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Lokales Im Cockpit durch die Nasennebenhöhle: Einblicke in die OP-Technik des Leipziger IRDC
Leipzig Lokales Im Cockpit durch die Nasennebenhöhle: Einblicke in die OP-Technik des Leipziger IRDC
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15:23 08.03.2012
HNO-Ärztin Susanne Schaller (links) nutzt die moderne Technik des IRDC. Quelle: Dirk Knofe
Leipzig

Die darin verbaute Medizintechnik, entwickelt unter anderem mit Hilfe der Universität und der HTWK Leipzig, weiß die Gemeinsamkeiten im menschlichen Organismus effizient zu nutzen, geleitet den operierenden Arzt auf standardisierten Routen durch den Körper des Patienten.

Am Donnerstag ließ sich Oberbürgermeister Burkhard Jung die Technik persönlich erklären und musste feststellen: Das chirurgische Navigationsgerät ist keineswegs so handlich, wie das in einem Auto. Der IRDC-Routenassistent ist eher mit der massiven Technik in einem Flugzeug vergleichbar. Die beiden zur privaten Acqua Klinik an der Käthe-Kollwitz-Straße gehörenden Operationssäle stehen einem Airbus-Cockpit in Sachen Fulminanz in kaum etwas nach: Diverse Apparaturen sind um den Operationstisch angeordnet, zahlreiche Bildschirme flackern an einer Monitorwand. Auf einem der Schirme ist ein dreidimensionaler Kopf zu erkennen, andere zeigen Amplituden, Frequenzen und andere Graphen. Auf wieder anderen leuchtet eine stilisierte Karte auf, die dem Arzt punktgenau anzeigt, in welche Regionen des menschlichen Körpers sein Arbeitsgerät gerade eingedrungen ist. 

Leipzig. „Der Mensch ist gar nicht so individuell, wie wir glauben“, sagt Gero Strauß. Er ist Direktor des Internationalen Referenz- und Entwicklungszentrums für Chirurgische Technologie (IRDC) und hat im Leipziger Westen zwei futuristische Operationssäle errichten lassen. Die darin verbaute Medizintechnik geleitet den operierenden Arzt auf standardisierten Routen durch den Körper des Patienten.

Den Vergleich mit der Luftfahrtechnik mag IRDC-Chef Gero Strauß besonders gern: „Ob man in ein Flugzeug steigt oder sich operieren lässt – man begibt sein Leben in die Hände Anderer“. Deshalb sei hier wie dort auch weitgehende Standardisierung wichtig. „Früher wurde händisch geschickt operiert, heute agieren die Operateure in einer hochgerüsteten Umgebung – das ist so wie, wenn man von einem Kleinflugzeug auf einen Airbus umsteigt.“

Gut fünf Millionen Euro hat der Bau der beiden Operationssäle vor mehr als zwei Jahren gekosten – weitgehend finanziert durch den Endoskop-Hersteller Karl Storz aus dem baden-württembergischen Tuttlingen. Dessen Frau sei einst in Leipzig geboren, erklärt Gero Strauß, und das hätte das Engagement der Medizintechnik-Giganten in der Messstadt unterstützt.

Jährlich kommt die modernde Operationstechnik der Acqua Klinik etwa 2500 Patienten zugute, jeden Tag werden in den beiden Sälen sechs bis acht Operationen durchgeführt – zumeist von Belegärzten der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, der plastisch-ästhetischen Medizin sowie der Orthopädie und Sportmedizin. „Die meisten kommen aus Leipzig und der Region, sind einfache Kassenpatienten“; erklärt Strauß. Der Jahresumsatz in den Operationssälen belaufe sich auf etwa 1,5 Millionen Euro.

Die selbe Summe erwirtschaftet nach den Angaben des IRDC-Chefs zudem die Ausbildungssparte des Unternehmens. Hunderte Mediziner reisen seit der Eröffnung eines Trainingszentrums im Sommer 2009 jedes Jahr aus der halben Welt nach Leipzig, um sich die Technik der OP-Säle anzuschauen und den Umgang damit zu erlernen. „Die Ärzte kommen vor allem aus dem Mittleren Osten, aus Südamerika und Osteuropa“, sagt Strauß. Und das kommt nicht von ungefähr: Insgesamt acht Mal wurde der Leipziger Prototyp des Cockpit-Operationssaals schon ins Ausland exportiert – unter anderem nach Jordanien, Ägypten, Russland und Brasilien. Bevor dort nun durch Nasennebenhöhlen navigiert werden kann, bedarf es ausgiebiger Schulung in der Messestadt.

Matthias Puppe

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