Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Immer mehr Leipziger wollen Plastikmüll vermeiden
Leipzig Lokales Immer mehr Leipziger wollen Plastikmüll vermeiden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:35 26.07.2018
Verzicht auf Verpackung: Christin Neubert und Pierre Mischke vom Laden „Einfach unverpackt“.r Quelle: Foto: André Kempne
Leipzig

Manchmal kann man es nur falsch machen. Im Supermarkt-Regal drängeln sich Äpfel aus der Region in einer bedruckten Plastiktüte, die Exemplare daneben sind unverpackt, kommen aber aus Chile oder aus Neuseeland. Belastend für den Planeten sind sowohl Kunststoff-Abfall als auch lange Transportwege. Wer als Kunde umweltpolitisch korrekt handeln möchte, steckt in der Zwickmühle. Immerhin: Vor allem durch den medialen Alarm über vermüllte Ozeane wächst das Bewusstsein darüber – und die Bereitschaft vom Discounter bis zum Bioladen, über das Reduzieren von Verpackung nachzudenken.

Anfang 2018 gaben Aldi und Lidl bekannt, Schalen, Folien und Schachteln um Obst und Gemüse in naher Zukunft abbauen zu wollen. Wann auch immer das realisiert wird – was der Verbraucher im Laden zu sehen bekommt, ist in Sachen Verpackung nur die Spitze des Eisbergsalats. „Was allein die Anlieferung der Waren für Müllmengen produziert, ist haarsträubend“, berichtet Pierre Mischke.

Der Leipziger arbeitete 14 Jahre lang als Koch im Gastrobereich und weiß, was sich im Lager an Verpackung türmt. Er zog Konsequenzen: Zusammen mit seiner Freundin Christin Neubert, die das Dilemma als ehemalige Supermarkt-Verkäuferin ebenfalls kennt, öffnete er im März 2016 den Laden „Einfach unverpackt“ in der Südvorstadt; der einzige in Leipzig, in Deutschland sind es derzeit knapp 100.

Einkaufen mit Mehrwegbehälter

„Wir verzeichnen einen kontinuierlichen Kundenzuwachs“, so Mischke, „und der hat auch mit steigendem Problembewusstsein zu tun.“ In der Kochstraße 6 werden mitgebrachte oder dort gekaufte Mehrweg-Behälter befüllt – mit Pflegeprodukten, Drogerieartikeln oder Reinigungsmitteln; Gemüse, Obst oder Süßigkeiten gibt’s durchweg ohne Drumherum. Die Preise bewegen sich auf Bioladen-Niveau, manche Produkte liegen deutlich darunter. „Natürlich kommt all das zu uns in Verpackung“, sagt Mischke, „aber in 25-Kilo-Säcken, Mehrweg-Behältern oder Pfandeimern“.

Auch beim Konsum Leipzig registriert man die Umweltproblematik. „Zweifellos sind Obst und Gemüse oft unnötig verpackt“, bestätigt Pressesprecher Matthias Benz, klare Schlussfolgerungen sind jedoch schwer machbar. „Hier sind wir auf den Lieferanten angewiesen, und der bestimmt die Art von Verpackung.“

Zudem wolle man die Kunden nicht bevormunden: „Bei uns kann jeder die Entscheidung treffen, ob er Tomaten mit oder ohne Plastikschale kauft“, so Benz. Eine Praxis wie in Unverpackt-Läden ist beim Konsum schwierig. „Das Gewicht einer Mehrweg-Umverpackung kann an der geeichten Kassenwaage nicht ohne Weiteres abgezogen werden.“ Zudem könne man bei Konsum Leipzig davon ausgehen, dass kein Plastikmüll im Meer lande.

Auch Zulieferer schwenken um

Mischke gibt zu bedenken: „Die weggeworfene Folie eines Schokoriegels kann sehr wohl in der Kanalisation und später in Fluss und Meer landen.“ Der Vorteil eines kleinen Ladens wie seinem: „Bei uns stellen sich die Zulieferer auf den Wandel ein und wechseln zur Mehrweg- oder Pfand-Verpackung.“

Doch auch in Supermärkten könnte laut Konsum-Sprecher Benz das Kundenverhalten langfristig Einfluss auf die Menge des Mülls haben. „Es wird durchaus registriert, wenn der Verbraucher nach dem Kauf die Verpackung direkt im Geschäft entsorgt“, sagt er.

Welche Mengen wegfallen können, verdeutlicht die fast unglaubliche Bilanz im Privathaushalt Neubert/Mischke. „Plastikmüll müssen wir nur alle fünf Monate runterbringen.“

Von Mark Daniel

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Hitzewelle und Trockenheit machen der Leipziger Fauna und Flora schwer zu schaffen. Die ersten Teiche sind bereits trocken gefallen, das Amt für Stadtgrün und Gewässer geht davon aus, dass in den nächsten Tagen zehn Prozent der 105 Stillgewässer ein ähnliches Schicksal erleiden.

25.07.2018

Am Wochenende beginnt im Süden von Leipzig das Klimacamp. Zum Auftakt rufen Umweltverbände und die Aktivisten des Camps zu einer Demonstration in Leipzig auf. Sie fordern ein Ende des Kohleabbaus.

25.07.2018

Anfang August müssen sich Kunden von Kabel Deutschland beziehungsweise Vodafone umstellen: Dann können sie nur noch digitales TV und Radio empfangen. Die wichtigsten Fakten zur Abschaltung.

25.07.2018