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Lokales Irak-Besuch: „Ich habe sehr oft Angst“
Leipzig Lokales Irak-Besuch: „Ich habe sehr oft Angst“
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00:18 25.11.2016
Der Leipziger Fotojournalist Sylvio Hoffmann bei seinem Auslandseinsatz in Kobane im Jahr 2014. Quelle: Ahmad Halabisaz
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Leipzig

Der Leipziger Fotojournalist Sylvio Hoffmann sitzt in einem Hotelzimmer in Suleymani, im kurdischen Teil des Irak. Ein Uhr in der Nacht soll er abgeholt werden. Der Peschmerga-General Mahmud Sangawi schickt seine Leibgarde als Personenschutz, denn der Weg nach Kirkuk, zweieinhalb Stunden südwestlich von Mossul, ist gefährlich. Dort leben arabische Sunniten, Schiiten, Christen und Kurden eng beieinander – und die Terrormiliz „Islamischer Staat“ ist noch immer präsent. Vor allem nachts drohen Angriffe auf öffentliche Transportwege. Die schusssichere Weste mit Helm und Rucksack liegt griffbereit neben der Tür. Im Interview spricht Hoffmann über Heimweh, Angst und warum er für ein einziges Foto sein Leben aufs Spiel setzt.

Warum reisen Sie als Fotograf in Krisengebiete?

Im Dezember 2014, als die syrische Stadt Kobane durch den IS belagert wurde, bin ich erstmals ins türkisch-syrische Grenzgebiet gefahren. Freunde von mir waren dort unterwegs, um die kurdischen Kämpfer medizinisch zu versorgen oder um in Flüchtlingslagern Erste Hilfe zu leisten. Meine Freunde, türkische und kurdische Aktivisten, haben mir bei ihrer Rückkehr immer sehr viel erzählt. Gleichzeitig waren ihre Geschichten in den Medien wenig präsent. Das hat mich sehr motiviert.

Was wollen Sie mit ihren Bildern erreichen?

Es geht darum, Verbindungen zu knüpfen. Die Verbindung zwischen einer Momentaufnahme, wo man Millisekunden eines Lebens oder einer Situation festhält, und eines realpolitischen Kontextes. Das wäre der Mensch, der etwas erlebt, die politischen oder sozialen Verhältnisse, die ihn dahin bringen, und derjenige, der sich das Bild dann ansieht, tausende Kilometer davon entfernt. Gleichzeitig erzählt man auch einfach eine Geschichte.

Warum sind Sie jetzt in den Irak gereist?

Ein Freund von mir, Dr. Sait Cueruekkaya, ist als deutscher Kurde aus Hamburg in den Irak gereist, um hier als Freiwilliger die Peschmerga zu unterstützen. Er hat Sprengfallen entschärft, der IS hat sie hier überall versteckt. Er ist leider an dem Tag, an dem ich angekommen bin, sehr schwer verletzt worden und wenige Tage später gestorben. Ich will unter anderem eine Geschichte über sein Leben machen. Und über die Menschen, die alles verloren haben, in ihren komplett zerstörten Dörfern rund um Mossul.

Haben Sie denn keine Angst?

Doch, sehr oft sogar.

Wie gehen Sie damit um?

Wenn man beschossen wird, hat man wenig Zeit zum Nachdenken. Da setzt ein Überlebensinstinkt ein: Man sucht sich die sicherste Stelle und wartet dort. Der Rest ist dann Glück. Schwieriger ist die permanente Belastung in Ländern, in denen Journalisten unerwünscht sind. In der Türkei zum Beispiel, wo man aufpassen muss, den Menschen überhaupt von seinem Beruf zu erzählen.

Sehen Sie es kritisch, dass so viel persönliche Bindung in Ihrer Arbeit steckt?

Ich denke, als Fotograf ist es fast unmöglich, objektiv zu arbeiten. Du siehst ja immer den Ausschnitt, so wie du ihn sehen willst, durch den Sucher. Das Bild ist immer durch die persönliche Meinung des Fotografen geprägt. Man muss auch bedenken, unter welchen Umständen Fotos in Krisengebieten entstehen. Man kann nicht einfach alles fotografieren, was man möchte. An viele Situationen komme ich schwer heran. Es sind auch gewisse Zufälle, die ein gutes Bild ergeben.

Wie ist es für Sie, wieder nach Leipzig zu kommen?

Das ist wohl am schwierigsten. Ich muss mich daran erinnern, dass ich auch hier ein Leben führe. Ganz schnell kann es passieren, dass mir alles total belanglos vorkommt. Man verfällt in so eine komische Lethargie und möchte am liebsten so schnell wie möglich zurück. Wenn ich unter Gefahr stehe, fällt es mir leichter, den Sinn in dem zu sehen, was ich tue. Den gibt es hier natürlich auch – auf eine andere Art und Weise.

Von Andreas Schmidt

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