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Lokales "In Leipzig sinkt der Wohnungsleerstand am schnellsten"
Leipzig Lokales "In Leipzig sinkt der Wohnungsleerstand am schnellsten"
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00:59 04.06.2014
Roman Grabolle Quelle: Jens Rometsch

Wir sprachen mit dem 38-Jährigen, der eine Lobby für jene Leipziger vermisst, die nur niedrige Mieten bezahlen können.

Was stört Sie an dem Verfahren, neben drei Bürgerforen vor allem mit Experten an dem neuen Konzept zu arbeiten?

Den Bürgerforen ist stets ein nicht öffentlicher Workshop für "Akteure und Experten" vorgeschaltet. Dessen Teilnehmerliste lässt schon erahnen, wohin die Reise geht. Da wurden 18 Vertreter der Vermieterseite eingeladen und weitere vier von Baugruppen und Kleineigentümern, die das Bild etwas auflockern, sowie die Verbraucherzentrale und der Mieterverein. Letztlich stehen also nur zwei Vertreter der breiten Mehrheit der Mieter einer großen Zahl privater Immobilienfirmen, von Maklern und Wohnungsgenossenschaften gegenüber.

Die Genossenschaften mit ihren 60 000 Wohnungen sehen sich doch aber auch als Interessenvertreter ihrer Mitglieder.

Dann frage ich mich, warum sie vorab ein gemeinsames Positionspapier mit Privatfirmen wie der KSW unterschrieben haben, die in den Schleußiger Elsterwerken eine rigide Entmietung betreibt. In dem Papier wurde mit falschen Zahlen hantiert, eine Mietpreisbremse abgelehnt, sogar eine städtische Förderung für möglichst viel preisungebundenen Neubau verlangt. Das sind doch eigennützige Handlungsvorschläge mit einem Ziel: höhere Mieten, mehr Gewinn.

Welche Zahlen waren denn falsch?

Die Behauptung, es stünden noch zehn Prozent des hiesigen Bestands leer - also über 30 000 Wohnungen - ist irreführend. In Leipzig sinkt der Wohnungsleerstand durch den starken Zuzug rapide. Die Zahl der aktuell vermietbaren Quartiere dürfte bei 12 000 bis 15 000 liegen. Zieht man davon die für einen funktionierenden Markt nötige Umzugsreserve ab, ist die Lage in zwei bis drei Jahren angespannt.

Der Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen hat gestern davor gewarnt, Bürger und Immobilienakteure in zwei Lager zu spalten. Wäre ohne Firmen wie KSW, die jedes Jahr 2000 Wohnungen sanieren oder neu bauen, die Lage nicht viel ernster?

Es ist schon okay, dass diese Leute für ihre Interessen eintreten. Das tun sie organisiert und schlagkräftig, während bei dem Forum am Montag recht unterschiedliche Stimmen laut wurden. Natürlich sind auch Makler und Wohnungseigentümer Bürger der Stadt. Sie konnten dort erneut ihre Ansichten einbringen. Ich glaube jedoch, es ist eine Mär, dass Luxussanierungen zur Entspannung des Marktes beitragen. In Leipzig werden die dadurch frei werdenden, mittelpreisigen Wohnungen heute meist mit hohem Aufschlag weitervermietet. Und die große Zahl der Leute, die auch ihre vermeintlich billige Wohnung kaum bezahlen können, hat keinerlei Lobby.

Immerhin hat das Rathaus jetzt auch noch ihre Initiative zu den Experten-Workshops eingeladen. Welche Ideen steuern Sie bei?

Wir müssen weg von einer Wohnungsmarktpolitik, hin zur Wohnungspolitik. Die Stadt samt ihrer Tochterfirmen sollten Häuser oder Grundstücke viel öfter per Erbbaurecht vergeben, dadurch sichert man sich Einfluss und langfristige Einnahmen. Statt den üblichen Höchstpreis-Verfahren bei Verkäufen brauchen wir künftig Konzept-Verfahren, deren Kriterien die Bürger mitbestimmen. "Stadt für alle" setzt sich auch für neue Formen des sozialen Wohnungsbaus und eine Mietobergrenze bei Neuvermietungen ein.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 04.06.2014

Jens Rometsch

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