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„Ich habe das fotografiert, was ich wirklich gesehen habe“

Neue Ausstellung im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig „Ich habe das fotografiert, was ich wirklich gesehen habe“

Sie hat in Leipzig an der Hochschule für Grafik und Buchkunst studiert. Sie stellte im MOMA in New York und in San Francisco aus. Schon zu DDR-Zeiten war der Westen von ihren Bildern begeistert. Jetzt zeigt die Fotografin Gundula Schulze Eldowy einen Ausschnitt ihres Schaffens im Zeitgeschichtlichen Forum in Leipzig.

Gundula Schulze Eldowy stellt Fotografien im Zeitgeschichtlichen Forum aus

Quelle: Kempner

Leipzig. Es sind Bilder, die einen festhalten, fast scheint es, als wäre man mit im Raum gewesen, als Gundula Schulze Eldowy auf den Auslöser drückte. Die Ausstellung „Zuhause ist ein fernes Land“, die jetzt im Zeitgeschichtlichen Forum gezeigt wird, umfasst Fotos und Kurzfilme der Künstlerin aus den Jahren 1977 bis 1989. Unter anderem sind Werke aus den Serien „Berlin in einer Hundenacht“, „Der große und der kleine Schritt“ und „Arbeit“ zu sehen.

Bewusst sucht sich Gundula Schulze Eldowy Menschen aus ihrer Nachbarschaft, zu der Zeit Ost-Berlin, und zeigt sie an privaten Rückzugsorten abseits staatlicher Zwänge. Auch sollen ihre Bilder keine perfekte Propaganda sein, sondern das wirkliche Leben abbilden.

„Für mich sind das keine Fotos, sondern Gemälde“, schwärmt Jürgen Reiche, Direktor des Zeitgeschichtlichen Forums. „Die Bilder kratzen nicht nur an der Oberfläche, sondern gehen weit darüber hinaus. Es sind aufgeladene Bilder voller Metaphern und Symbolen. Die Fotos nehmen einen gefangen.“ Auch wenn die Bilder in der DDR entstanden sind, betont die Künstlerin, sei es ihr nicht darum gegangen, die DDR abzubilden. „Die Kommunisten haben Bilder davon gemacht, wie die Welt sein könnte. Ich habe das fotografiert, was ich wirklich gesehen habe“, sagt Gundula Schulze Eldowy, die seit 15 Jahren in Peru lebt. „Jeder sieht in meinen Bildern etwas anderes, denn in ihnen steckt so viel Unausgesprochenes, was man bis heute fühlen kann.“ Die Menschen, welche auf den Aufnahmen zu sehen sind, werden in sehr intimen und privaten Momenten gezeigt, wirken aber dabei niemals bloßgestellt oder lächerlich. Zeigen die meisten Aufnahmen Porträts oder Menschen bei der Arbeit, gibt es auch einige von baufälligen Häusern, so auch eines der Straßenzüge in der Connewitzer Straße im Jahr 1989.

Gundula Schulze Eldowy feiert weltweit Erfolge, hat bereits im MOMA in New York und San Francisco ausgestellt. Schon zu DDR-Zeiten war der Westen von ihren Bildern begeistert. Schnell geriet sie in den Verdacht, eine Spionin zu sein. „Für die SED-Diktatur waren Fotos ein nachrichtliches Instrument“, erklärt sie. „Was ich abgebildet habe, hat denen natürlich nicht gefallen.“ Im September 1989 stand sie etwa kurz vor der Verhaftung, konnte dieser aber durch die Wende knapp entkommen. Obwohl sie in Leipzig an der Hochschule für Grafik und Buchkunst studiert hat, ist die Ausstellung im Zeitgeschichtlichen Forum die erste in der Stadt. „Wir freuen uns außerordentlich, dass wir die Bilder bei uns zeigen dürfen“, meint Direktor Reiche.

Zur Fotografie, im Besonderen zur Sozialfotografie, kam Gundula Schulze Eldowy durch Zufall. „1976 besuchte ich eine Retrospektive von Paul Strand in Ost-Berlin. Er war der erste Fotograf, der soziale Milieus abgebildet hatte“, erinnert sich die Fotografin. „Als ich die Ausstellung verließ, war völlig klar: Ich werde Fotografin.“

Ob die Ausstellung in Leipzig auf die Besucher auch einen derartigen Aha-Effekt haben wird, bleibt abzuwarten. Potenzial dazu hat die Arbeit der Künstlerin auf alle Fälle.

Von Tatjana Kulpa

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