-Vermächtnis „Aufrecht stehen“ gefeilt, das seit 2015 in der Universität hängt und neben Werner Tübkes „Arbeiterklasse und Intelligenz“ zu den künstlerischen Zugpferden der Alma mater zählt.

Mit Minkewitz wird dann auch die Frage erörtert, aus welchem Material die Gedenktafel sein soll. Messing? Oder Bronze? Wirkt beides edel, aber beides unsicher. „Mir war klar, dass sowas schnell gestohlen werden könnte“, sagt Linde Rotta. Also fällt die Wahl auf Edelstahl für die rund 60 mal 50 Zentimeter große Platte. „Das passt auch gut zum Haustyp.“ Schließlich werden noch die Mitbewohner und Wohnungseigentümer in der Kasseler Straße 23 in das Projekt eingeweiht und geben ihre Zustimmung. „Sie sind erfreut, weil es das Haus aufwertet“, sagt Linde Rotta.

Auch um die genaue Platzierung habe es keine großen Diskussionen gegeben. Die Idee, die Tafel am Eingang an der Straße anzubringen, wurde schnell verworfen. Jetzt soll sie ihren Platz direkt an der linken Hausecke finden. „Aufrecht stehen“ wird dann als Loest’scher Lebensspruch zu lesen sein, graviert mit den Lebensdaten und dem Hinweis, dass der Schriftsteller von 1998 bis 2013 in diesem Haus wohnte.

Die Titel-Idee wurde übrigens von Künstler und Loest-Freund Minkewitz übernommen, der schon sein Bild über den studentischen Widerstand in den 1950ern an der Leipziger Uni so benannt hatte. „Als Motto passt das sehr gut zum Leben meines Mannes“, sagt Linde Rotta und wirkt dabei glücklich. Minkewitz war es auch, der den Kontakt zu Thomas Glöß anbahnte. Der in Lindenthal arbeitende Grafikdesigner nimmt den Auftrag, die Gedenktafel herzustellen, mit großer Dankbarkeit an. „Ich habe mich sehr gefreut, dass mich Frau Rotta gebeten hat, die Tafel zu gestalten“, sagt er. „Ich war und bin ein Fan der Literatur von Erich Loest, es ist mir deshalb eine Ehre.“

Das Ergebnis kann dann ab Mittwoch 11 Uhr in der Kasseler Straße 23 öffentlich betrachtet werden. Mit einem Festakt wird die Gedenktafel feierlich enthüllt. Viele Freunde und Weggefährten haben sich schon angemeldet, wollen am fünften Todestag noch einmal dem Leipziger Ehrenbürger ihre Referenz erweisen.

Berühmter Kinderchirurg hält Rede

Linde Rotta freut sich vor allem, dass sie als Redner einen ganz engen Freund der Familie gewinnen konnte. Der Mediziner Professor Volker Hofmann (79), der als hallescher Kinderchirurg einen legendären Ruf weit über die DDR hinaus hatte, wird an seinen Freund Erich erinnern. Die beiden hatten sich in der 1960ern in der Leipziger Oststraße kennengelernt, als Hofmann – damals noch junger Arzt in der Uni-Kinderklinik – spontan vorbeischaute, um den Autoren seiner Lieblingsbücher zu treffen. Aus dieser Begegnung erwuchs eine lebenslange Freundschaft. Ihr Mann, so Linde Rotta, würde das begeistert zur Kenntnis nehmen. Da sei sie sich sicher. Denn auch fünf Jahre nach seinem Tod sei er emotional noch ganz nah bei ihr. „Ich bin noch jeden Tag mit ihm in Verbindung“, sagt Linde Rotta.

Von André Böhmer

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