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Lokales Indie-Pop für Kinder ohne Quietschen
Leipzig Lokales Indie-Pop für Kinder ohne Quietschen
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13:08 23.02.2018
Konzert für und mit Kindern im Leipziger Kupfersaal. Auf der Bühne Cäthe. Quelle: Dirk Knofe
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Leipzig

Es gibt sie überall, diese Typen ohne Haare auf dem Kopf, die schon vor Konzertbeginn durch den Saal torkeln, sich kaum auf den Beinen halten können, aber mit starrem Blick durch die Leute ins Leere fokussieren und mit rücksichtsloser Zielstrebigkeit durch die Menge drängeln. Am Sonntag ist so einer schon nachmittags im Kupfersaal unterwegs. Was heißt einer, Dutzende! Sie haben ihre Eltern mitgebracht, die ihnen hinterherstaksen. Auf der Bühne steht ein Teil der deutschen Indie-Pop-Szene, der Songs von „Unter meinem Bett“ spielt.

Mit diesem Titel sind seit 2015 drei Compilations mit Kindermusik fernab von Rolf Zuckowski & Co erschienen, die Lieder von jenen versammeln, die das Popfeuilleton schätzt: Gisbert zu Knyphausen, Peter Licht, Erdmöbel, Bela B, Clueso, Keimzeit und andere. Ausgangspunkt für die Reihe war das gleichnamige Lied von Nils Koppruch über das Chaos unterm Bett, das einem ja herzlich egal sein kann, solange man oben drauf liegt.

Ohne moralischen Zeigefinger

Eine dylaneske Gitarrennummer ohne moralischen Zeigefinger, ein Kinderlied ohne Quietschen. Und so versammelt „Unter meinem Bett“ Musik, die Kinder mögen und Eltern auch nach drei Stunden Autobahnfahrt nicht in den Wahnsinn treibt. Wenn also einige der beteiligten Bands die Lieder live spielen, steht einem lustigen und liebevollen Konzertnachmittag ja nichts mehr im Weg!? Doch.

Bernd Begemann, einer der Väter der Hamburger Schule, kündigt etwas ungelenk den „Unter-meinem-Bett-Musikzirkus“ an. Dessen erste Attraktion sind die Tele-, Höchste-Eisenbahn- und Clueso-erprobten Patrick Reising, Christoph Bernewitz, Felix Weigt und Max Schröder an Keyboard, Gitarre, Bass und Schlagzeug, zu denen sich nach und nach andere gesellen. „Habt ihr Lust auf Musik?“ Das herzerweichende „Jaaaaaa!!!“ versetzt einen wieder in den Kindergarten. Man fühlt sich ganz schlecht mit dem ungesunden Getränk in der Hand.

Ausdrucksstarke Egalheit von Kindern

Schon im ersten Song über Begemanns Lieblingstier, das Gnu, fällt ein Satz, der noch nie auf einer Bühne gesagt wurde: „Können wir das bisschen leiser machen?“ Ein paar Kinder haben sich die Ohren zu gehalten, es wird nachjustiert. Auf vielen kleinen Köpfen sitzen aber eh riesige Kopfhörer. Francesco Wilking und Moritz Krämer kommen mit Suzie Kerstgens (Klee), Rhododendron und Theoderich auf die Bühne. „Man darf sich nicht Rhododendron nennen, wenn man es nicht buchstabieren kann“, witzelt Begemann und erntet dafür: „Deshalb heißt du ja Bernd.“ In „Der Tee von Eugenia“ und „Gib nicht so an!“ steuern Rhododendron und Theoderich dann diese ausdrucksstarke Egalheit bei, die nur Kinder hinbekommen, mehr rufend als singend.

Einige hüpfen im Sitzen, andere stehen oder tanzen, wieder andere sitzen auf dem Schoß von noch anderen. Die nicht wenigen kinderlos Erschienenen tänzeln fröhlich mit. Wie egal das eigene Alter ist, merkt man spätestens bei Cäthes freundlich-sturer Hymne aufs „Faaahradfahrn“, die einem später noch den Heimweg verschönert. Begemanns Erwachsenen-Klassiker „Unten am Hafen“ gefällt auch den Kindern, weil dort ja bekanntlich „die großen Schiffe schlafen“. Sven van Thom begeistert mit seinem „Ich tanz den Spatz / Ich tanz die Krake / Ich tanz die Robbe (klatschklatsch) / Ich tanz die Harke.“ Alle schmeißen die Hände in die Luft und machen „Piep-Piep!“

Eher ein Pflichttermin

Am Ende singen alle Beteiligten zusammen „Unter meinem Bett“, wie schon bei einigen (selbstgeschriebenen!) Songs vorher mit Textzettel in der Hand. Zur Zugabe sind einige von ihnen schon weg, und es beschleicht einen doch der Eindruck, dass manche/r auf der Bühne hier heute eher einen Pflichttermin absolviert als eine Herzensangelegenheit. Was gerade bei solch einer Veranstaltung doppelt schlimm wäre. Vielleicht sehen das Konzert-Erstbesucher aber auch alles nicht so eng.

Von Benjamin Heine

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