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Lokales „Ich habe jetzt dieselbe Blutgruppe wie du“
Leipzig Lokales „Ich habe jetzt dieselbe Blutgruppe wie du“
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00:23 02.12.2015
Berührende Begegnung: Beim Stammzellspendertreffen in Leipzig lernten sich Ronny Flämig (rechts) und der achtjährige Caspar Krieg kennen, dem die Spende von Flämig das Leben rettete. Ein bewegender Augenblick auch für Caspars Eltern Christiane Krieg und Thomas Schlathölter.   Quelle: Wolfgang Zeyen
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Leipzig

Berührende Momente, zu Herzen gehende Geschichten und ein emotionaler Höhepunkt, der allen Beteiligten unvergessen bleiben wird. Am Samstagabend war die Konferenzetage im Hotel de Pologne in Leipzig für einen Empfang des Vereins für Knochenmark- und Stammzellspenden (VKS) reserviert. Unter dem Motto „Den Blutkrebs gemeinsam besiegen“ wurde all jenen Dank gesagt und Anerkennung gezollt, die sich diesem zutiefst mitmenschlichen Anliegen verschrieben haben und sich ehrenamtlich in die Vereinsarbeit einbringen. Sachsens Gesundheitsministerin Barbara Klepsch sprach von einem „selbstlosen und aufopferungsvollen Einsatz, durch den betroffenen Patienten, sehr oft Kindern, Hoffnung auf Heilung gegeben wird“.

Die CDU-Politikerin stammt aus Annaberg-Buchholz. Und nur wenige Kilometer entfernt von der Stadt im Erzgebirge wohnt in Sehmatal Ronny Flämig, der mit Frau Martina aus einem ganz besonderen Grund zu der Veranstaltung kam, bei der MDR-Moderator Axel Bulthaupt einfühlsam durchs Programm führte. Flämig ist einer von rund 61 000 Männern und Frauen, die mittlerweile in der VKS-Typisierungskartei verzeichnet sind. 2013 bekam der Polizeibeamte und Vater von drei Söhnen die Mitteilung, dass seine Blutstammzellen dringend benötigt werden, um ein Menschenleben zu retten: „Ich habe keinen Moment gezögert. Das war für mich selbstverständlich.“ Aufgrund einer Zweijahresfrist, in der Spender nicht wissen dürfen, wem genau die Zellen transplantiert werden, erfuhr er erst 2015, dass sie dem heute achtjährigen Caspar Krieg aus Ibbenbüren im Münsterland an der Medizinischen Hochschule in Hannover eingepflanzt worden waren.

 Der kleine Caspar war an einer schweren Leukämie erkrankt, Chemo- und Strahlentherapie schlugen nicht an, letztlich führte die Behandlung mit den Stammzellen von Flämig zum Erfolg und zu jenem Treffen am Sonnabend, das alle aufwühlte. Erstmals begegneten Caspar und seine Eltern Christiane Krieg und Thomas Schlathölter dem Lebensretter aus Sachsen. Bei Mutter Christiane flossen Glückstränen. „Ich bin so ergriffen, kann meine Dankbarkeit gar nicht in Worte fassen.“ Caspar war putzmunter, hatte seine Lieblingsstofftiere dabei, die ihm über all die schwere Zeit beigestanden hatten, und drückte Flämig. „Ich habe jetzt dieselbe Blutgruppe wie du.“ Geschenke wurden getauscht, Martina und Ronny Flämig hatten eigens ein kleines Familienalbum gestaltet.

„Cooles Buch“, fand Caspar, und wollte wissen, wie die Katze der Flämigs heißt. „Sternchen“, erzählte Ronny Flämig, „vielleicht sollten wir sie Glückssternchen nennen, weil sich alles zum Guten gewendet hat.“ Caspar sei ein Kämpfertyp, meinte Vater Schlathölter. „Es gab zunächst viele Nebenwirkungen, Caspar konnte nicht mehr gehen, kaum mehr hören und sehen.“ Der Physiker umarmte Ronny Flämig: „Sie haben unserem Kind und uns das Lachen wiedergegeben.“ VKS-Vorstandsvorsitzender Professor Dietger Niederwieser, der am Leipziger Uni-Klinikum die Abteilung für Hämatologie und internistische Onkologie leitet, verwies auf das internationale Netzwerk, in das der Verein eingebunden ist. Gleichwohl gebe es für rund 20 Prozent der betreffenden Patienten in Deutschland noch keinen geeigneten Knochenmark-Spender. Deshalb werde alles daran gesetzt, mehr Menschen für eine Typisierung zu gewinnen.

Erinnert wurde an den dreijährigen Lukas in Chemnitz, für den dringlich passende Stammzellen gesucht werden. Seine Eltern sind gehörlos, verständigen sich am Krankenbett mit ihm in Gebärdensprache und hoffen auf einen Lebensretter – wie Ronny Flämig für Caspar einer war.

Von Mario Beck

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