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Immer mehr Eigenheimbauer wollen autarke Stromversorgung

Energiewende in Leipzig Immer mehr Eigenheimbauer wollen autarke Stromversorgung

Die Energiewende hat auch Leipzigs Eigenheimbauer erreicht: Fast alle Bauherren versuchen, den steigenden Energiekosten ein Schnippchen zu schlagen. Besonders gefragt sind inzwischen Lösungen, die Einfamilienhäuser nahezu autark machen. In Dölitz wohnt eine Familie, der das fast gelungen ist.

Die Idylle der Herrmanns: Unter dem Rasen liegt eine Erdwärmeheizung, im Obergeschoss arbeitet ein Hauskraftwerk, auf dem Dach eine Fotovoltaikanlage.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Die Energiewende hat auch Leipzigs Eigenheimbauer erreicht: Fast alle Bauherren versuchen, den steigenden Energiekosten ein Schnippchen zu schlagen, und rüsten ihre Domizile mit Energiespartechnik auf. Besonders gefragt sind inzwischen Lösungen, die Einfamilienhäuser nahezu autark machen. In Dölitz wohnt eine Familie, der das fast gelungen ist.

"In zehn Jahren redet niemand mehr darüber, ob eine Photovoltaikanlage und ein Energiespeicher im Haus wirklich notwendig sind", meint Familienvater Herrmann, der mit seiner Frau und zwei Kindern ein Eigenheim errichtet und im Januar vergangenen Jahres bezogen hat.

Schon bei der Haus-Auswahl haben die Herrmanns aufs Energiesparen geachtet: Den Zuschlag erhielt ein Anbieter, der statt 24 Zentimeter starke Außenwände satte 36 Zentimeter anbot. "Dadurch konnten wir auf die Fassadendämmung mit Styropor verzichten, die wir nicht wollten", sagt der Bauherr. Im Haus-Paket enthalten war auch eine Erdwärmeheizung, die den Temperaturunterschied im Boden zur Erzeugung von Heizwärme nutzt. Aus Kostengründen entschied sich die Familie, dafür keine Kernbohrung in die Erde treiben zu lassen, sondern in zwei Metern Tiefe unter den Freiflächen rund ums Haus Flächenkollektoren verlegen zu lassen. "Inzwischen gibt es eine KfW-Förderung, mit der sich ­Projekte wie unsere besser rechnen", sagt der Familienvater.

Bei der Auswahl der Erdwärmeheizung haben sich die Herrmanns für einen österreichischen Anbieter entschieden, der eine besonders hohe Arbeitskennzahl verspricht, also eine hohe Effizienz. Bewusst verzichtet haben sie auf einen Heizstab, mit dem sich Erdwärmeheizungen bei extrem kalten Temperaturen elektrisch nachheizen lassen - was den Strom­verbrauch in die Höhe treibt. Stattdessen wurde im Haus für alle Fälle ein Kaminofen angeschlossen - der bislang allerdings nur genutzt wird, um das Flackern der Flammen an den Holzscheiten zu genießen. "Im letzten Winter hat unsere Erdwärmeheizung auch an kalten Tagen völlig ausgereicht", sagt Herrmann.

Den Strom, der die Erdwärmeheizung betreibt, erzeugt die Photovoltaikanlage auf dem Dach. Weil die Baubehörde auf einem 22 Grad geneigten Dach bestand, konnte der für solche Anlagen optimale Aufstellwinkel nicht eingehalten werden. "Aber bei modernen Anlagen wie unserer von Bosch ist das kein Problem mehr", hat der Bauherr entdeckt. "Wir erzielen trotzdem eine gute Energieausbeute." Die Flächen sind so dimensioniert, dass die Familie theoretisch ihren ge­samten Jahresstromverbrauch von 5000 bis 5500 Kilowattstunden mit der eigenen Stromproduktion abdecken könnte - wenn die Sonne so scheinen würde, wie der Strom benötigt wird.

Weil die Sonne nicht immer scheint, haben die Herrmanns im zweiten Obergeschoss einen Stromspeicher installiert, der eigentlich ein Energie-Managementsystem für das Haus ist: Er besteht aus drei Lithium-Ionen-Akkus, die einen Meter breit und einen Meter hoch sind und bei optimaler Lebensdauer insgesamt bis zu vier Kilowattstunden speichern. Das Laden dauert rund zwei Stunden, und im Sommer reicht eine Ladung locker von Mittag bis zum nächsten Morgen. "Im Sommer erzeugen wir unsere Energie zu 90 bis 100 Prozent selbst", sagt Herrmann. Denn die Familie will möglichst viel selbsterzeugten Strom selber nutzen, statt ihn ins öffentliche Netz einzuspeisen, Der Grund: Für jede ins öffentliche Netz eingespeiste Kilowattstunde erhält sie nur 14 Cent, während sie für jede gekaufte Kilowattstunde rund 30 Cent zahlen muss.

Am liebsten würden die Herrmanns deshalb die komplette Energie ihrer Photovoltaikanlage speichern, doch solche leistungsfähigen Speicher gibt es noch nicht. "Bei unserem Batteriepack wird mit einer Lebensdauer von 10000 Be- und Entladevorgängen gerechnet", meint das Familienoberhaupt. "Rundgerechnet könnten das 20 Jahre sein." Sein Kalkül: Wenn der Energiespeicher verschlissen ist, wird die Speichertechnik viel weiter entwickelt sein als heute. Dann wollen die Herrmanns in ihrem Haus die leistungsfähigeren Batterien installieren lassen. Ihr Ziel: Sie wollen dann auch im Winter nur noch den Strom verbrauchen, den sie im Sommer mit ihrer Photovoltaikanlage selber erzeugt haben.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 08.08.2015

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