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Ingenieure testen Belastungsfähigkeit der Luppe-Brücke

Maximale Belastung Ingenieure testen Belastungsfähigkeit der Luppe-Brücke

Alle Theorie ist grau. Die Wahrheit kennt immer nur das Leben. Genau deshalb unterzieht das Verkehrs- und Tiefbauamt seit gestern die Gustav-Esche-Brücke am Auensee einer buchstäblich schweren Belastungsprobe. Das Bauwerk auf der Straße, die Wahren und Leutzsch verbindet, ist nur noch für 16 Tonnen zugelassen. Mit rechnerisch sinkender Tendenz.

Belastungstest an der Luppe-Brücke.

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig. Ein 22,5 Meter langes Schwerlastfahrzeug steht seit dem Morgen auf der Luppe-Brücke in der Gustav-Esche-Straße. An einem Ende eine vierachsige Sattelzugmaschine, am anderen ein Fünfachser mit Messstand, Hydraulikanlage und Generator, in der Mitte ein riesiger Träger. Einem Teleskop gleich lässt sich der Koloss auf 35 Meter ausfahren. Das Mittelteil ruht dann auf zwei Stützen, die Mehrachser schaffen das Gegengewicht. Dazwischen können die Techniker fünf Prüftraversen in beliebigem Abstand positionieren, um die Tragfähigkeit der Brücke an verschiedenen Punkten zu testen. Ein Kran bestückt dazu den Träger mit Zusatzgewichten.

Die unter der Brücke installierten Sensoren registrieren jede Bewegung. "Mit ihnen können wir Verformungen im Hundertstel-Millimeterbereich erfassen", sagt Elke Reuschel. Die 55-Jährige leitet die Operation. Die Leipziger Gesellschaft für Materialforschung und Prüfungsanstalt für das Bauwesen (MFPA) setzt das einzigartige Belastungsfahrzeug, kurz Belfa genannt, zum ersten Mal ein. Es war im Rahmen eines Forschungsprojektes mehrerer deutscher Hochschulen entwickelt worden, darunter die Technische Universität Dresden und die Leipziger Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK). Das Materialforschungsunternehmen, das das Fahrzeug erwarb, aufrüstete und modernisierte, verspricht sich viel von einem kommerziellen Einsatz.

Mit einem Belfa-Fahrzeug und vielen Wassertanks wurden Belastungen an der Luppe-Brücke gemessen.

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Denn im Gegensatz zur konventionellen Prüftechnik, die aufwändige Auf- und Abbauten, tagelange Vollsperrungen und Eingriffe in das jeweilige Bauwerk erfordert, ist Belfa schnell und flexibel einsetzbar. "Für geschädigte Konstruktionen, die rein rechnerisch schon am Ende sind, können wir damit die noch vorhandene Resttragkraft exakt ermitteln", erklärt Reuschel, die als Professorin für Stahl- und Spannbetonbau an der HTWK lehrt. Angesichts vielerorts maroder Infrastruktur und latent klammer öffentlicher Kassen könnte Belfa gerade für Kommunen die letzte Hoffnung vor unbeliebten Brückensperrungen sein.

Allein in Leipzig befindet sich jede fünfte Brücke in desolatem Zustand, fünf gelten sogar als akut gefährdet. Auch die Gustav-Esche-Brücke zählt zu den Sorgenkindern. "Die Druckfestigkeit des Betons hat nachgelassen, der Bewehrungsstahl ist korrodiert", beschreibt Reuschel die fast 90 Jahre alte Brücke, die jeden Tag noch immer hohen Belastungen ausgesetzt ist.

17200 Fahrzeuge passieren täglich die Gustav-Esche-Straße, sagt Klaus Barthel, Abteilungsleiter Brückenbau und -unterhaltung im Verkehrs- und Tiefbauamt. Er ist seit 35 Jahren im Geschäft, hat in der ganzen Zeit dennoch erst ein Dutzend Probebelastungen erlebt. Das könnte sich nun mit der mobilen Prüfvariante ändern.
Die Gustav-Esche-Straße ist in diesen Tagen einspurig weiter befahrbar, nur während der heißen Experimentierphasen in der Nacht muss sie aus Sicherheitsgründen voll gesperrt werden. Morgen sollen die Testergebnisse vorliegen.

Mit einem Belastungsfahrzeug testen Ingenieure die Belastbarkeit der Luppe-Brücke. (Bilder: Kempner)

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Im mittelfristigen Straßen- und Brückenbauprogramm, das der Stadtrat 2013 verabschiedete, ist die Gustav-Esche-Brücke in die Dringlichkeitsklasse 2 eingestuft worden. Heißt: kritischer Bauzustand. Die rechnerischen Modelle zur Ermittlung der Tragfähigkeit berücksichtigen unter anderem Baustoffe und Geometrie des Bauwerks. "Durch Probebelastungen", weiß Barthel, "erreicht man oft noch Tragreserven." Gespannt auf den Testausgang ist er aber noch aus einem anderen Grund. "Wir bräuchten die Brücke noch zehn Jahre", sagt er. Denn wenn ab 2020 der Bau der Brücken in der Georg-Schwarz-Straße in Leutzsch beginnt, müsste die Gustav-Esche-Straße als Umleitungsstrecke herhalten.

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