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Im Herbst 1989 in Leipzig: "Die Mauer bleibt da, die bauen wir ums ZK!"

Im Herbst 1989 in Leipzig: "Die Mauer bleibt da, die bauen wir ums ZK!"

Die Protestwelle erreichte Anfang November ihren Höhepunkt. So demonstrierten am 4. November in Berlin eine halbe Million Menschen. Auch der Schriftsteller Christoph Hein sprach auf dem Alexanderplatz.

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Am nicht funktionierenden Mikrofon vor der Oper: Bernd-Lutz Lange (2. von links) und Roland Wötzel (2. von rechts).

Quelle: Armin Kühne

Legendär dabei sein Vorschlag, Leipzig den Titel "Heldenstadt der DDR" zu verleihen.

Hein damals: "Der Erfolg hat bekanntlich viele Väter. Offenbar glauben viele, die Veränderungen in der DDR sind schon erfolgreich, denn es melden sich jetzt viele Väter dieses Erfolgs, merkwürdige Väter. Bis hoch in die Spitzen des Staates. Aber ich denke, unser Gedächtnis ist nicht so schlecht, dass wir nicht wissen, wer damit begann - Und da ist an erster Stelle Leipzig zu nennen."

 Heins Worte wurden natürlich in Leipzig gehört. Was die Berliner können, das schaffen wir allemal, sagte sich das gar nicht demonstrationsmüde Volk. Bei Dauerregen nahmen am 6. November an der Demo 500 000 Menschen teil. Immer deutlicher wurde mit Sprechchören und auf Transparenten die Aufgabe des Machtanspruchs der SED gefordert. Auf einem Schild stand geschrieben: "Die Mauer bleibt da, die bauen wir ums ZK!"

Die lokalen Größen der Einheitspartei hatten vor, sich auf dem Karl-Marx-Platz an die Spitze der Reformbewegung zu stellen. Das misslang gründlich, so wurde der neue Chef der SED-Bezirksleitung, Roland Wötzel, bei seinem Versuch, sich an die Leipziger und an die zu Tausenden zugereisten Demonstranten zu wenden, massiv ausgepfiffen. Aber auch sonst waren die Genossen nicht zu verstehen, denn die Beschallungstechnik funktionierte nicht.

 Die Massen zogen über den Ring und wieder vorbei an der noch nicht gestürmten Stasi-Zentrale, wo man noch immer meinte, die Konterrevolution bekämpfen zu müssen. Das Volk vor der Runden Ecke im Demo-Chor: "Faules Pack! Wir kommen wieder". Stasi-Bezirkschef Hummitzsch hatte für den 6. November angeordnet: "Die operativen Diensteinheiten haben weiterhin die zügige Übergabe von Informationen zu gewährleisten." Das Friedensgebet in St. Nikolai wurde erneut überwacht und umgehend Meldung in der "Runden Ecke" erstattet.

 Es waren freilich, wie man bald wusste, die letzten hilflosen Aktionen, um zu retten, was nicht mehr zu retten war. Das Volk verlor seine Angst. So war auf dem Karl-Marx-Platz eine Litfaßsäule aufgestellt worden, an der sich jedermann mit seiner Meinung verewigen konnte. Speakers Corner in Leipzig. Vor wenigen Wochen war auch daran nicht zu denken gewesen. Wie an den schnell folgenden 9. November. Die Mauer fiel.

 Der Autor dieser Zeilen verbrachte den welthistorischen Abend beim wöchentlich und immer am Donnerstag stattfindenden Skatabend in der Rennbahnklause in der Arndtstraße. Als die Ehefrauen wie üblich 22 Uhr zum Abholen erschienen und dabei sagten, "die Mauer ist offen", wurde das als Spaß aufgefasst: "Veralbern können wir uns alleene -"

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 06.11.2014

Thomas Mayer

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