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Lokales Immer mehr Leipziger tafeln im Grünen ...
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14:27 19.05.2015
Große Essenstafel im Lene-Voigt-Park: Freunde und Fremde sitzen beisammen, plaudern und essen gemeinsam - weil es so halt einfach besser schmeckt. Quelle: André Kempner

. Dazwischen Freunde und Fremde, die zusammensitzen, essen und reden.

Zum ersten Mal hat der soziokulturelle Verein Mühlstraße 14 am Samstagnachmittag zum "Tafelwerk" eingeladen. Unter dem Motto "Es ist angerichtet!" haben sich dort 15 Gastgeber und etwa fünf Dutzend Gäste versammelt, um gemeinsam zu essen. Das "Tafelwerk" kostet nichts, jeder Gastgeber hat Essen für mindestens eine weitere Person mitgebracht, der Gast revanchiert sich mit einer Kleinigkeit. Die neun Biertische sind benannt, heißen etwa Stadtgesichter, Wiesenmusik oder Lieblingskaffee. Am Lieblingskaffee bewirtet Steffen Zander fünf Gäste. Er hat eingedeckt, mit Tischläufer, mit kleinen Tellern und Weingläsern. Zu essen gibt es Fingerfood: Cracker, Oliven, Käsewürfel. Zu trinken Rotwein, oder etwas von Zanders Kaffeefahrrad, das gleich nebenan steht. "Es ist mir ein Bedürfnis, dass Leute ins Gespräch kommen, ob mit mir, oder ohne mich. Mit dieser Einladung will ich auch denen eine Bühne geben, die zum Weggehen nicht so viel Geld haben", sagt der 31 Jahre alte Gastgeber.

Die Idee zu dieser Tafel hatte Manuela Kahle (36), seit 2005 freie Mitarbeiterin der Mühlstraße 14. Sie erlebte einmal eine solche Tafel in der Schweiz, 750 Meter lang, aufgestellt über die Grenze nach Deutschland. "Ich fand das total lebendig. Genau so möchte ich hier beim Essen Menschen zusammenbringen, die sich nicht kennen."

Ganz neu ist diese Idee in Leipzig aber nicht. Schon zum dritten Mal hat die Kulturrunde Stötteritz am Sonntagmorgen zum Bürgerfrühstück auf den Weißeplatz eingeladen, das Motto: "Kleckern erlaubt!". Das lassen sich die Kinder nicht zweimal sagen und rennen mit schokoverschmiertem Mund wieder zum Spielen, wenn sie sich am Tisch der Eltern ein Brötchen stibitzt haben. Die Gäste bringen alles selber mit, schleppen Campingtische, Klappstühle und Körbe voller Essen herbei, die sie nach Gusto in der Sonne oder im Schatten der großen Platanen aufbauen. Auch hier hängen bunte Wimpel in den Bäumen, jeder Tisch darf sich ein Blümchen nehmen.

"Rosen und Jasmin, alles aus der Natur von Stötteritz", sagt Elena Ascheri-Dechering. Die 41 Jahre alte Frau ist seit 2012, von Beginn an, Mitglied der Kulturrunde. Ziel des Bürgerfrühstücks sei es, den Stadtteil mehr zu beleben und den Weißeplatz von seinem schlechten Ruf zu befreien. Früher hätten sich hier oft Leute getroffen, um zu trinken. Es habe Beschwerden von Anwohnern gegeben. Das sei aber schon viel besser geworden. Sie rechnet mit bis zu 100 Frühstücksbesuchern. "Der Platz ist für alle da!", sagt Ascheri-Dechering entschlossen. Kinder turnen auf der Rutschhalbkugel, die Erwachsenen sitzen vor dampfenden Kaffeetassen und plaudern, mit dem Lied "Morning Has Broken" läutet Reiner Schubert an Gitarre und Mundharmonika den Morgen ein. Ein Stück entfernt sitzt eine alte Frau auf einer Bank in der Sonne und schaut sich das bunte Treiben in ihrem Stadtteil an.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom ..
Ariane Dreisbach

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