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Lokales Im Sauseschritt zum Nordkap und zurück
Leipzig Lokales Im Sauseschritt zum Nordkap und zurück
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Am Nordkap: der Wiederitzscher Anton Stall. Quelle: Privat
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Der Wiederitzscher gehörte nämlich einem neunköpfigen Tross an, der von Heidelberg aus zum nördlichsten Punkt Europas startete. Nicht um die Beine hochzulegen, sondern um tatsächlich wissenschaftlich zu arbeiten. Und zwar nach dem Prinzip des Entdeckens.

 Das ist zugleich der Anspruch, dem die Stiftung "Institut für Jugendmanagement" (IJM) gerecht werden möchte. Die Stiftung macht sich für die außerschulische Bildung von Kindern und Jugendlichen stark, bietet spezielle Programme für Wissbegierige an. Wie etwa das Master-Mint-Programm, ein interdisziplinäres Bildungskonzept, in dem fächerübergreifend Themen angegangen und bearbeitet werden. Mint heißt es, weil sich der Name aus den Initialen von Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik zusammensetzt.

 Dass der Tutor der Expedition und Chef des IJM, Gero Schäfer, das Ganze auch so meint, wurde dem 16-jährigen Leipziger und seinen Kollegen schnell klar. Denn noch bevor der Forschungsbus in Heidelberg startete, wurde die Aufgabenstellung mitsamt Methoden festgezurrt. Die Gruppe legte Parameter fest, die in bestimmten Zeitabständen wiederholt werden mussten, um Vergleiche und Rückschlüsse ziehen zu können; etwa wie viele Pflanzen und Steine auf der Reise in den hohen Norden pro Stopp unter die Lupe genommen oder wie viele Menschen unterwegs interviewt werden sollten.

 Im Anschluss an die Zieldiskussion ging es los. Erster Stopp: Kopenhagen. In einer Mischung aus Sightseeing und Befragung schlossen die Jugendlichen Rückschlüsse auf Alltag und Kultur der Dänen. Es sollten Schweden, Finnen und Norweger folgen, denn die weiteren Stationen waren Malmö, Gränna, der Skuleskogen-Nationalpark, Rovaniemi und Honningsvag, bis endlich das Nordkap erreicht war.

 Wenn die Nachwuchs-Forscher nicht die Gegend erkundeten, werteten sie die Ergebnisse ihrer selbstgestellten Aufgaben aus. Bis tief in die Nacht hinein. Schließlich sollte bereits zum Ende der Expedition ein Vortrag fix und fertig sein, der daheim gehalten wird.

 "Forschen ist nicht immer einfach", bewertet Anton Stall die Expedition, "es tauchen plötzlich Probleme auf, an die zuvor gar nicht zu denken war." Mit Schlafdefizit, aber um jede Menge Eindrücke reicher, kehrte der Wiederitzscher vor wenigen Tagen nach Hause zurück. "Egal wie anstrengend es war: Die Reise hat etwas gebracht", findet er.

 Wohl war: Denn auch in Zeiten des digitalen Entdeckens prägen sich örtliche Zusammenhänge und Naturgesetze am besten ein, wenn diese aktiv erlebt werden. So wie es Forscher eben tun.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 03.07.2015
Alexander Bley

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