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Investitionen bei Sportvereinen: Kein Cent vom Land, nur noch die Hälfte von der Stadt

Investitionen bei Sportvereinen: Kein Cent vom Land, nur noch die Hälfte von der Stadt

Noch 150.000 Euro gibt es als Zuschuss für Sportvereine mit Pachtsportanlagen, wenn diese etwa ihren Rasenplatz sanieren oder ihre Halle renovieren müssen. Dies wird von der sportpolitischen Sprecherin der Linkspartei, Margitta Hollick kritisiert.

Leipzig. Waren es bis vergangenes Jahr von der Stadt und vom Land noch jeweils 400.000 Euro, wollte die Stadt die Summe für Baufördermittel – genau wie der Freistaat – zunächst komplett einstellen.

Der Sportausschuss reichte einen Antrag ein, welcher einen städtischen Zuschuss von 300.000 Euro für Investitionen in Sportpachtanlagen vorsah. Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) war mit der Hälfte – 150.000 Euro einverstanden. Ausschussvorsitzender Christopher Zenker, war der einzige der SPD-Fraktion, der für den Antrag stimmte. Doch die Leipziger Sportvereine kämpfen auch an anderen finanziellen Fronten.

„Wie soll man da noch von einer Sportstadt sprechen“, beklagt sich Margitta Hollick, sportpolitische Sprecherin der Linken im Stadtrat. Bis vergangenes Jahr war die Regelung so: Der Freistaat Sachsen, die Stadt Leipzig und die Sportvereine finanzierten ein Bauprojekt jeweils zu einem Drittel. Seit diesem Jahr gibt es vom Land nichts mehr und auch die Stadt halbierte die Mittel. Zwar bewilligte der Landtag 2,85 Millionen für Bauprojekte, diese sind aber bereits vergeben und können somit nicht für neue Vorhaben genutzt werden. Für sämtliche Neuinvestitionen gibt es vom Land keinen Cent mehr.

Insgesamt gibt es 375 Sportvereine in Leipzig, 190 davon mit Pachtsportflächen der Stadt. Über 80.000 Leipziger sind Mitglied eines Sportvereins, von diesen „sind mehr als 20.000 im Kindes- beziehungsweise Jugendalter“, heißt es auf der Internetseite der Stadt. Hollick ärgert sich besonders darüber, dass die Mitglieder im Sportausschuss keine Lobby in ihren Fraktionen hätten. Der Vorsitzende des Sportausschusses, Christopher Zenker, ist ein SPDler. „Doch die Fraktion des Bürgermeisters stimmte der Summe von 150.000 Euro zu, Zenker hat in seiner Fraktion wohl nur eine Alibifunktion“, meint Hollick.

Der Ausschussvorsitzende sieht das anders: „Es ist richtig, dass ich in meiner Fraktion keine Mehrheit für den Antrag des Sportausschusses gefunden habe. Zum einen bin ich aber froh, dass immerhin 150.000 Euro bewilligt wurden und es keine Nullsumme wurde, wie zunächst von der Verwaltung vorgesehen. Zum anderen stimmt die Linkspartei so gut wie immer für Erhöhungen. Nur Geld zu fordern, ohne Ausgaben decken zu können, kann aber auch nicht der richtige Weg sein“, so Zenker, der außerdem bemerkt: „Der Sportausschuss hat bislang immer sehr gut zusammengearbeitet. Ich finde es erschütternd, dass Frau Hollick nun einen Keil in unsere Gruppe treibt.“

Zudem merkt er an, dass die SPD-Fraktion einem Antrag der Linken unterstützt, den allgemeinen Sportfördermitteltopf, der unter anderem für Fahrtkosten und Jugendförderung genutzt werden kann und über eine Million Euro beinhalte, um 50.000 Euro aufzustocken. Den Vorwurf Hollicks, die SPD kümmere sich nicht um den Sport, will Zenker nicht auf sich sitzen lassen: „Wir waren die einzigen, die an dem Thema des Wiederaufbaus der Sporthalle am Rabet, die vor einigen Jahren wegen eines Brands zerstört wurde, festgehalten haben. Hier gehen wir auch das Problem an, dass es einen Mangel an Dreifeldsporthallen gibt.“

Die Halle am Rabet war vorher eher klein, unter anderem trainierten hier die Leipziger Löwen Kampfsportarten. „Wir wollen, dass hier eine Drei-Feld-Halle entsteht, die auch Raum für Sportarten, wie beispielsweise Volleyball, bietet“, so Zenker. Der Antrag befindet sich noch im Verfahren. Desweiteren wolle man prüfen, andere Geldhähne anzapfen zu können. „Etwa beim Punkt Energieeinsparung. Wenn ein Gebäude gedämmt werden muss, ist es gut möglich, hier EU-Mittel locker machen zu können“, so der Sportausschussvorsitzende.

