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Im toten Winkel von Laster überrollt - tragischer Unfall landet vor dem Leipziger Amtsgericht

Im toten Winkel von Laster überrollt - tragischer Unfall landet vor dem Leipziger Amtsgericht

(81) sterben, weil eine Laster-Fahrerin ihren Rückspiegel falsch eingestellt hatte? Der tragische Unfalltod der Leipziger Rentnerin am 2. April vorigen Jahres wurde gestern am Amtsgericht aufgerollt.

Das Leipziger Amtsgericht.

Quelle: Andreas Doering

Musste Inge E. Lkw-Fahrerin Andrea L. (50) musste sich wegen fahrlässiger Tötung verantworten.

Es war um 13.58 Uhr, als Inge E. auf dem Radweg an der Prager Straße von dem Lkw erfasst wurde. Die Rentnerin wollte mit ihrem Fahrrad die Kommandant-Prendel-Straße überqueren, wurde aber von der Laster-Fahrerin, die von der Prager Straße nach rechts abbog, übersehen. Laut Anklage war der rechte Weitwinkelspiegel des Lasters, durch den Radfahrer und Fußgänger besser zu sehen sind, vorschriftswidrig auf die Ladefläche gerichtet. Die Seniorin hatte keine Chance. Der Mercedes-Lkw überrollte die 1,61 Meter große Frau mit dem rechten Vorderrad. Sie erlitt zahlreiche Brüche und schwerste innere Verletzungen, starb noch an der Unfallstelle.

"Der Lkw wurde erst nach der Kollision gebremst", sagte Dekra-Gutachter Peter Schrader (57). "Die Radfahrerin befand sich im toten Winkel, der Weitwinkelspiegel war eingerostet und ließ sich nicht verstellen." Bei richtiger Ausrichtung des Spiegels, so der Sachverständige, "wäre der Unfall vermeidbar gewesen."

Staatsanwältin Yvonne Kobelt sah die Anklagevorwürfe als bestätigt an. "Es war kein Augenblicksversagen, denn der Spiegel war dauerhaft vorschriftswidrig eingestellt", sagte sie. Kobelt forderte 6300 Euro Geldstrafe. Verteidiger Daniel Luderer plädierte auf Freispruch. Es sei nicht zweifelsfrei erwiesen, dass die Radfahrerin bei korrekt eingestelltem Rückspiegel tatsächlich zu sehen gewesen wäre. "Wir können nicht ausschließen, dass die Radfahrerin außerhalb des Sichtfeldes war", so der Rechtsanwalt.

Für den Vorsitzenden Richter Stefan Blaschke bestanden allerdings "nicht die geringsten Zweifel. Durch grob fahrlässiges Verhalten der Angeklagten ist eine Frau zu Tode gekommen", erklärte er. "Der Spiegel war auch noch festgerostet, da fällt mir nichts mehr ein." Die Fahrerin hätte anhalten und aus ihrem Auto heraussehen müssen, so der Richter, um vor dem Rechtsabbiegen etwaige Radfahrer zu bemerken. Sein Urteil: Eine Geldstrafe in Höhe von 5940 Euro (180 Tagessätze à 33 Euro) wegen fahrlässiger Tötung. Außerdem kassierte Blaschke noch während der Verhandlung den Führerschein der Angeklagten ein, entzog die Fahrerlaubnis und verhängte eine Sperre von anderthalb Jahren. Erst nach Ablauf dieser Frist darf Andrea L. eine neue Fahrerlaubnis beantragen.

Die gelernte Wirtschaftskauffrau betreibt seit 1999 einen Containerdienst mit einem Angestellten und zwei Lkw, war bislang selbst als Fahrerin unterwegs.

"Es tut mir leid, dass ein Mensch zu Tode gekommen ist", sagte sie. "Jeden Tag muss ich daran denken." Ihr Verteidiger erwägt, gegen das Urteil Rechtsmittel einzulegen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 11.06.2013

Döring, Frank

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