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Lokales Im Hôtel de Pologne kehrt alte Pracht zurück
Leipzig Lokales Im Hôtel de Pologne kehrt alte Pracht zurück
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11:05 08.09.2010
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250 Quadratmeter misst der Ballsaal und dennoch war dort in den vergangenen Monaten nur wenig Platz. Zehn Fachfirmen werkelten - auf riesigen Gerüsten und oftmals gleichzeitig - an der Wiederherstellung des traditionsreichen Vergnügungsortes. Alte Wasserschäden wurden beseitigt, die historischen Fenster und Türen aufgearbeitet.

"Nun ist das stationäre Gerüst im Saal weg. Erstmals können Besucher wieder einen authentischen Eindruck gewinnen, wie der Raum nach seiner Erschaffung um 1893 wirkte", freut sich Hannes Koefer, Technischer Vorstand der Leipziger Stadtbau AG. Da dieses Unternehmen alle drei Säle im Hôtel de Pologne schrittweise einer öffentlichen Nutzung zuführen will, lädt es die Leipziger am Sonntag ab 9.45 Uhr zum Wiederkennenlernen am Tag des offenen Denkmals ein.

Das Hôtel de Pologne erhält vom Bund 200.000 Euro für die Sanierung seiner Bausubstanz. Das Geld fließt im Rahmen des Denkmalschutz-Sonderprogramms II in die Messestadt. Für 2011 stehen deutschlandweit 27 Millionen Euro bereit, von denen insgesamt 876.000 Euro dem Freistaat zugute kommen.

Von 11.30 bis 16 Uhr gibt es dann halbstündlich Führungen, bei denen über die Geschichte des Baus und die Arbeit der Restauratoren und Denkmalschützer informiert wird. Gussformen auf dem Saalboden illustrieren die Größe der neobarocken Puttenfiguren und Vouten, die im Deckenbereich schon wieder hergestellt wurden. Eine Ausstellung mit Fundstücken und alten Programmheften ergänzt die Tour. Auf einem Plakat von 1929 erfahren die Leipziger zum Beispiel, dass damals im Variete "Nachtfalter" die Tänzerin Ossie Rondje als "Priesterin der Erotik mit ihrem Gefolge, dem Eunuchen Ali und Windhunden" die Zuschauer bezirzte.

Denkmalschützer Alberto Schwarz fand heraus, dass die Festsäle im Hôtel de Pologne eigentlich als das am besten erhaltene Stück des Berliner Hotelbaus gelten müssten. Denn der Berliner Hotel-Architekt Ludwig Heim und höchst wahrscheinlich auch sein Dekorationsmaler Max Friedrich Koch (von ihm stammt in Leipzig der prunkvolle Festsaal des Reichsgerichts) gestalteten die Vergnügungsstätte an der Hainstraße ähnlich wie die bekanntesten Berliner Hotels, die alle im II. Weltkrieg zerstört wurden.

Restaurator Oswald Pfister hofft, beim weiteren Entfernen des braunen Anstrichs, der während der Nutzung als Leipziger Messeamt (1953 bis 1993) entstand, noch die Initialen von Koch zu finden. Diese Arbeiten geschehen mit Leitern und mobilen Gerüsten. Bis Mitte 2012, wenn nebenan ein Hotel im Vier-Sterne-Bereich öffnet, sollen alle drei Säle in alter Pracht erstrahlen, so Koefer. Für Feste und Veranstaltungen vermietet wird der Ballsaal schon jetzt. Jens Rometsch

Jens Rometsch

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