Das Problem mit dem Geld für Bauinvestitionen kennt der Leipziger Sportclub 1901 (LSC) nur zu genau. „Seit Jahren kämpfen wir für einen Kunstrasenplatz. Fördermittel wurden bislang nicht bewilligt. Letztes Jahr haben wir zwar keinen Antrag bei der Stadtverwaltung eingereicht, aber es hieß vorher schon immer: Zuerst kommen die Fußballer anderer Vereine an die Reihe“, sagt Karin Kunze, Kassenwartin beim LSC. Dabei sei ein Kunstrasenplatz für die 200 Hockey-Spieler beim LSC wichtig – zumal über die Hälfte Kinder und Jugendliche seien.

„Ohne Kunstrasen läuft beim Hockey kaum noch etwas. Wir würden besonders unseren Nachwuchs gerne fördern“, so Kunze. Die Chancen nach der Mittelkürzung von der Stadt und der völligen Gelderstreichung vom Land noch Zuschüsse für einen Kunstrasenplatz zu bekommen, erachtet sie als gering: „Ein Drittel hätten wir mit dem Einsatz unserer Mitglieder vielleicht noch aufbringen können. Mehr ist aber kaum möglich. So ein Kunstrasen kostet immerhin 700.000 Euro“, erklärt die Kassenwartin.

Dass die Sportvereine nicht nur Sorgen wegen Handwerkerrechnungen haben, zeigt das Beispiel des Turn- und Gymnastik-Clubs Leipzig (TUG). Hier beißt sich die Katze selbst in den Schwanz. Der Verein bekommt Zuschüsse, weil er Stützpunkt für den Leistungssport ist. Wer hier bei immer größeren Wettkämpfen mitmischen will, muss auch ein entsprechendes Training garantieren können. Doch qualifizierte Trainer kosten Geld.

„Unsere Übungsleiter können wir gerade so von unseren Mitgliedsbeiträgen bezahlen. Und ich muss dazusagen: Es ist nicht unbedingt viel, was sie für ihre Arbeit bekommen“, sagt Birgit Guhr, Cheftrainerin im Bereich Rhythmische Sportgymnastik. Ohne gutes Training gibt es aber auch keine Erfolge. Und wenn die ausbleiben, wird auch der Status zum Leistungsstützpunkt aberkannt und somit das Extrageld von der Stadt gestrichen.

„Wir bekommen mehr Geld von der Stadt als noch im vergangenen Jahr. Es sind vor allem die Rahmenbedingungen die teurer werden: Fahrtkosten zu Turnieren und Wettkampfkleidung zum Beispiel. Das müssen die Eltern übernehmen“, so Guhr.

Gerade in dieser Sportart käme es darauf an, möglichst früh mit einer gezielten Förderung zu beginnen. „Bei uns wird von Kindesbeinen an trainiert. Deswegen mache sich mangelnde Förderung wegen fehlender Finanzen zuerst beim Nachwuchs bemerkbar“, sagt die Sportlerin.

Es komme nicht von ungefähr, dass der Großteil der Turnerinnen, die sich für die Sächsischen Meisterschaften in der Rhythmischen Sportgymnastik qualifiziert hätten, beim TUG trainieren. „In dieser Sportart sind die Gruppen sehr klein. Ungefähr 15 Leute trainieren bei einem Übungsleiter. Das bedeutet: Wir brauchen viele Gruppen und dementsprechend auch viel Personal“, erklärt Guhr. Damit vor allem der Nachwuchs unterstützt werden kann, sucht der Verein Förderer und Sponsoren (Kontakt: Annett Friedrich). Konkret: „Wir wollen nicht, dass diese Sportart in Leipzig verloren geht“, so Guhr.

Magdalena Froehlich

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