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Investor will Polygraph-Gelände in Leipzig neu beleben - Hoffnung für historische Krause-Villa

Investor will Polygraph-Gelände in Leipzig neu beleben - Hoffnung für historische Krause-Villa

Es ist 1.30 Uhr in der Nacht, als plötzlich Flammen aus der historischen Krause-Villa im Leipziger Südosten schlagen. Unbekannte Brandstifter haben unter dem Dach des einstigen Fabrikanten-Wohnpalastes Feuer gelegt.

Leipzig. Das leerstehende Gebäude auf dem Polygraph-Gelände brennt fast bis auf die Grundmauern nieder – das war vor gut einem Jahr.

Nun gibt es einen Hoffnungsfunken für den 1896 errichteten Gründerzeit-Bau: Brandenburgische Investoren haben nach Informationen von LVZ-Online die Villa sowie einen Großteil des Grundstücks an der Zweinaundorfer Straße bei einer Auktion in Berlin für 595.000 Euro ersteigert. Sie wollen das Gebäude sowie zwei weitere denkmalgeschützte Ruinen auf dem ehemaligen Fabrikgelände sanieren und zu Wohnhäusern ausbauen. Die Stadt Leipzig sieht das Projekt als große Chance für den gesamten Stadtteil Anger-Crottendorf.

Um die alte Villa des einstigen Buchdruckereimaschinen-Unternehmers Karl Krause zu retten, müsse umgehend gehandelt werden, ist Thorsten Spohler überzeugt. Der Chef des Leipziger Architekturbüros SPS Plan hat für die beiden neuen Eigentümer aus dem Südraum von Berlin die Planung für das Projekt übernommen. „Einen weiteren Winter würde das Gebäude nicht vertragen. Es hat von vergangenem zu diesem Jahr sehr gelitten. Erstaunlich, dass die Außenwände überhaupt noch stehen“, erklärt der Architekt. „Der aktuelle Zustand der Villa ist ein Jammer, da tränt einem das Herz.“

„Kultiviertes Wohnen“ in ehemaliger Fabrikanten-Villa

Ziel der privaten Investoren sei es zunächst, die drei Gebäude zu sichern und danach Schritt für Schritt als Wohngebäude auszubauen. „Das Projekt ist langfristig geplant, so schwierig und kostenaufwändig das Ganze auch ist“, erklärt der Architekt, der bereits zahlreiche Stadtvillen in Leipzig saniert hat. Einen einstelligen Millionenbetrag könnte das Vorhaben laut Spohler kosten. Neben der Krause-Villa gehören auch ein kleineres Beamtenwohnhaus sowie das Torhaus an der Zweinaundorfer Straße, das einst als Zufahrt zur Fabrik diente, zu dem rund 39.000 Quadratmeter großen Grundstück „Bis Ende des Jahres soll die Villa ein Dach bekommen“, kündigt Spohler an. Für das Torhaus gebe es bereits Überlegungen, dort auch Geschäfte unterzubringen. „Aber wir werden keine großen Büroflächen entwickeln. Es sollen Flächen für kultiviertes Wohnen entstehen“, betont der SPS-Plan-Chef.

Auch den Rest des ehemaligen Polygraph-Geländes wollen die neuen Eigentümer bebauen lassen. Ursprünglich war 1994 von der Stadt ein ehrgeiziger Bebauungsplan festgelegt worden, der ein allgemeines Wohngebiet mit zwei- bis fünfgeschossigen Häusern in dichter Bebauung vorsieht. „Dieser Plan ist jedoch nicht mehr zeitgemäß“, meint Spohler. Stattdessen sei eine offenere Gestaltung, beispielsweise in Form von Stadthäusern in Kombination mit Grünflächen, geplant. Die Stadt signalisierte den Investoren bereits ihr Entgegenkommen. Angesichts der aktuellen Rahmenbedingungen sei man gerne bereit, eine Änderung zu einer lockereren und durchgrünten Bebauung vorzunehmen, teilte das Dezernat für Stadtentwicklung und Bau auf Anfrage mit.

50-Quadratmeter-Räume und Rohbau-Treppenhaus

Das Projekt sei keinesfalls  einfach, betont Peter Leonhardt vom Amt für Bauordnung und Denkmalpflege. „Durch fortgeschrittenen Vandalismus und Brände sind das Grundstück und die darauf befindlichen Gebäude in schlechtem Zustand“, beschreibt der Rathausmitarbeiter die aktuelle Situation vor Ort. Die mehrfach umgebaute Villa sei zudem sehr verschachtelt aufgebaut und besitze teilweise riesige Räume von bis zu 50 Quadtratmetern. „Das ist wohl auch der Grund dafür, warum sich da so lange keiner rangetraut hat“, denkt Leonhardt. Ein Vorbesitzer des Gebäudes habe 1994 mit einer Sanierung begonnen, diese dann aber aufgrund des großen Aufwands Hals über Kopf abgebrochen. „Übrig geblieben ist unter anderem ein Treppenhaus im Rohbau“, berichtet Leonhardt.

Nun soll zunächst ein Gesamtkonzept für die drei Gebäude und das gesamte Gelände erstellt werden. Die Planungen stünden jedoch noch am Anfang, das gesamte Vorhaben werde sich wahrscheinlich über mehrere Jahre hinziehen, resümiert Spohler. Zudem seien noch offene Fragen beim Grundstücksübergang mit dem Vorbesitzer zu klären. „Hier gibt es noch eine ganze Reihe an Problemen. Wir hoffen, dass es bald zu einer Lösung kommt, ansonsten könnte das ganze Vorhaben schwierig werden“, erläutert Spohler.

Denkmalpfleger Leonhardt gibt sich bereits überzeugt, dass das Projekt den Charakter von Anger-Crottendorf langfristig verändern könnte: „Das gesamte Gelände strahlt bisher negativ auf umliegende Wohngebiete aus. Wenn es gelänge, das zu entwickeln, wäre das ein Riesengewinn für Anger-Crottendorf.“

Robert Nößler

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