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In die Kälte: Familie mit Baby und Zweijährigem aus S3 nach Leipzig geworfen

Mutter wollte in 1. Klasse stillen In die Kälte: Familie mit Baby und Zweijährigem aus S3 nach Leipzig geworfen

Eine Mutter will ihr zwei Monate altes Baby in der S3 nach Leipzig stillen. Dazu setzt sie sich in in die 1. Klasse. Als der Schaffner kommt, gibt es Ärger. Auch, weil das Ticket ihres Mannes nicht entwertet war. Mutter, Baby, dessen zweijähriger Bruder und der Mann werden im Winter aus der Bahn geworfen.

S3 in Leipzig/stillende Mutter (Montage)

Quelle: André Kempner/dpa

Leipzig. Die Kritik an der S-Bahn im Großraum Leipzig reißt nicht ab. Ein Leser hat sich mit einem Vorfall an die LVZ gewandt, der ihm und seiner Familie am vergangenen Samstag in der S3 von Halle nach Leipzig widerfahren ist. Die Bahn sieht keine Versäumnisse.

Der Ärger, den Michael S. (30) noch bekommen wird, als er am Samstag an der Haltestelle „Halle Zoo“ in die S3 in Richtung Leipzig einsteigt, ist auch Tage später noch anzumerken. Zusammen mit seiner Frau (31), seinem zweijährigen Kind, sowie dem zwei Monate alten Baby ist er auf dem Weg in ihre Plagwitzer Wohnung. Weil der Säugling Hunger kriegt und die junge Mutter in Ruhe stillen möchte, entscheidet sie sich in das freie Abteil der ersten Klasse am Ende des Zuges zu gehen.

„Meine Frau hatte noch nicht einmal Platz genommen, als kurz darauf der Schaffner kam und bei der Ticketkontrolle den schlechten Zustand ihres Studentenausweises bemängelte“, erklärt der Vater. Sie sei Promotionsstudentin an der Uni Leipzig und besitzt seit über sechs Jahren denselben Studienausweis. Für Studierende der Universität Leipzig gilt er gleichzeitig als MDV-Ticket. Der 30-Jährige räumt ein, dass der Ausweis abgenutzt ist.

Aber es geht weiter. Bei der Begutachtung habe der Zugbegleiter ohne Nachfrage mutwillig an einer losen Ecke des Studienausweises gezogen, so fast komplett den Ticketaufdruck abgerissen und der Mutter daraufhin unterstellt, dass der Ausweis gefälscht sei. „Weil meine Frau nur Studentenausweis und Bankkarte bei sich hatte, und sich nicht anderweitig ausweisen konnte, mussten wir bei winterlichen Temperaturen mit zwei kleinen Kindern am Hauptbahnhof in Halle aussteigen“ empört sich der 30-Jährige. Die hinzu gerufene Bundespolizei habe eine Anzeige des Schaffners wegen Betruges aufgenommen. Die S-Bahn sei aber ohne sie weitergefahren.

Die Bahn hat eine andere Version

Für die Bahn stellt sich der Vorgang indes anders dar: „Bei der Fahrscheinkontrolle wurde nach freundlicher Begrüßung festgestellt, dass die Fahrkarte des Mannes für die 2. Klasse nicht entwertet wurde, obwohl der Entwerter am Zoo funktionierte“, erklärt Bahnsprecher Jörg Böhnisch. Auch der Studienausweis der Frau sei laut Beförderungsbedingungen des MDV nur in Verbindung mit einem amtlichen Lichtbildausweis gültig, führt er weiter aus. Und das Stillen des Kindes in der 1. Klasse hätte dem Zugbegleiter nach Besteigen des Zuges gemeldet werden müssen. Der Vater sagt, dass er in der Hektik beim Einsteigenvergessen habe, seine Fahrkarte zu entwerten. Die entwertete Karte der Hinfahrt habe er noch als Beweis dafür, dass dies keine böse Absicht gewesen sei.

So seien beide Reisende laut Böhnisch ohne gültigen Fahrausweis unterwegs gewesen, weswegen der Kundenbetreuer von beiden die freiwillige Angabe der Personalien erbat. Der Sprecher erklärt: „Laut den Beförderungsbedingungen des MDV ist hier die Ausstellung einer Fahrpreisnacherhebung korrekt“. Michael S. sei daraufhin laut geworden und verweigerte die Herausgabe der Personalien. Da eine sachliche Klärung nach Angaben der Bahn im weiteren Verlauf nicht möglich war, verständigte der Mitarbeiter die Bundespolizei, die die Reisenden bat den Zug in Halle Hauptbahnhof zur Klärung des Sachverhalts zu verlassen.

Die für den Hauptbahnhof in Halle zuständige Bundespolizeiinspektion in Magdeburg bestätigte der LVZ, dass die Bahn gegen die Ehefrau eine Anzeige wegen Betruges und Urkundenfälschung gestellt habe. „Ebenso wurde der Ausweis als Beweismittel einbehalten, weil sich den Beamten stichhaltige Hinweise für eine Manipulation ergeben haben“, erklärt die Bundespolizeisprecherin aus Magdeburg. Der Ausweis sei zur Untersuchung mittlerweile an die ermittelnden Beamten geschickt worden, erklärt sie weiter.

Klare Vereinbarung zwischen Studentenwerk und MDV

Klaus Arnold, Leiter des Studentensekretariats der Universität Leipzig, welches die Uni-Cards ausgibt, möchte sich aufgrund von Richtlinien zum Persönlichkeitsschutz nicht zum konkreten Fall äußern. Generelle Angaben macht er dennoch: „Natürlich hätte sich die Frau viel Ärger ersparen können, wenn sie im Fall einer abgenutzten Uni-Card zu uns gekommen wäre und sie einfach kostenlos umgetauscht hätte.“

Dennoch unterstreicht er, dass selbst alte, abgenutzte Karten ihre Gültigkeit nicht verlieren. „Und es gibt niemals einen Grund die Uni-Card einzuziehen“, sagt er entschieden, denn diese sei nicht nur eine Fahrkarte, sondern auch eine Geldkarte beispielsweise für Drucker oder Mensa und Zugangsberechtigung zu bestimmten Gebäuden. Im Zweifelsfall solle sich die Bahn zunächst an das Studentenwerk wenden, dem die Studienausweise offiziell gehören: „Eine Vereinbarung mit dem MDV regelt das“, sagt Arnold.

Michael S. nützt diese Erkenntnis derzeit recht wenig: „Da sich der Vorfall im als 1. Klasse gekennzeichneten Bereich abgespielt hat, fordert die Bahn von uns jeweils 60 Euro erhöhtes Beförderungsentgelt.“ S. ist schockiert über das seinen Worten nach „rücksichtslose und familienfeindliche Vorgehen“ der Bahn: „Bei mir sehe ich den Fehler noch ein, aber bei meiner Frau finde ich das Verhalten absolut daneben.“

Edgar Lopez

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