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Im "Kollektiv" lässt sich der Osten verkosten - Sammelsurium der DDR-Alltagskultur

Im "Kollektiv" lässt sich der Osten verkosten - Sammelsurium der DDR-Alltagskultur

Warten muss man nicht bei Chris Bärschneider. Zwar hat der 28-jährige Wirt auch "Reserviert"-Schilder in seinem DDR-Lokal an der Karl-Liebknecht-Straße. Doch die nutzt er nur bei Anmeldungen von Gruppen, versichert der Thüringer.

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Kollektiv-Wirt Chris Bärschneider

Quelle: Wolfgang Zeyen

"Die Gäste sollen bei uns ja nicht leiden, sondern sich wohlfühlen. Und was lernen", sagt er.

Von der Dederon-Schürze übers Mifa-Klapprad bis zur Plaste-Personenwaage vom Dessauer VEB Junkalor - das Restaurant "Kollektiv" gleich neben dem weitaus bekannteren "Café Puschkin" bietet ein Sammelsurium der DDR-Alltagskultur. Das Essen wird nach zehn Minuten dampfend serviert. Wer vielleicht mit wenig Begeisterung an Grilletta (ein Bratklops mit Letscho), Jägerschnitzel (panierte Jagdwurstscheiben mit Spirelli und Tomatensoße) oder Kochfisch (Rotbarschfilet in Senfsoße, dazu Dill-Gurkensalat) zurückdenkt, rümpft spätestens dann nicht mehr die Nase, wenn der Original-Mitropa-Teller vor ihm steht. Bärschneider ist Koch aus Leidenschaft. "Ob Klöße oder Rotkraut. Bei uns gibt es keine vorgefertigten Produkte. Hier wird alles selbst gemacht."

Die Rezepte für Armer Ritter (Weißbrot in süßer Eihülle gebacken) oder Kalter Hund (Kekskuchen in Schoko-Kokos-Glasur) hat er von der Oma. Die Idee für ein DDR-Lokal von seinen Eltern, die früher am Rennsteig in der Gastronomie tätig waren. Bei der Lehre als Koch im Allgäu lernte Bärschneider eine Hotelfachfrau aus Leipzig kennen, mit der er heute verheiratet ist. Beide wollten zurück in den Osten - im vergangenen Jahr bekamen sie jenes Restaurant zur Pacht angeboten, das bis dahin als "U Fleku" tschechische Spezialitäten anbot.

Für die Stammkunden hat der Wirt einige böhmische Gerichte auf der Karte gelassen. Sie ist ein Augenschmaus für sich und aus Papier, weil viele Gäste sie als Souvenir mitnehmen wollen. Den Raucherkeller des "U Fleku" gibt es aber nicht mehr. Denn tagsüber und am Wochenende wollen sich zumeist Familien mit Kindern Königsberger Klopse, Goldbroiler oder Krautrouladen schmecken lassen. Und dem konsumerprobten Nachwuchs mal mit zeigen, wie die Eltern lebten, als sie noch Kinder waren.

Bei den Getränken geht das Angebot weit über DDR-Standard hinaus. Die rote Himbeerlimo heißt jedoch nun wieder ironisch Lenin-Schweiß. Die offizielle Propaganda der roten Führung - Orden, Urkunden oder dergleichen - hängt Bärschneider nicht in seine gute Stube. Er freut sich vielmehr, wenn er auf Flohmärkten oder bei E-Bay typische Alltagsgegenstände findet, die jeder gelernte Ostler kennt: Plaste-Trinkflaschen, gedrechselte Lampenständer, Lausitz-Radios, Sammeltassen, Rollfilm-Projektoren oder ein Puppenhaus voller Ari-Püppchen aus Thüringen. Selbst die mit Kunstleder bezogenen Stühle sind Originale, tragen Etiketten des "Staatlichen Apothekenwesens". Inzwischen bringen Gäste immer öfter ihre Überbleibsel mit. So bekam der Wirt gerade ein Buch mit Rezepten von Honeckers Staatsbanketten geschenkt, welche aber kaum auf seine Speisekarte finden dürften. "Viel zu protzig", findet er.

iDas DDR-Lokal "Kollektiv", Karl-Liebknecht-Straße 72, öffnet täglich von 11 Uhr bis open end. www.gaststaette-kollektiv.de

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 24.01.2014

Rometsch, Jens

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