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In Leipzig kehrt Fassade vom 1999 abgerissenen Goldschmidt-Haus zurück

Bauboom in Friedrich-Ebert-Straße In Leipzig kehrt Fassade vom 1999 abgerissenen Goldschmidt-Haus zurück

Begonnen hatte die Wohnungsgenossenschaft Unitas mit ihrem 2015 eröffneten Neubau Apels Bogen. Doch in nächster Zeit sollen sich rings um die Friedrich-Ebert-Straße viele weitere Lücken schließen.

An der Ecke zur Gustav-Mahler-Straße 2a entsteht ein Neubau (farbig) mit zehn Eigentumswohnungen. Der Projektentwickler Lohrmann & Stein schafft damit eine Art Eingangstor, schließt zugleich eine weitere Baulücke an der Friedrich-Ebert-Straße.

Quelle: Homuth+Partner

Leipzig.

Den größten symbolischen Wert dürfte dabei ein Vorhaben haben, das gerade begonnen wurde. In der Friedrich-Ebert-Straße 14/16 heben jetzt Bagger eine Grube aus. Dort errichtet die Firma LE Quartier 1 GmbH ein Ensemble mit 45 Miet- und Eigentumswohnungen. Das Besondere daran: An der Hausnummer 16 kehrt die Fassade des früheren Goldschmidt-Hauses originalgetreu zurück. „In enger Abstimmung mit dem Denkmalschutz setzen wir einen alten Stadtratsbeschluss um“, erklärt Projektleiter Steffen Voigt.

Das bestätigt Leipzigs oberster Denkmalschützer Norbert Baron. „Im Jahr 2000 mussten wir schweren Herzens hinnehmen, dass das Goldschmidt-Haus für den Ausbau der Friedrich-Ebert-Straße abgerissen wurde. Aber zuvor konnten wir wenigstens die Fassade mit allen ihren Details genau vermessen und erfassen. Ich bin sehr froh, dass die Daten nun nicht mehr nur im Archiv schlummern. In allen wesentlichen Elementen wird die Fassade exakt wieder auferstehen.“

Zwar sei der Standort des Neubaus um etwa zwölf Meter gegenüber dem historischen Original versetzt, so Baron weiter. Trotzdem ermögliche das Haus bald wieder eine Erinnerung an Henriette Goldschmidt (1825-1920). Die Reformpädagogin sowie Mitbegründerin der deutschen Frauenbewegung hatte 31 Jahre an diesem Ort gelebt und gearbeitet. Dass die Stadt das Haus dennoch abreißen ließ, um der Straßenbahn separate Gleise zu verschaffen, hatte einst zu heftigen Bürgerprotesten geführt. Sie blieben erfolglos.

Laut Voigt baut der heutige Investor eine Tiefgarage. „Im Erdgeschoss gibt es Gewerbeflächen, vielleicht auch ein Henriette-Goldschmidt-Café.“ Die Entwürfe stammen vom Leipziger Architekturbüro Mann&Schott, das unmittelbar nebenan – auf der nördlichen Freifläche bis zu den Unitas-Häusern – noch ein Ensemble für einen anderen Bauherren plant. Erste Entwürfe für diese etwa 100 Wohnungen liegen bereits vor (Bild unten rechts).

Auch auf der anderen Straßenseite füllen sich die Lücken. So steht neben dem US-Generalkonsulat nun schon eine Villa im Rohbau, die ein Leipziger Zahnarzt errichten lässt. „Das wird ein Wohn- und Geschäftshaus; mit einer Praxis für ästhetische Zahnmedizin sowie einigen Suiten, die an Kurzzeitbesucher vermietet werden“, erläutert der Investor, der seinen Namen nicht veröffentlicht sehen will. Im nächsten Frühjahr solle alles fertig sein.

Keine Geheimniskrämerei betreibt die Firma Lohrmann&Stein, die ab Mai 2017 an der Ecke zur Gustav-Mahler-Straße zehn Eigentumswohnungen bauen will. Dieses Objekt, genau gegenüber vom neuen Goldschmidt-Haus gelegen – wird die Kubatur des anderen Eckgebäudes zur Gustav-Mahler-Straße aufnehmen, so dass „optisch ein Tor entsteht“, erklärt der Leipziger Architekt Peter Homuth. Sein Büro beschäftigt sich aktuell noch mit einer anderen Brachfläche in der Friedrich-Ebert-Straße 41/43. Unmittelbar nördlich jenes Gebäudes, das dem Reiseveranstalter Polster&Pohl als Sitz dient, ist ein dazu ebenbürtiger Neubau mit 44 Wohnungen sowie zwei Gewerbeflächen geplant. Als Investor tritt die Firma Wincon auf, die jüngst auf dem spitzen Winkel am Ende der Goldschmidtstraße ein sehenswertes Haus erschuf. Durch das neue Ensemble bekomme der historische Westplatz (der sich bis zu den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg an dieser Stelle befand und noch heute vor dem Eingang von Polster&Pohl ablesbar ist) wieder eine richtige Fassung und mehr Leben, so Architekt Homuth, der die Planungen im Herbst fertigstellen will.

Im November startet die CG-Gruppe an der Friedrich-Ebert-Straße 87 bis 93 den Bau von sechs Häusern unter dem Namen „Waldplatz Carré“. Über dieses Vorhaben im Umfang von fast 25 Millionen Euro hatte die LVZ bereits berichtet.

Gegenüber vom Apels Bogen möchte die LE Quartier 1 GmbH perspektivisch noch eine Lücke schließen. Sie reicht bis an jene Kreuzung heran, die heute landläufig Westplatz genannt wird. „Auf diesem Areal – in der Alexanderstraße 41 – haben wir gerade schon ein Wohnhaus gebaut und dabei eines der für Leipzig so typischen, kleinen Handwerkerhäuser im Hof temporär erhalten“, erklärt Voigt.

Von Jens Rometsch

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