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„Immer bunter“: Zeitgeschichtliches Forum zeigt Schau über Einwanderung

Aktuelle Ausstellung „Immer bunter“: Zeitgeschichtliches Forum zeigt Schau über Einwanderung

Vom Gastarbeiter bis zum Asylbewerber: Mit der Sonderschau „Immer bunter. Einwanderungsland Deutschland“ lenkt das Zeitgeschichtliche Forum Leipzig den Blick auf Zuwanderung. Die bereits in Bonn gezeigte Ausstellung ist bis zum 17. April 2016 in Leipzig zu sehen.

Der Ausländer – eine Skulptur von Guido Messer empfängt Besucher im Zeitgeschichtlichen Forum. Dort ist eine Sonderschau über das Einwanderungsland Deutschland zu sehen.

Quelle: Foto: André Kempner

Leipzig. Ein Mann mit hochgeschlagenem Kragen, gesenktem Blick und nur einem Koffer steht für die erste Generation von „Gastarbeitern“, die Mitte der 1950er Jahre in die alte Bundesrepublik gerufen wird. Die Skulptur ist am Eingang zur Sonderschau „Immer bunter“ im Zeitgeschichtlichen Forum präsent, die Deutschland als Einwanderungsland beleuchtet. Dabei geht es zwar vorrangig um Arbeitsmigration, wobei auch das abgeschottete Dasein von vietnamesischen oder kubanischen Vertragsarbeitern in der DDR betrachtet wird. Ebenso wie die Solidarität, etwa im Vietnam-Krieg oder mit den politischen Immigranten aus Chile.

Durch die Flüchtlingskrise in Europa bekommt die Ausstellung, die am Mittwochabend eröffnet wird, nun eine ungeheuere Aktualität. „Es ist aber eine historische Ausstellung zu einem Thema, das seit Jahrzehnten Relevanz hat“, sagte Hans Walter Hütter, Präsident der Stiftung Haus der Geschichte. Mit 800 Schriftstücken, Fotos, Kunstwerken und Alltagsgegenständen zeigt das Forum die verschiedenen Phasen der Zuwanderung.

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Mit der Sonderschau „Immer bunter. Einwanderungsland Deutschland“ lenkt das Zeitgeschichtliche Forum Leipzig den Blick auf Zuwanderung.

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„Dass die Ausstellung so aktuell werden würde, hätten wir nicht geahnt“, ergänzt Museumsdirektor Jürgen Reiche. Fast jeder fünfte Deutsche habe heute einen Migrationshintergrund. „Dieser Zuzug hat die Gesellschaft reicher gemacht.“ Eben nicht nur um Döner, Pizza oder Spaghetti, die auf den Tellern ebenso zu Hause sind wie das Schnitzel. Mittlerweile sind Einwanderer der zweiten oder dritten Generation integriert, leben als Unternehmer, Wissenschaftler, Sportler in der sich verändernden Gesellschaft. Viele bleiben aber auch die „fremden Deutschen“.

Ausgestellt ist ebenfalls eine Skulptur aus gestrandeten Wrackteilen des Italieners Giacomo Sferlazzo. Sie stammen von gekenterten Flüchtlingsbooten aus dem Mittelmeer. „Immer bunter“ spart allerdings auch Konflikte, Spannungen und Gewalttaten nicht aus, spricht ausländische Jugendgangs ebenso an wie rechtsradikale Gewalt. So ist die Kofferbombe zu sehen, die auf dem Kölner Hauptbahnhof explodieren sollte.

Allein der Begriff „Gastarbeiter“, die die alte Bundesrepublik als Arbeitskräfte für den wirtschaftlichen Aufschwung anwarb, steht für Heimkehr. Und die zwei kleinen Italiener, die Cornelia Froboess einst im Schlager besingt, träumen ja auch von Napoli. Und es gibt mit dem Rückkehrförderungsgesetz sogar finanzielle Anreize, um zurückzukehren. Als es 1973 in Folge der Ölkrise zum Anwerbestopp kommt, beschleunigte sich die Entwicklung, die sich bereits abgezeichnet hatte: Viele Gastarbeiter entschieden sich, dauerhaft zu bleiben und ihre Familien zu holen. Seit den 1990er Jahren kommen auch Flüchtlinge und Asylbewerber, die eine gute Zukunft für sich und ihre Familien suchen. Vor allem als es zum Krieg auf dem Balkan und dem Zusammenbruch der Sowjetunion kommt. Berichte über „Scheinasylanten“ und „Asylbetrüger“ sind seitdem allgegenwärtig und führen zu Ängsten in der Gesellschaft.

Die Schau zeigt viele Dokumente. Aber auch Exponate wie ein Moped, ein Geschenk für den millionsten Gastarbeiter. Oder einen Kalender, der eigentlich für den Advent steht. Doch es gibt 30 Säckchen, weil es um Süßigkeiten im Ramadan geht. So werden christliche und muslimische Traditionen verknüpft. „Wir hoffen, dass wir auch ein junges Publikum anziehen – es gibt ein vielfältiges Veranstaltungsprogramm“, so Hütter. Im Haus der Geschichte in Bonn, wo die Schau vorher zu sehen war, kamen 113 000 Besucher. Geplant ist, sie anschließend in Berlin zu zeigen.

Der Eintritt ist frei. Geöffnet ist dienstags bis freitags 9 bis 18 Uhr, am Wochenende 10 bis 18 Uhr.

Von Mathias Orbeck

Leipzig, grimmaische Straße 51.3397538 12.3774123
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