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Imam Bozdas: "Seit Montag sind wir noch stolzer, in Leipzig zu leben"

Imam Bozdas: "Seit Montag sind wir noch stolzer, in Leipzig zu leben"

Unter den 35.000 Leipzigern, die am Montagabend friedlich gegen Legida demonstrierten, war auch Celal Bozdas (57). Er ist Imam der Takva-Moschee in der Rosa-Luxemburg-Straße.

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Imam Celal Bozdas von der Takva Moschee in Leipzig.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Wir sprachen mit ihm darüber, wie die geschätzt 5000 bis 8000 hier lebenden Muslime die jüngsten Ereignisse in der Stadt aufgenommen haben.

Wie haben Sie den Montag verbracht?

Ich war zunächst in Dresden, um gemeinsam mit Pfarrerin Britta Taddiken, Priester Andreas Knapp und Rabbiner Zsolt Balla eine Leipziger Petition gegen die Winterabschiebung von Flüchtlingen zu übergeben. Erst hatten wir überlegt, den schon lange anberaumten Termin bei Landtagspräsident Matthias Rößler zu verschieben. Dann überwog die Einsicht, dass das Schicksal der Flüchtlinge keinen Aufschub duldet. Wir haben die 11 200 Unterschriften also überreicht.

Ihre Gemeinde zählt nur 80 Mitglieder. Dennoch: Haben sich Leipzigs Muslime am Protest gegen Legida beteiligt?

Unsere Moschee besteht seit 20 Jahren und ist ein offenes Haus für jeden, der hier beten oder die Gemeinde kennenlernen möchte. Besonders an den Freitagen kommen sehr viele Menschen zu uns, nicht allein Kurden und Türken. Natürlich hatten wir schon lange diskutiert, was Pegida oder Legida bedeutet. Ich habe dazu ermutigt, den friedlichen Protest zu unterstützen, denn wir sehen uns hier nicht als Gäste, sondern als Teil dieser Stadt. Unsere Kinder sind Deutsche, hier geboren und groß geworden.

Waren die Muslime über die Masse der No-Legida-Demonstranten erleichtert?

Ich kann nur sagen, es war ein sehr erhebendes Gefühl, als wir schon auf dem Weg zum Waldplatz diese riesige Menschenmenge gesehen haben. 35 000 demonstrierten für ein gutes Miteinander, für Toleranz. Darunter waren geschätzt 1000 Muslime. Viele haben mir gesagt: Seit Montag sind wir noch stolzer, in Leipzig zu leben.

Laut den Polizeizahlen trafen sich vor dem Stadion zugleich 4800 Leute, um gegen eine angebliche Islamisierung des Abendlandes zu protestieren. Macht das Ihnen keine Angst?

Ich persönlich glaube fest, dass Legida nicht die Oberhand gewinnen wird. Leipzig wird eine weltoffene Stadt bleiben, wenn wir weiter mit offenem Herzen diskutieren, die Demokraten der verschiedenen Parteien und auch die verschiedenen Religionen zusammenstehen. Die Männer in unserer Gemeinde sind durch mögliche Anfeindungen weniger betroffen als die Frauen. Einfach, weil sie auf der Straße, auf der Arbeit oder beim Elternabend im Kindergarten nicht so leicht durch die Kleidung oder ein Kopftuch zu erkennen sind. Im Alltag stellt sich jeder mit dem Namen, nicht mit der Glaubenszugehörigkeit vor. Natürlich bereitet uns Legida Sorgen. Am meisten den Jugendlichen oder Kindern, die plötzlich im Internet etwas über den Islam lesen, das sie mit ihren eigenen Wünschen überhaupt nicht zusammenbringen können.

Was sagen Sie den Kindern dann?

Dass man Rassismus nicht mit Rassismus beantworten darf. Und dass der Prophet gesagt hat, man soll niemandem länger als drei Tage böse sein, sondern immer nach einer Lösung des Konflikts suchen.

Wollen Sie als Imam das Abendland islamisieren, wie Legida behauptet?

Dieser Vorwurf ist so weit weg von der Realität, dass man ihn eigentlich nicht kommentieren muss. Wir leben auch in Europa in einer globalisierten Welt, in der die Menschen mit ihrer jeweiligen Kultur und Glaubenszugehörigkeit friedlich miteinander auskommen müssen.

Können die Muslime in Leipzig noch mehr tun, um solche Vorurteile abzubauen?

Die Mitglieder der Takva-Moschee sind zur offenen Integration bereit. Unser Fußball-Verein pflegt eine Kooperation mit Fortuna in Paunsdorf, im Frühling laden wir die Leipziger wieder zum Kulturfest ein. Aber sicher, etwa unser Internet-Auftritt ließe sich durchaus noch verbessern.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 14.01.2015

Jens Rometsch

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