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Immer mehr Frust über Straßenbahn-Lärm auf Leipziger Karl-Liebknecht-Straße

Immer mehr Frust über Straßenbahn-Lärm auf Leipziger Karl-Liebknecht-Straße

Sind Leipzigs Straßenbahnen zu laut und sollten lieber durch Busse ersetzt werden - wie es in den 70er-Jahren die Stadt Hamburg getan hat? In der Karl-Liebknecht-Straße werden solche Forderungen laut.

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Selbst moderne Straßenbahnen erzeugen auf der Karl-Liebknecht-Straße einen hohen Lärmpegel.

Quelle: André Kempner

Der Grund: Die dort in lärmmindernder Bauweise errichtete nagelneue Gleistrasse ist offenbar lauter als zuvor - auch in Abschnitten, wo das eigentlich nicht der Fall sein sollte. Die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) sind über die Forderung entsetzt.

Vor kurzem hatten schon die Probstheidaer rebelliert, als es um eine Straßenbahnanbindung für ihren Medizin-Campus ging. Der Widerstand war groß, vor allem wegen des erwarteten Lärms der Bahnen. Die LVB hatten widersprochen: Eine neue Trasse sei viel leiser als alte, verschlissene Gleise, sagten sie.

In der Karl-Liebknecht-Straße ist jetzt zwischen Shakespeare- und Härtelstraße stadteinwärts eine nagelneue Gleistrasse fertig, die sogar in lärmmindernder Bauweise errichtet wurde. Doch Anwohner empfinden den Lärmpegel als unvermindert hoch. Er liege sogar über den zulässigen Lärm-Grenzwerten für reine Wohngebiete, meinen einige. "Leipzigs Straßenbahnen sind unflexibel, benötigen eine umfangreiche Infrastruktur und sind in der Anschaffung teuer", schimpfen jetzt Anwohner wie Jörg Winkler aus der Karl-Liebknecht-Straße 27. Winkler hat an seinem Fenster sogar Lärmmessungen durchgeführt und dabei noch in 50 Meter Entfernung Lärmwerte von 62 bis 78 Dezibel ermittelt. "Für reine Wohngebiete gilt tagsüber eine Grenzwert von 50 Dezibel und nachts von 35 Dezibel", sagt er jetzt und schlussfolgert: "Schienenfahrzeuge, egal welcher Bauart und egal für welchen Verwendungszweck dürfen in reinen Wohngebieten nicht betrieben werden."

Bei den LVB ist Bau-Chef Dirk Sikora für den Fall zuständig. Er zweifelt Winklers Messergebnisse an und sagt, das Gebiet an der Karli sei kein reines Wohngebiet, sondern ein Mischgebiet, in dem höhere Lärmwerte zulässig sind. Durch die Gleiserneuerung werde es sogar zu einer Lärmreduzierung von drei Dezibel kommen, wenn die Bauarbeiten in der Karli zum Jahresende abgeschlossen sind, prophezeit Sikora. Denn dieser Effekt sei inzwischen eindeutig nachgewiesen, wenn Gleise lärmmindernd gebaut werden. "Drei Dezibel klingt wenig", sagt er. "Aber eine Erhöhung um drei Dezibel entspricht einer wahrgenommenen Verdoppelung des Lärms." Wo tatsächlich mehr Lärm entsteht - weil Gleise näher an die Häuser heranrücken - würden Lärmschutzvorkehrungen getroffen. Die Häuserzeile in der Winkler wohnt, gehöre nicht dazu.

Als Beweis führt Sikora die Beesener Straße in Halle und die Dieskaustraße in Leipzig an. An beiden Trassen habe es Vorher- und Nachher-Messungen gegeben, als lärmgeminderte Gleise eingebaut wurden - im Leipziger Beispiel seien dabei sogar Reduzierungen von bis zu zehn Dezibel gemessen worden. Und diese Messungen seien professionell nach einheitlichen Standards durchgeführt worden - viel genauer als das ein Anwohner ermitteln könne.

Doch warum ist der Lärm am Fenster von Winkler in acht Meter Höhe lauter - obwohl er leiser sein müsste? Die LVB vermuten ein ganzes Bündel von Ursachen. "Der Übergang des alten zum neuen Straßenbahngleis befindet sich genau vor dem Fenster von Herrn Winkler", sagt Sikora. Außerdem sei dort die Grünanlage zurückgeschnitten worden, die früher den Lärm gefiltert habe. "Vor dem Umbau sind unsere Bahnen dort auch nur zehn Stundenkilometer gefahren, weil die alten Gleise verschlissen waren", betont der Bau-Chef. "Auf dem neuen Gleis sind wir wieder deutlich schneller unterwegs." Was mehr Lärm verursache.

Auch Nebengeräusche werden als Ursache vermutet. Denn in der Karli wird noch immer mit schwerem Gerät am stadtauswärtigen Gleisstrang gebaut. "Das neue Gleis ist auch noch nicht in unserem Pflege-Rhythmus. Es können Steine im Gleis liegen und Geräusche verursachen."

Winkler dagegen vermutet, dass der schlechte Zustand der LVB-Bahnen den meisten Lärm verursacht. "Die Fahrwerke und Antriebe einiger Bahnen sind schon von weitem zu hören", berichtet er. "Auch viele Räder der NGT 8 sind unrund und deshalb extrem laut."

Sikora lässt auch dies nicht gelten. "Vor drei Jahren hatten wir an unseren 24 XXL-Bahnen einen ungewöhnlich starken Verschleiß an den Getrieben und den Antrieben - aber dieses Problem haben wir zusammen mit dem Hersteller längst gelöst", sagt er. Auch die unrunden Räder an den NGT 8-Bahnen - die unter anderem bei Gefahrenbremsungen durch den unterschiedlich starken Abrieb entstehen - hätten die LVB längst im Griff. "Im Herbst 2014 haben wir zwischen den Haltestellen Angerbrücke und Sportforum eine Polygon-Messanlage in Betrieb genommen", so Sikora. "Dort fahren die meisten Bahnen täglich oder alle zwei Tage durch und wir messen dabei, an welchem Rad Handlungsbedarf besteht. Wenn eine Unwucht festgestellt wird, ziehen wir die Bahn schnell aus dem Betrieb. Denn solche Räder verursachen auch Schäden an unseren Gleisen."

Dass Leipzigs Straßenbahnen durch Busse ersetzt werden könnten, hält der LVB-Experte für völlig abwegig und rechnet das am Beispiel der Karl-Liebknecht-Straße vor. "Im Abschnitt unserer Neubaustrecke sind täglich 29 000 Fahrgäste mit der Straßenbahn unterwegs", sagt er. "Wenn wir dort künftig nur noch Busse einsetzen - und zwar die größten Gelenkbusse, die wir haben - müsste alle 1,25 Minuten ein Bus abfahren. Ich glaube nicht, dass das den Anwohnern gefallen würde."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 08.04.2015

Andreas Tappert

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