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Im Westbad kann wieder geschwommen werden

Im Westbad kann wieder geschwommen werden

Im Westbad gab es gestern einen historischen Augenblick zu erleben: Zum ersten Mal seit 20 Jahren stiegen wieder zwei Schwimmer in ein Becken, um ihre Runden zu drehen.

Leipzig. Das Schwimmen war seit 1990 in dem Baudenkmal unmöglich, weil die Anlagen des 1926 im Bauhausstil errichteten Hauses völlig verschlissen waren.

Die beiden Schwimmerinnen waren Christa Hühn und Franziska Schürmann - die eine Vorstand und die andere Therapeutin des Gesundheitssportvereins Leipzig. Sie drehten in dem 80 Quadratmeter großen Wasserbecken mehrere Runden, obwohl ringsum noch Handwerker mit Hochdruck die letzten Arbeiten verrichteten. Auch die Bauherren des Westbades erschienen zur Vorpremiere und brachten Stadtpolitiker mit, die sich seit Jahren um Lindenau verdient gemacht und Anteil daran haben, dass in dem riesigen Bauwerk wieder Leben eingezogen ist. Zwei von insgesamt drei Bauetappen sind mittlerweile geschafft - neben einer Apotheke und zahlreichen Arztpraxen ist jetzt das neue Reha-Bad so gut wie fertig und soll am Montag um 8 Uhr offiziell in Dienst gestellt werden. Schon am Sonntag findet in der Einrichtung von 10 bis 16 Uhr ein Tag der offenen Tür statt (die LVZ berichtete).

Über dem Reha-Bad, das im Bereich des ehemaligen Lehrschwimmbeckens völlig neu entstanden ist, soll in den nächsten Monaten in einem dritten Bauabschnitt noch eine Multifunktionshalle mit einer künstlerisch gestalteten Kletterlandschaft als Indoor-Kletteranlage entstehen. "An dem Projekt arbeitet der Leipziger Pop-Art-Künstler Michael Fischer-Art", betonte gestern Tankred Lenz vom Projektentwickler Ginkgo aus Dresden.

Dass Franziska Schürmann und Christa Hühn als Erste ins neue Becken steigen durften, war kein Zufall. Denn ihr Gesundheitssportverein wird künftig nicht nur mit Hilfe der Firma Gespro im Westbad Rehabilitationsschwimmen anbieten, sondern auch noch auf über 1000 Quadratmeter Breiten-, Rehabilitations- und Behindertensport offerieren. "Unsere Räume in der Lessingstraße 1 reichen nicht mehr aus", betonte Vorsitzender Mario Wagner.

Das neue Wasserbecken ist nicht nur deutlich kleiner als das alte, sondern es wird auch anders betrieben. "80 Prozent der Schwimmzeiten sind schon fest vergeben", berichtete Betreiber Jens Doberschütz von der Firma Gespro. Gebucht hätten sie unter anderen der Gesundheitssportverein, verschiedene Physiotherapien und die Volkshochschule. "Es wird eine Vielzahl von Kursen geben, für die sich Interessenten anmelden können", skizzierte Doberschütz sein Konzept. "Die Palette reicht vom Baby- bis zum Seniorenschwimmen, für Berufstätige wird es Angebote am Abend geben. Besonders großen Zulauf haben die Kinder-Schwimmlernkurse." Öffnungszeiten für freies Schwimmen seien nicht geplant.

Die Wiederbelebung des Westbades wird von mehreren Investoren vorangetrieben, die der Leipziger Architekt Jürgen Tittel zusammengebracht hat. Der 58-Jährige hatte schon im Jahr 2001 den Kauf des Baudenkmals für eine symbolische D-Mark initiiert, dann mit Partnern 2,5 Millionen Euro in den ersten Bauabschnitt investiert und schließlich vor einem Jahr dem steckengebliebenen Umbau mit einer überarbeiteten Konzeption neue Impulse gegeben. Federführend ist inzwischen die Dresdner Projektentwicklungsgesellschaft Ginkgo, der bis auf die Erdgeschosszone mit dem Wasserbecken das gesamte Westbad gehört. Das Sockelgeschoss besitzt der Privatinvestor Klaus Baumgart aus Baden-Württemberg, der gestern ebenfalls vor Ort war. Er hat in diesen Teilbereich 1,5 Millionen Euro investiert. "Vor allem aus Spaß an der Freude", so der Jurist.

Die eingeladenen Stadträte betonten, dass das Westbad für die Entwicklung Lindenaus unverzichtbar ist. "Der Anteil der älteren Bürger wächst immer mehr - für sie sind solche Angebote besonders interessant", sagte Stadtrat Christian Schulze (SPD). Stadträtin Margitta Hollick (Linkspartei) erklärte, das Bad mache den Leipziger Westen attraktiver. "Ich hoffe, dass möglichst viele die neuen Angebote nutzen", so die Vize-Chefin des Sportausschusses der Stadt.

Andreas Tappert

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