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„Intelligente Mülltonne“ soll das Sammeln von Elektroschrott leichter machen

Leipziger Startups „Intelligente Mülltonne“ soll das Sammeln von Elektroschrott leichter machen

Das Müllproblem sollen ihre Enkel mal nur noch aus dem Geschichtsbuch kennen, wünschen sich die Jungs und Mädels vom Leipziger Startup Binee. Sie arbeiten an einem intelligenten System zum Erfassen von Elektrokleinschrott.

Das Müllproblem sollen ihre Enkel mal nur noch aus dem Geschichtsbuch kennen, wünschen sich Marilu Valente, Martin Jähnert und Florian Eidner (von links). Sie arbeiten an einem intelligenten Sammelsystem für Elektroschrott.

Quelle: André Kempner

Leipzig.

„Bin“ ist das englische Wort für Abfallbehälter, „Binee“ könnte man mit „Behälterchen“ übersetzen. Ein Behälterchen, in dem einiges an Technik steckt, denn die Gründer wollen ein dickes Brett bohren: „Unser Ziel ist es, die Welt auf Ingenieursebene zu verbessern“, sagt Martin Jähnert (30, Wirtschaftsingenieur). Der gebürtige Dresdner und seine Mitstreiter haben sich einer Vision verschrieben: „Unsere Kinder und Kindeskinder sollen Müll möglichst nur noch aus den Geschichtsbüchern kennen, aber nicht aus ihrer Umgebung.“

Ganz konkret geht es den Jungunternehmern um die Sammlung ausgedienter Elektrokleingeräte wie Haartrockner, Toaster, Kabel, Ladegeräte, kaputte Steckdosenleisten oder auch Handys. Diese wollen sie vor der Deponie retten und möglichst einer Wiederverwertung und Weiternutzung zuführen. Oder, falls das nicht möglich ist, sie einem sauberen, transparenten Recyclingunternehmen übergeben. „Leipzig ist mit der Gelben Tonne plus bei der Mülltrennung schon recht weit. Andere Entsorger in Deutschland haben mehr Probleme mit Elektroschrott. Und weltweit gibt es sowieso riesigen Bedarf für die Lösung des Müllproblems“, sieht Jähnert dringenden Bedarf an nachhaltigen Lösungen. Auf Interesse sind die Leipziger daher auch bereits in Israel, Hongkong, dem Libanon und Indien gestoßen.

Das erst im Juli 2015 formierte Unternehmen hat von März bis September 2016 einen Platz im Spinlab bekommen, dem Gründerlabor der Handelshochschule Leipzig mit Sitz in der Baumwollspinnerei. Dort arbeiten Jähnert und seine Mitstreiter Florian Eidner (25, Maschinenbauingenieur) und Marilu Valente (27, Produktdesignerin) sowie eine niederländische Praktikantin von Problem zu Problem, von Frage zu Frage an der Verwirklichung ihrer Vision. Bis September wollen sie so weit sein, dass ihre Tonnen in Benutzung sind, zumindest in Leipzig. Ein Testexemplar steht bis 31. Mai bei Conrad am Neumarkt, weitere Standorte sollen folgen.

Die „intelligente Mülltonne“ aus Plagwitz enthält allerhand Technik. Los geht’s mit einer Mechanik, damit die Tonne sich öffnet. In der Einwurftrommel befinden sich Kamera und Waage, die erkennen und abwiegen, was genau der Nutzer hineinlegt. Außerdem gibt es einen kleinen Computer, der die erfassten Daten weiterschickt – an Binee oder an den Recycling-Partner. Vielleicht in Zukunft auch an den Hersteller. Nicht zuletzt enthält die Tonne einen Füllstandssensor, der anzeigt, wann sie voll ist.

Was genau der Handel will und braucht, damit er eine solche Tonne bei sich aufstellt, und was der Kunde braucht, damit er sie nutzt, wollen die Gründer im Feintuning-Prozess herausfinden. Auch an einem Belohnungssystem wird getüftelt. Eine Sorge sehen die Gründer: „Womöglich ist die Technologie schon weiter als der Nutzer.“

Bisher sind mindestens 100 000 Euro in das Projekt geflossen – davon 50 000 Euro über eine EU-Förderung. Privates Geld und der Verkauf eines Prototypen an einen deutschen Energieriesen brachten den zweiten Teil der Summe in die Kasse. Die Start-up-Gründer, die alle schon mal in einer Anstellung oder nebenbei gearbeitet haben, leben sparsam und zahlen sich nur ein Mini-Gehalt. Ihre nächsten Schritte werden sein: Handelspartner finden und herausfinden, wodurch sie sich zur Aufstellung einer Tonne mobilisieren lassen. Abholung, Aufarbeitung und Weiterverwertung der Kleingeräte klären. Eins ziehen die Gründer allerdings auch in Betracht: „Sollte der Transport mehr kosten als die Verwertung erbringt, dann lassen wir es sein.“


http://www.binee.com/

Von Kerstin Decker

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